Börsenausblick: Die Hoffnung ist stärker - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenausblick Die Hoffnung ist stärker

Nach den Verlusten in den USA rechnen Händler mit einem leichteren Auftakt an den deutschen Börsen. Für das Neue Jahr überwiegt jedoch Optimismus. Zumindest ein Euro-Wirrwarr bleibt den Märkten erspart.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der Start ins neue Jahr beginnt mit negativen Vorzeichen aus den USA. Am Montag endete die über drei Tage anhaltende Gewinnserie an den US-Börsen. Der Dow Jones fiel um 115 Punkte zurück, der Technologieindex Nasdaq gab um 36 Punkte nach. Für die deutschen Indizes rechnen Händler daher mit einem leichteren Beginn, nachdem Dax und Nemax am Donnerstag und Freitag jeweils ein wenig zugelegt hatten. Im Gegensatz zur Wall Street wurde in Frankfurt am Montag nicht gehandelt.

Am letzten Handelstag des alten Jahres hatten US-Investoren Gewinne mitgenommen. Vor allem die Aktien der Chiphersteller legten den Rückwärtsgang ein. Am Montag gab der Philadelphia Semiconductor Index, der während der vergangenen drei Monate um knapp 40 Prozent geklettert war, um mehr als drei Prozent nach.

Hoffnungszeichen für das Neue Jahr

Zumindest ein Euro-Wirrwarr, wie es für den Einzelhandel befürchtet wird, bleibt den Finanzmärkten erspart. An der Börse ist die Gemeinschaftswährung bereits seit drei Jahren Realität. Doch ob Anleger in Euro oder D-Mark rechnen: Die Bilanz für die vergangenen zwölf Monate fällt negativ aus. Der Dax hat im Jahr 2001 rund 20 Prozent eingebüßt. In den USA fuhren der S&P 500 und der Technologieindex Nasdaq zwei Jahre hintereinander Verluste ein, zum ersten Mal seit 1973 und 1974. Trotzdem konnten sich die Indizes seit Ende September deutlich erholen.

Für einen freundlichen Beginn des Jahres sprechen nach Ansicht von Börsianern die hohen Cash-Bestände der institutionellen Anleger und die Hoffnung auf eine zügige Erholung der US-Konjunktur. Auch der nach wie vor niedrige Ölpreis trägt zu der verhalten-optimistischen Stimmung bei.

Weiterhin ist das US-Verbrauchervertrauen gestiegen. Die deutschen Indizes konnten auf die am Freitag veröffentlichten Daten noch nicht reagieren. Heute wird außerdem der US-Einkaufsmanager-Index für das verarbeitende Gewerbe bekannt gegeben.

Händler hoffen außerdem auf eine Entspannung der Situation im vom Staatsbankrott bedrohten Argentinien. Das Parlament hat den Peronisten Eduardo Duhalde am Dienstag zum neuen Regierungschef gewählt. Damit ist der Ex-Gouverneur der Provinz Buenos Aires der fünfte Amtsinhaber innerhalb von knapp zwei Wochen.

Unternehmen verhalten optimistisch

In das verhalten-optimistische Bild passt auch eine Umfrage der "Börsen-Zeitung". Demnach rechnen die im Deutschen Aktienindex Dax notierten Unternehmen frühestens im zweiten Halbjahr 2002 mit einem wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland, Europa und in den USA.

Weitaus weniger von der Rezession betroffen sehen sich nach der Umfrage die Deutsche Telekom   , die Deutsche Post   und der Touristikkonzern Preussag   . Zufrieden zeige sich auch der Pharmaspezialist Schering   . Dessen Finanzvorstand Klaus Pohle hatte zuvor in einem Interview mit der Zeitung für 2002 eine "Traumbilanz" mit einem Nettoergebnis von 1,1 Milliarden Euro angekündigt.

Konjunkturdaten am Mittwoch und Freitag

Die Veröffentlichung neuer Konjunktur-Indikatoren sollte weiteren Aufschluss über den Zustand der Weltwirtschaft bringen. Der US-Einkaufsmanagerindex NAPM für Dezember wird am Mittwoch veröffentlicht. Der Index gilt als wichtiger Frühindikator für die US-Wirtschaft. Am selben Tag stehen auch die Einkaufmanagerindizes für Deutschland und die Euro-Zone an.

Schub für die Gemeinschaftswährung?

Auf Grund des Feiertages in Japan bleiben am Mittwoch Börsen, Banken und Behörden geschlossen. Der Hang-Seng-Index in Hongkong gab bis zum Mittag leicht nach.

Die Einführung des Euro-Bargelds in den Mitgliedstaaten des Euro-Währungsgebietes ist kein Konjunkturprogramm und beseitigt auch nicht etwa die Wachstumshemmnisse - aber die Euro-Münzen und -Banknoten werden nach Ansicht von Bundesbankpräsident Ernst Welteke nach drei Jahren Europäischer Währungsunion das Vertrauen in die neue Währung und den Euroraum stärken. Welteke äußerte sich erleichtert über die reibungslose Einführung der Euro-Noten. Die Gemeinschaftswährung notierte am Morgen bei 0,8934 Dollar.