Börsenausblick: Die Lage bleibt angespannt - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Die Lage bleibt angespannt

Händler hoffen am Montag auf einen festen Auftakt in Frankfurt. Für die laufende Woche sind die Aussichten aber wenig verlockend. Neue US-Konjunkturdaten dürften die Stimmung drücken. Mit Qwest meldet die Wall Street den nächsten Bilanzskandal.
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Frankfurt am Main - "Die Pessimismusfalle", "Abwärts ohne Ende", "Auf der Flucht", "Albtraumwoche" - die vergangene Börsenwoche bot in der Tat wenig Anlass zu positiven Schlagzeilen. Dies galt nicht zuletzt für US-Konjunkturdaten. Ob Verbrauchervertrauen, Hausverkäufe, Nachfrage nach langlebigen Wirtschaftsgütern - statt der Hoffnung auf den ersehnten Konjunkturaufschwung schürten sie vielmehr Ängste vor einem erneuten Rückfall der Konjunktur in die Rezession. Erneut aufkeimendes Misstrauen um die Qualität der US-Konzernbilanzen schreckten die Investoren vor einem weiteren Engagement zusätzlich.

USA: Weiter trübe Konjunkturaussichten

Obwohl der Dow Jones am Mittwoch mit mehr als sechs Prozent fast den höchsten Tagesgewinn in seiner Geschichte verzeichnet hatte, schmolz das Wochenplus auf rund drei Prozent zusammen. Dabei hatte das Börsenbarometer in der Vorwoche rund 20 Prozent verloren: ein Indiz mehr für geringe Vertrauen in die Märkte. Der Index der US-Technologiebörse gab auf Wochensicht 4,3 Prozent ab.

Zumindest aus Sicht der Wall Street dürften Konjunkturdaten erneut die laufende Woche beherrschen. Doch auch beim Juli-Verbrauchervertrauen des Conference Board (Dienstag) rechnen Analysten mit einem Rückgang. Rückläufig dürften sich auch das Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal sowie der Einkaufsmanager-Index (beide Mittwoch) entwickelt haben, schätzen Marktbeobachter. Mit Spannung erwarten die Märkte am Freitag die Arbeitsmarktdaten für den Monat Juli.

Qwest verbucht Milliardenumsätze falsch

Trotz der wenig freundlichen Aussichten erhoffen optimistische Aktienstrategen eine Beruhigung der Märkte auf niedrigem Niveau. In Sachen Bilanzierung schließen sie allerdings neue Hiobsbotschaften nicht aus.

Der Fall Qwest   zeigt, dass die Vorsicht zu Recht besteht. Der US-Konzern rechnet damit, seine Geschäftsabschlüsse für die Jahre 1999 bis 2001 wegen Bilanzierungsfehlern überarbeiten zu müssen. Wie das Unternehmen mitteilte, ist unter anderem der Bereich Telekomdienstleistung betroffen. Qwest soll nach Medienberichten insgesamt eine Milliarde Dollar Umsatz falsch verbucht haben. Das Unternehmen will heute gegen 15 Uhr (MESZ) Details bekannt geben.

Branchenkenner rechnen indes erst in rund zwei Jahren wieder mit einem nennenswerten Wachstum in der US-Telekommunikationsbranche. Bis dahin dürften noch etliche Konkurse den Markt schwächen, berichtet heute die "Süddeutsche Zeitung".

Spekulationen um möglichen neuen Telekomvorstand

Angesichts deutlicher Kursaufschläge im späten Freitagsgeschäft an der Wall Street setzen die Händler am Montag dennoch auf einen festen Auftakt in Frankfurt. Dow Jones (plus 1,0 Prozent auf 8264 Punkte) und Nasdaq Composite (plus 1,8 Prozent auf 1262 Zähler) liefern zum Start gute Vorgaben.

Im Fokus der Anleger dürfte zunächst die T-Aktie   stehen. Künftiger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom soll nach Angaben aus dem Bonner Konzern nahestehenden Kreisen der bisherige Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff werden. In den unternehmensnahen Kreisen wurden am Wochenende entsprechende Zeitungsmeldungen bestätigt, wonach Middelhoff den vor kurzem zum Übergangsvorsitzenden ernannten Helmut Sihler ablösen soll. "Bild" berichtet dagegen, Middelhoff habe kein Angebot zur Übernahme der Führung der Deutschen Telekom. Ihm soll jedoch aus den USA ein Angebot des Medienkonzerns AOL-Time-Warner vorliegen.

Die Deutsche Bank  , die am Donnerstag ihre Halbjahreszahlen vorlegen wird, will offenbar bis Ende 2003 in Deutschland keine zusätzlichen Stellen mehr abbauen. Das hat Vorstandschef Josef Ackermann dem Konzernbetriebsrat während eines Treffens versichert, schreibt das "Handelsblatt". Beim Ergebnis erwarten Analysten indes einen deutlichen Rückgang.

Schwache Konjunktur dürfte MAN und VW zusetzen

Bei Volkswagen   schließen die Experten sogar eine Gewinnwarnung nicht aus. Der Automobilkonzern gibt am Dienstag die Halbjahreszahlen bekannt. Viele Analysten sind davon überzeugt, dass das Gewinnziel für 2002 nach unten korrigiert werden muss.

Die schwache Konjunktur und ungeplante Abschreibungen werden es auch dem Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN   im laufenden Jahr schwer machen, die Prognose einer leichten Verbesserung beim Ergebnis zu erreichen. "Das Ziel ist ausgesprochen sportlich", räumte Vorstandsvorsitzender Rudolf Rupprecht in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt" ein. "Der eingebaute Spielraum bei den Planzahlen ist aufgebraucht", erklärte der Manager, doch 2003 werde mit Sicherheit besser, vor allem in der Lkw-Sparte.

Der Berliner Pharmakonzern Schering   will das Ziel, den operativen Gewinn in den nächsten Jahren um mindestens zehn Prozent zu steigern, auch durch einen Ausbau des US-Geschäfts erreichen. Bis 2005 soll der US-Erlös verdoppelt werden, sagte Vorstandsvorsitzender Hubertus Erlen nach Presseberichten.

Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag in Folge der positiven Vorgabe aus New York vom Freitag und der Festigung des Dollars zum Yen zugelegt. Der Nikkei stieg um rund 0,80 Prozent und ging beim Stand von 9666 Punkten aus dem Markt.

Um 15.00 Uhr Ortszeit notierte der US-Dollar deutlich fester mit 119,10-12 Yen, nachdem er am Freitag zum gleichen Zeitpunkt noch 117,62-65 Yen gekostet hatte. Der Euro wurde schwächer mit 0,9881-83 Dollar notiert, nach 1,0002-06 Dollar am Freitag zur gleichen Zeit.