Börsenausblick Der "Hexensabbat" steht an
Frankfurt am Main - Zum Wochenschluss sollte es noch einmal spannend werden. Nachdem die Börse am Donnerstag aufgrund des Feiertages Fronleichnam beinah in einem Tiefschlaf fiel, bereiten sich die Händler heute auf den "Hexensabbat" vor. Dahinter steckt ein dreifacher Verfallstag. Er wiederholt sich jeweils zum Quartalsende am dritten Freitag des Monats. An diesem Tag verfallen an der Eurex, dem Terminmarkt der Deutschen und Schweizer Börse, gleichzeitig der Juni-Future auf den Dax, die Juni-Optionen auf den Dax und Juni-Optionen auf Aktien. Dabei handelt es sich um Termingeschäfte, einer Art Wette auf den zukünftigen Verlauf der Indizes beziehungsweise Aktien.
In den USA stehen heute wieder zahlreiche Konjunkturindikatoren an: Am Nachmittag wird der Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan veröffentlicht. Zusätzlich werden die Zahlen für die Verbraucherpreise und Realeinkommen für den Monat Mai erwartet.
Bedeutende Unternehmensnachrichten von den großen Dax-Unternehmen sind vor Börseneröffnung nicht bekannt gegeben worden. Im Blickpunkt werden wieder einmal die Technologiewerte stehen, die am Vortag unter starken Kursverlusten litten. Sie dürften zum Wochenschluss wieder unter Druck stehen, nachdem JDS Uniphase die Wall Street mit einer Umsatzwarnung schockte.
Am Neuen Markt könnte die Aktie des Handy-Zulieferers Balda unter Druck geraten. Das Unternehmen hat am Morgen eine Umsatzwarnung ausgegeben. Das Wachstum werde vermutlich nicht die ursprünglich prognostizierten 47,5 Prozent erreichen, sondern eher bei 20 Prozent liegen. Den Folgen des insbesondere in Europa schwach tendierenden Handymarkts könne sich auch der Hersteller von Equipment für Mobiltelefone nicht entziehen, hieß es. Balda rechnet nun 2001 mit Umsatzerlösen von 192 Millionen Euro. Geplant waren rund 236 Millionen Euro. Das anvisierte Umsatzziel 2001 liege damit dennoch gut 10 Prozent über dem Marktdurchschnitt, teilte das Unternehmen aus Bad Oeynhausen mit.
Schwache Vorgaben aus New York und Tokio
Die Börsen in New York wurden am Vortag von einem möglichen Scheitern der Honeywell-Übernahme durch General Electric, kritischen Analystenkommentaren und Ertragswarnungen belastet. Der Dow Jones ging mit einem Verlust von 1,7 Prozent aus dem Handel, auf einem Stand von 10.690 Punkten. Der breiter gefächerte S&P 500 fiel um 1,8 Prozent auf 1220 Zähler zurück. Die Nasdaq fiel um 3,7 Prozent zurück, auf einen Stand von 2044 Punkten.
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat bis zum frühen Freitagnachmittag weiterhin tief in der Verlustzone tendiert. Schwer belastet durch die negativen Vorgaben der Wall Street sowie den düsteren Konjunkturaussichten in Japan notierte der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte um 12.45 Uhr Ortszeit einen Verlust von 246,47 Punkten oder 1,9 Prozent beim Zwischenstand von 12.600 Zählern. Der marktbreite Topix notierte mit einem Abschlag von 19,51 Punkten beim Zwischenstand von 1252 Zählern.
Euro in Fernost stabil nahe Dreiwochenhoch
Der Euro hat sich im fernöstlichen Handel am Freitag knapp unter seinem Dreiwochenhoch von 0,8634 Dollar stabilisiert. Der Großteil der Aufmerksamkeit galt unterdessen dem japanischen Yen. Die Bank von Japan (BoJ) beschloss am Morgen erwartungsgemäß, ihren geldpolitischen Kurs nicht zu ändern. Händlern zufolge stützte dies die japanische Währung, die zuvor wegen Spekulationen über eine weitere Lockerung der Geldpolitik an Wert verloren habe.
Der Euro hat am Vorabend von der Kritik des US-Industrieverbandes NAM an der US-Politik eines starken Dollar profitiert. Nach Auffassung des NAM ist der Dollar um 25 bis 30 Prozent überbewertet.