Börsenausblick Der Tag vor der US-Zinssenkung
Hamburg - Am Dienstag steht die Börse ganz im Bann der US-Notenbank. Vor der erwarteten Zinssenkung wird der Handel in Frankfurt voraussichtlich ruhig verlaufen, dank der festen Vorgaben aus New York sollten sich die Kurse jedoch leicht erholen können.
Der Blue-Chip-Index Dow Jones kletterte am Montag um 1,38 Prozent auf 9959 Punkte. Der breiter gefächerte S&P 500 verbesserte sich um 1,76 Prozent auf 1171 Zähler. Die Nasdaq ging mit einem Plus von 3,19 Prozent aus dem Handel, auf einem Stand von 1951 Punkten. Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Dienstag auf Grund eines Feiertages geschlossen.
In Frankfurt stehen für Dienstag nur wenige Unternehmensmeldungen an. Die im M-Dax gelistete MLP hat im Geschäftsjahr 2000 ihren Konzernjahresüberschuss um 53,5 Prozent auf 61,9 Millionen Euro erhöht. Wie das Unternehmen am Dienstag ad hoc mitteilte, stieg der Konzerngewinn vor Steuern vom Einkommen und Ertrag um 50,4 Prozent auf 114,8 Millionen Euro. Die Konzerngesamterlöse erreichten 816 Millionen Euro und lagen damit um 50 Prozent über den Gesamterlösen des Vorjahres. Der Vorstand will nun die Dividende um 30 Prozent je Stammaktie auf 0,38 Euro und je Vorzugsaktie auf 0,40 Euro zu erhöhen.
Die Siemens-Tochter Infineon könnte von einer Meldung von Royal Philips Electronics belastet werden. Der Elektronik-Konzern erwartet für das erste Quartal 2001 ein gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent gesunkenes Ergebnis seiner Halbleitersparte. Die Halbleiterumsätze würden in diesem Zeitraum nur um sieben Prozent statt der zuvor prognostizierten 15 Prozent steigen, teilte das Unternehmen am Dienstag in Amsterdam mit.
Zinssenkung wird erwartet
Thema des Tages bleibt allerdings die Sitzung der US-Notenbank. Ein erstes Ergebnis des Treffens wird erst kurz nach Börsenschluss in Frankfurt erwartet. Händler erwarten eine Zinssenkung um 50 Basispunkte, einige gehen sogar von 75 Basispunkten aus.
Sollte sich Greenspan zu einer nur verhaltenen Zinspolitik entscheiden, könnte der Aktienmarkt weiter einbrechen. Händler verweisen darauf, dass eine Zinssenkung um 50 Basispunkte bereits in den jetzigen Kursen enthalten sei. "50 Basispunkte nach unten sind schon längst eingepreist", sagte ein Händler. Sollte die Fed tatsächlich die Zinsen nur in diesem Umfang senken, könnte dies den Markt sogar enttäuschen und eine erneute Verkaufswelle auslösen. Dagegen sagten Analysten in den USA, bei einer Zinssenkung um 50 Basispunkte könnten möglicherweise Aussagen der Fed, dass die konjunkturelle Lage wieder ein wenig besser aussehe, den Markt trotzdem stimulieren.
"Wir haben eine Chance auf eine Korrektur, wenn die Fed die Zinsen um 75 Basispunkte senkt", sagte ein Börsianer. Aber selbst dann sei eine Erholung der Kurse ungewiss. "Wir haben hier schon oft eine Erholung versucht und es nicht geschafft", ergänzte er. Knut Hochwald, Händler bei der Hamburger Sparkasse, sagte: "Es steht bei einer Zinssenkung um 50 Basispunkte zu befürchten, dass der Markt neue Tiefstände testen wird." Auch Analyst Achim Schneider von Dresdner Bank geht davon aus, dass bei einer Senkung um 50 Basispunkte, die Aktienmärkte eher negativ reagieren dürften. Mit einer Erholung der Märkte rechnet der Experte im Laufe dieses Jahres. Sobald die Gewinnwarnungen der Unternehmen und die Revisionen der Analysten nach unten einen Boden fänden, sollte das positive Zinsumfeld wirken. Die US-Konjunktur sollte sich im zweiten Halbjahr wieder erholen.
Euro steigt über 90 Cent
Der Euro stieg wieder leicht an. Die Währung notierte am Morgen mit 0,9031 US-Cent über der 90-Cent-Marke.