Börsenausblick: Der Mann mit dem Hammer - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Der Mann mit dem Hammer

Beim allwöchentlichen Marktmarathon ist dem Dax am Donnerstag die Puste ausgegangen. Ob der Leitindex am Freitag wieder auf die Füße kommt, ist fraglich. Mit aufmunternden Anfeuerungen seitens der Börsen in Japan und den USA ist jedenfalls nicht zu rechnen.
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Hamburg - Wer sein Tempo beim Marathonlauf nicht richtig dosiert begegnet ihm zwischen Kilometer 25 und 35: dem Mann mit dem Hammer. Der Läufer wird müde, der Lauf verkrampft. Mit jedem Schritt nimmt das körperliche Leiden zu. Das Selbstbewusstsein schwindet, der Wille beginnt zu brechen und der Läufer zweifelt an sich selbst.

Ähnlich ist es den deutschen Börsen am Donnerstag ergangen. Den Indices gingen kurz vor Wochenschluss buchstäblich die Puste aus. Der Dax   verlor bis zum Börsenschluss 2,80 Prozent auf 3909,46 Punkte. Der MDax   sank um 2,30 Prozent auf 4851,26 Zähler, und der TecDax   verlor 2,66 Prozent auf 571,90 Zähler. Einbruch auf breiter Front. Jetzt müssen sich die Börsianer über den Freitag quälen.

Marathonläufer empfehlen in diesem Fall auf externe Motivation zu setzen. Vor allem die Zuschauer, so berichten es Läufer, sollen helfen, den Tiefpunkt zu überwinden. Die helfen dem Dax am Freitag allerdings kaum.

Mit Anfeuerungen aus den USA ist nicht zu rechnen. Auch der New Yorker Aktienmarkt schloss am Donnerstag schwächer. Der Dow-Jones-Index   für 30 Industriewerte gab 0,7 Prozent auf 10.241 Zähler nach. Der S&P-500-Index verlor ebenfalls 0,7 Prozent auf 1114 Zähler. Der Nasdaq Composite   fiel um 1 Prozent auf 1.938 Zähler. Nach den guten Konjunkturdaten des Tages habe die Angst vor einer Zinserhöhung den Handel geprägt, hieß es bei Händlern, zumal die Fed bereits die Möglichkeit steigender Zinsen hervorgehoben habe.

Die Anleger warteten nun am Freitag auf die US-Arbeitsmarktdaten, die am späten Mittag bekannt gegeben werden, sagten Beobachter. Die Daten könnten weitere Hinweise auf den Zinsanhebungs-Zeitplan der Fed liefern.

Japan macht Schlapp

Auch Japan macht schlapp. Die Börse in Tokio hat am Freitagvormittag schwächer tendiert. Nach den negativen Vorgabe der Wall Street gab der Nikkei   um 83,41 Punkte auf 11.487,93 Punkte nach. Der breit gefasste TOPIX büßte bis dahin 10,05 Punkte oder 0,86 Prozent auf 1155,19 Punkte ein.

Neben den Zinsängsten lasten die hohen Rohstoffkosten weiter wie Bleigewichte auf den Märkten. Der Ölpreis steht knapp unterhalb der 40-Dollar-Marke: In New York stieg der Preis pro Barrel (159 Liter) jüngst um 1,5 Prozent auf 39,57 Dollar - weiterhin der höchste Stand seit Oktober 1990.

Unveränderter Dax

Und so starten die deutschen Aktienwerte nach Einschätzung von Börsianern am Freitag nahezu unverändert in die letzte Wochenetappe. Die Citibank berechnete den Dax gegen 08.05 Uhr mit 3906 Punkten nach einem Schluss von 3909,46 Zählern am Donnerstag. Das Handelshaus Lang & Schwarz sah das deutsche Börsenbarometer bei 3904 Stellen und die Deutsche Bank bei 3909 Punkten.

Deutsche Börse macht Stimmung

Indes, es gibt auch aufmunternder Nachrichten. Die Deutsche Börse   etwa hat im Auftaktquartal 2004 dank einer regen Handelstätigkeit Umsatz und Gewinn gesteigert und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Investitionen in die Expansion der Terminbörse Eurex in die USA drückten jedoch leicht aufs Ergebnis.

"Besonders durch die positive Entwicklung in den Segmenten Clearstream und Xetra haben wir das erste Quartal mit einem Rekordergebnis abgeschlossen", sagte Finanzvorstand Mathias Hlubek am Donnerstag nach Handelsschluss. "Die Verwahrung von Wertpapieren, der Kassamarkthandel sowie die Abwicklung börslicher und außerbörslicher Geschäfte profitieren von der Erholung an den Aktienmärkten."

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent auf 132,8 Millionen Euro zu. Der Umsatz erhöhte sich auf 379,1 (Vorjahr: 350,5) Millionen Euro, der Periodenüberschuss kletterte auf 76,9 (69,8) Millionen Euro.

ProSiebeSat1-HV: Erstmals mit Saban

Ein Highlight heute ist sicher auch das Aktionärstreffen von ProSiebenSat1  . Erstmals seit der Übernahme durch den US-Milliardär Haim Saban im Sommer vergangenen Jahres lädt Deutschlands größter TV-Konzern am Freitag in München zur Hauptversammlung.

In den vergangenen Monaten erlebte das Unternehmen eine personelle Neustrukturierung des Managements, in deren Rahmen auch Vorstandschef Urs Rohner abdankte. Saban, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Konzerns ist, hatte für das Aktionärstreffen sein Kommen angekündigt. Möglicherweise erfahren die Aktionäre von ihm auch Neues über seine Pläne für das Unternehmen. Rede wird der US-Tycoon wohl nicht viel. Dafür, so kündigte er bereits an, sei sein Deutsch zu schlecht.

Entspannungstendenzen auch beim Euro. Der Dollar notierte um 11.00 Uhr Ortszeit in Japan fester mit 110,41-44 Yen, nach 108,96-99 Yen am späten Vortag. Der Euro notierte im frühen Geschäft leichter mit 1,2069-71 Dollar, nach 1,2147-50 Dollar am späten Vortag. Zum Yen tendierte der Euro dagegen fester mit 132,62-66 Yen, nach 132,38-42 Yen am späten Vortag.

Epcos und Degussa mit Zahlen

Mit einem weiteren Umsatzrückgang rechnen Analysten für das erste Quartal der Degussa  . Allerdings sind die Prognosen mit Unsicherheit behaftet, weil der Spezialchemiekonzern die Rechnungslegung auf IFRS von US-GAAP umgestellt hat.

Mit signifikanten Auswirkungen auf das Ergebnis wird dadurch zwar nicht gerechnet, doch dürfte Degussa in jedem Falle angepasste Vorjahreszahlen nennen. Erste Eckdaten wird das Unternehmen zur Hauptversammlung am Freitag veröffentlichen, der vollständige Quartalsbericht folgt am Dienstag, dem 11. Mai.

Der Bauelemente-Spezialist Epcos legt am Freitag seine Zahlen für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres vor. Das Unternehmen war mit einem Gewinnsprung ins neue Jahr gestartet und hatte sich nach den ersten drei Monaten auch für das Gesamtjahr 2003/2004 (30. September) optimistisch gezeigt.

Im ersten Quartal stieg das Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 2,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 12,4 Millionen Euro. Der Umsatz stagnierte im ersten Quartal im Jahresvergleich bei 331 Millionen Euro.

Und so hecheln sich die deutschen Börsen heute mühsam über die Ziellinie. In jedem Fall dürften die Börsianer froh sein, wenn dieser Dauerlauf vorüber ist.