Börsenausblick: Der Dax, das Schlusslicht weltweit - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Der Dax, das Schlusslicht weltweit

Die Konjunktursignale aus den USA sind düster und schicken die Weltbörsen auf Talfahrt. In Frankfurt war es der schwärzeste September seit zehn Jahren für den Dax. Eine Trendwende ist noch nicht in Sicht.
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New York / Frankfurt am Main – Schwache US-Börsen und ein enttäuschender Einkaufsmanager-Index aus Chicago haben den Dax zum Wochenauftakt weiter nach unten geprügelt. Der Index gab im Handelsverlauf zeitweise mehr als sechs Prozent ab, konnte bis Handelsschluss sein Minus jedoch minimal auf 5,1 Prozent reduzieren und schloss bei 2769 Punkten. Der Nemax 50, Auswahlindex des gescheiterten Wachstumsmarktes der Deutschen Börse, rutschte um 4,4 Prozent ab und schloss bei 341 Punkten.

Im September hat der Dax mehr als ein Viertel seines Wertes eingebüßt. Das ist der größte Monatsverlust seit einem Jahrzehnt. Zugleich war der Quartalsverlust der größte weltweit und der schlimmste im Dax seit 1959. Zusammen haben die 30 Dax-Firmen dabei 131 Milliarden Euro ihrer Marktkapitalisierung verloren, was in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Norwegens entspricht.

Eine Kurserholung am heutigen Dienstag scheint unwahrscheinlich. Im Vorfeld der anstehenden Berichtssaison gibt es kaum Unternehmensnachrichten. Bei der Deutschen Telekom   sind nach Informationen der "Bild"-Zeitung nur noch vier Manager als Nachfolger von Ex-Chef Ron Sommer im Gespräch. Die Zeitung schreibt unter Berufung auf Aufsichtsratskreise, dass es sich bei den verbliebenen Kandidaten um den Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick, den T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke, den Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel sowie Porsche-Chef Wendelin Wedeking handelt. Als interner Favorit gelte Ricke.

Von der Konjunkturseite werden aus den USA gegen 16 Uhr (MESZ) die Zahlen zum ISM-Einkaufsmanagerindex erwartet. Am Montag erst ist der Chicago-Index unter die Marke von 50 Zählern gefallen. Damit wird ein "double dip" der US-Konjunktur immer wahrscheinlicher.

Der Dow fiel im gestrigen Handel um 109,52 Punkte oder 1,4 Prozent auf 7591 Zähler. Doch im Verlauf war der Index bis zu 238 Punkte abgestürzt. Händler begründeten die teilweise Erholung mit Zukäufen durch Schnäppchenjäger. Eine Umsatzwarnung beim weltweit größten Einzelhändler Wal-Mart   habe den negativen Grundton mitgeprägt, hieß es auf dem Parkett. Der Nasdaq notierte zum Schlussgong auf 1172Punkten, ein Minus von 2,3 Prozent. "Computerfirmen stecken in der schlimmsten Rezession seit 30 Jahren", sagte Intel-Chef Craig Barrett. Intel fielen 73 Cent auf 13,89 Dollar.

"Es gibt weiterhin keinen guten Grund, Aktien zu kaufen", sagte Analyst Alfred Kaiser vom Bankhaus Nols. Der Ölpreis bleibe angesichts eines drohenden Irak-Krieges hoch. " Wenn er so hoch bleibt, können wir die Wachstumserwartungen weiter runternehmen", ergänzte Kaiser. Der Preis für die führende europäische Ölmarke Brent stieg am Montag leicht auf rund 29 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter). Die Diskussion um mögliche Steuererhöhungen in Deutschland bezeichneten Marktteilnehmer unterdessen als nicht hilfreich für den Standort Deutschland.

"Das einzige, das uns aus diesem Bärenmarkt erlösen kann, ist eine Erholung der Unternehmensgewinne", sagte Mark Bronzo, ein Fondsmanager bei Groupamana Asset Management.

In Frankfurt standen am Montag besonders die Papiere der Technologie- und Finanzbranche unter Druck. Anteile der HypoVereinsbank   verloren rund elf Prozent, während Commerzbank   und Münchener Rück   jeweils rund acht Prozent einbüßten. Deutsche Bank   und Allianz   kamen mit Verlusten von "nur" 3,4 Prozent davon und performten damit noch besser als der gebeutelte Gesamtindex.

Unterdessen hat der Chef der Commerzbank  , Klaus-Peter Müller, Marktgerüchte dementiert, wonach Deutschlands drittgrößte börsennotierte Geschäftsbank Liquiditätsprobleme habe. Damit reagierte er auf entsprechende Spekulationen vergangener Woche, die den Commerzbank-Kurs deutlich belastet hatten. Belastend wirkte sich am Montag jedoch aus, dass Müller keine Prognose für 2002 gegeben hat.

Die schwankungsanfälligen Titel des Chip-Produzenten Infineon   gaben um knapp zwölf Prozent nach. Auch die Epcos-Aktie   musste rund zehn Prozent Verlust hinnehmen. Die Commerzbank hat Händlern zufolge das Preisziel radikal von zehn auf fünf Euro reduziert. "Weltweit gibt es Signale, dass bei Investitionen in Telekommunikations-Infrastruktur weiter gespart wird. Das trifft natürlich auch Epcos", sagte Analyst Jürgen Wagner von Sal. Oppenheim.

Investoren der T-Aktie   sind zwar bereits leidgeprüft. Der erneute Kursrutsch um beinahe zehn Prozent auf 8,42 Euro dürfte aber auch an den Hartgesottenen nicht spurlos vorübergehen. Die Aktie von SAP   konnte dagegen ihre Verluste im späten Handel reduzieren und ging mit einem Minus von nur noch 1,5 Prozent aus dem Handel.

Die Aktien des Reisekonzerns TUI   fielen zeitweise um mehr als sieben Prozent auf 15,86 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit Ende 1992. Die Aktie ging dann bei 16 Euro aus dem Handel. Analyst Hans Huff von der Bankgesellschaft Berlin sagte, Anleger fürchteten eine Senkung der Geschäftsprognosen bei TUI, nachdem der britische Konkurrent MyTravel mitgeteilt hatte, das Jahresergebnis werde schlechter als die Erwartungen des Marktes ausfallen. Die TUI bekräftigte hingegen, dass der Konzern an seiner Prognose für 2002 festhalte. Die Investmentbank UBS Warburg stufte dennoch die TUI-Aktie von "Halten" auf "Reduzieren" herab.