Börsenausblick: "Die Angst ist groß" - DER SPIEGEL
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Börsenausblick "Die Angst ist groß"

An der Wall Street ziehen dunkle Wolken auf. Händler rechnen mit einem schwachen Start von Dax und Nemax. Worldcom liegt wie ein Schatten über der Telekom-Branche. BASF und Metro melden durchwachsene Zahlen, und bei ConSors werden Übernahme-Details erwartet.
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Frankfurt am Main - Der Dax hatte sich gestern noch mit 0,2 Prozent ins Plus auf 5008 Punkte gerettet, dürfte zum Auftakt aber gleich wieder unter 5000 Zähler rauschen. Der Dow Jones baute im späten Handel sein Minus von 0,2 Prozent auf 0,9 Prozent (90 Punkte) aus und fiel bei einem Schlussstand von 9819 Zählern deutlich unter die 200-Tage-Linie. Der Technologieindex Nasdaq Composite blieb mit einem Minus von 0,4 im Rahmen, doch dürfte die allgemeine Unsicherheit auch den Nemax 50 zunächst weiter drücken.

WorldCom bricht ein

Die Schwäche an der Wall Street sei von den Telekommunikationswerte ausgegangen, sagten Händler. WorldCom stürzten um 29 Prozent auf 2,35 Dollar ab und zogen andere Telekom-Werte mit in die Tiefe. Seit Anfang 2002 haben WorldCom 83 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Es gibt Gerüchte, das Unternehmen werde auf Grund seiner hohen Verschuldung in den Konkurs gezwungen.

Tyco in acht Börsentagen halbiert

Auch der Mischkonzern Tyco gab weiter nach. Laut einem Bericht in der Börsenzeitung "Barron's" hat Tyco Unternehmen aufgegekauft, um sein Ergebnis künstlich aufzublähen. Tyco-Aktien fielen auf 17 Dollar. Damit hat sich der Aktienkurs des Unternehmen in den vergangenen acht Börsensitzungen halbiert, seit Anfang des Jahres haben die Titel 91 Prozent verloren.

Zu den wenigen Gewinnern gehörte der Flugzeughersteller Boeing, der den Rückgang im Dow Jones ein wenig bremste. In "Barron's" hieß es, Boeing sei dank ihrer Diversifizierung gut über die Baisse hinweg gekommen. Außerdem hat die Investmentbank Merrill Lynch ihr Rating auf "strong buy" erhöht.

Märkte stark verängstigt - neue US-Konjunkturdaten stehen an

"Niemals seit 18 Jahren habe ich den Markt so verängstigt gesehen wie heute", sagte Kevin Parke, ein Anlagestratege bei MFS Investment Management. Sein Kollege Henry Cavanna von J.P. Morgan Fleming Asset Management sagte, der Markt befinde sich wegen der Diskussionen über Verschuldung und Bilanzierungspraktiken deutlich in der Defensive. "Die Angst am Markt ist noch groß, vor allem weil es an klaren Worten zur Geschäftsentwicklung im Gesamtjahr fehlt", sagte ein Börsianer in Frankfurt. Der deutsche Markt reagiere daher hauptsächlich auf die Vorgaben der US-Börsen: Dort hängt eine mögliche Erholung vor allem von neuen Konjunkturdaten ab. Heute legt das Conference Board der US-Notenbank seine Daten zum Verbrauchervertrauen vor. Außerdem wird der Chicagoer Einkaufmanagerindex (PMI) erwartet. Zum Wochenschluss stehen die Arbeitslosenzahlen für den Monat April an.

Zahlenflut im Dax

Zahlenflut im Dax

Für den Daxwird es heute ein weiterer Zittertag. Der Einzelhandelskonzern Metro   , der Chemiekonzern BASF   , der Pharmakonzern Fresenius Medical Care   und die Deutsche Post   . Metro hatte am Montag im Vorfeld deutlich nachgegeben, und auf dem zyklischen, konjunktursensiblen Chemiekonzern BASF lastet die konjunkturelle Unsicherheit.

Die BASF   AG hat am Dienstag Morgen für das Gesamtjahr 2002 ihre Umsatz- und Ergebnisprognose bekräftigt. BASF geht weiter davon aus, 2002 einen Umsatz auf Höhe des Vorjahres und ein verbessertes Ergebnis der Betriebstätigkeit erreichen zu können. Die Kapazitätsauslastung an wichtigen Standorten habe zugenommen. Der Umsatz im ersten Quartal ging um 11 Prozent gegenüber Vorjahr zurück, das Ergebnis je Aktie kletterte auf 0,95 Euro. (Vorjahr: 0,53 Euro). Für das zweite Quartal erwarte das Unternehmen, dass das im ersten Quartal erreichte Umsatz- und Ergebnisniveau gehalten werde.

Für Deutschlands führenden Handelskonzern Metro   zahlen sich die wachsenden Auslandsgeschäfte aus. Der Umsatz des Düsseldorfer Konzerns habe in den ersten drei Monaten des Jahres um 5,2 Prozent auf 11,82 Milliarden Euro zugenommen. Mittlerweile würden bereits 45 Prozent der Erlöse im Ausland eingenommen. Im Inland verbuchten die METRO-Töchter Extra, MediaMarkt/Saturn, Praktiker und Kaufhof Umsatzrückgänge. Hintergrund sei die Kaufzurückhaltung nach der Einführung des Euro-Bargeldes.

Schlechtes Umfeld für T-Aktie

Die defensiven Werte Degussa   und Henkel   gehörten gestern zu den Gewinnern im Dax. Auch die Aktie der Deutsche Telekom   konnte sich gestern leicht erholen, dürfte heute aber zunächst von dem Kurseinbruch bei Worldcom belastet werden. Seit Mitte April hat die T-Aktie rund 15 Prozent an Wert verloren.

Die Titel der Deutsche Bank   konnten gestern im späten Handel ihre Verluste auf 0,7 Prozent reduzieren. Der deutsche Branchenprimus hat vor allem auf Grund von Beteiligungsverkäufen im ersten Quartal 2002 dasVorsteuerergebnis um 39 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro gesteigert. Analysten und Fondsmanager kritisierten allerdings das schwache operative Geschäft und hegten Zweifel an den ehrgeizigen Zielen des designierten Vorstandchefs Josef Ackermann.

Neuer Markt: ConSors mit Kurssprung

Neuer Markt: ConSors mit Kurssprung

Die französische Großbank BNP Paribas hat gestern die Mehrheitsbeteiligung an dem Online-Broker ConSors   von der angeschlagenen SchmidtBank übernommen. Obwohl noch keine Angaben zum Kaufpreis gemacht wurden, legte die Aktie von Consors um rund 30 Prozent auf 12,35 Euro zu. die Consors-Papiere um 30 Prozent auf 12,35 Euro. Nach den geltenden Übernahmebestimmungen muss die BNP nun den freien Consors-Aktionären ein Angebot machen, das mindestens dem gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 90 Tage entspricht. Händler sagten, dieser liege bei rund 12,05 bis 12,20 Euro. Falls die BNP jedoch einen höheren Preis gezahlt hat, gilt dieser auch für die übrigen Aktionäre. Details der Übernahme sollen am heutigen Dienstag bekannt gegeben werden.

Euro über 90 Cent

Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag schwächer tendiert. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab nach einem verlängerten Wochenende um 0,4 Prozent auf 11.492 Zähler ab. Der Euro notierte am Dienstag weiter über der Marke von 90 Cent, die er am Freitag erstmals seit Mitte Januar überschritten hatte. Analysten sehen auf Grund des unsicheren Konjunkturklimas in den USA weiteres Potenzial für eine Erholung der Gemeinschaftswährung.