Börsenausblick Das Orakel spricht wieder
Frankfurt am Main - Vor allem die Technologiebörse Nasdaq (plus 2,1 Prozent auf 1922 Zähler) legte kräftig zu. Software- und Halbleiteraktien waren gefragt. Die Industriewerte im Dow Jones präsentierten sich 0,2 Prozent fester bei 9730 Punkten.
Der Softwarehersteller und SAP-Konkurrent Siebel Systems meldete nach Börsenschluss Zahlen über den Erwartungen der Analysten. Amgen meldete ebenfalls nach Börsenschlus. Das weltweit größte Biotechunternehmen, verfehlte die Erwartungen der Analysten nur knapp.
Positive Impulse seien am Mittwoch auch von Gewinnen des Halbleiterherstellers Novellus Systems ausgegangen, der nicht nur einen im Vergleich zum Vorjahr höheren Quartalsgewinn auswies, sondern von einer Investmentbank hochgestuft wurde. Auch Applied Materials, Texas Instruments und Intel waren stark nachgefragt. Mehr als ein Drittel der 500 Aktien im S&P-Index haben ihre Quartalszahlen vorgelegt. Nach einer Erhebung der Firma Thomson Financial/First Call sind diese Gewinne im Schnitt um 20,4 Prozent gefallen. Analysten rechnen mit einem Rückgang von 22,2 Prozent insgesamt. First Call wies jedoch darauf hin, dass die Zahl jener Firmen, die ihre selbst gesteckten Ergebnis-Ziele nicht einhalten, auf dem Rückzug ist.
Amgen berichtete nach Börsenschluss für das vierte Quartal von einem um 23 Prozent niedrigeren Nettogewinn. Der Nettogewinn ging auf 15 Cent je Aktie zurück nach 19 Cent je Aktie im Jahr zuvor. Anlysten hatten 14 Cent je Aktie erwartet. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 1,12 Milliarden Dollar.
Der US-Softwarehersteller und SAP-Konkurrent Siebel Systems hat im vierten Quartal einen Gewinnrückgang von 17 Prozent verzeichnet. Der Nettogewinn sei auf 13 (15) Cent je Aktie zurückgegangen, teilte Siebel nach US-Börsenschluss mit. Analysten hatten einer Umfrage von Thomson Financial/First Call zufolge im Durchschnitt einen Gewinn neun Cent je Aktie erwartet. Siebel-Aktien legten nachbörslich zu.
Heute erwarten die Investoren unter anderem noch Quartalszahlen der Pharmakonzerne Bristol-Myers Squibb und Eli Lilly.
Lockt Greenspan mit neuen Zinssenkungen?
Mit Spannung wird am Nachmittag die Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan erwartet. Greenspan wird reichlich Gelegenheit erhalten, seiner offenbar stark missverstandenen Rede vom 11. Januar eine transparentere Gestalt zu geben. Vor dem Haushaltsausschuss des US-Senats dürfte es spannend werden, wie sehr der Fed-Chef sich von seinen jüngst geäußerten pessimistischen Konjunkturtönen distanzieren oder diese klar stellen wird. Marktteilnehmer wollen von Greenspan hören, dass es bereits Zeichen einer Erholung gebe, und sie wollen weitere Hinweise auf eine eventuelle erneute Zinssenkung Ende dieses Monats.
Warten auf Nokias Zahlen und Ausblick
Während die Geschäftszahlen des weltweit führenden Handyproduzenten Nokia im vierten Quartal 2001 für die Börsianer kaum Überraschungen bringen dürften, erwarten die Analysten mit Spannung heute die Aussagen des finnischen Telekom-Ausrüsters zum laufenden Geschäftsjahr. Mobiltelefone aus dem Weihnachtsgeschäfts könnten noch bei den Händlern auf Halde liegen, befürchten einige Analysten. "Das erste Quartal wird für Nokia das schwierigste im laufenden Jahr", sagte Jussi Hyoety, Analyst der finnischen FIM Securities.
Schlechte Nachrichten für Post-Aktionäre
Der Aktie der Deutsche Post stehen neue Turbulenzen bevor, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf ein der Zeitung vorliegendes Gutachten des Bundesrechnungshofs. Demnach müsse das Unternehmen künftig 450 Millionen Euro mehr Umsatzsteuer jährlich bezahlen. Analysten erwarten Dividendenkürzungen für Aktionäre und sehen die Aktie zu Handelsbeginn im Minus.
Der Rechnungshof wirft Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) vor, mit einer umstrittenen Weisung zur "Herstellung der Börsenfähigkeit" der Post eine ungerechtfertigte Umsatzsteuerbefreiung zugeschanzt zu haben. Dies müsse gesetzlich geändert werden.
Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer gibt heute als 16. deutsches Unternehmen sein Debüt an der Wall Street. "Von dem Listing sollte man sich nicht allzu viel erwarten", sagte ein Analyst in London. Denn Probleme wie ungeklärte Schadenersatzklagen wegen Lipobay/Baycol und eine schwierige Partnersuche im Pharmabereich stünden weiter im Raum.
Eigentlich hatte Bayer den US-Börsengang bereits für den September 2001 anvisiert. Doch nach dem Debakel um den Cholesterinsenker Lipobay, den die Leverkusener im Sommer nach ungeklärten Todesfällen vom Markt nehmen mussten, wurde der Gang an die Wall Street verschoben.
Tokio Schließt fester
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Donnerstag nach der positiven Vorgabe der Wall Street fester geschlossen. Der Nikkei verbesserte sich um 0,33 Prozent auf 10.074 Punkte. Der breit angelegte Topix erholte sich um 0,54 Prozent auf 980 Punkte. Am Vortag war der Index auf den tiefsten Stand seit 17 Jahren gefallen.
Auch die Schwäche des Yen zum US-Dollar wirkte sich positiv auf den Aktienhandel aus. Um 15.00 Uhr Ortszeit notierte der US-Dollar fester mit 134,51-53 Yen nach 133,94-96 Yen zur gleichen Zeit am Mittwoch. Der Euro notierte zum gleichen Zeitpunkt schwächer mit 0,8773-76 Dollar nach 0,8877-79 Dollar am Vortag zur gleichen Zeit.