Börsenausblick: Die neue Angst vor der Rezession - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Die neue Angst vor der Rezession

Nach der gestrigen Talfahrt werden auch am Dienstag wieder schwächere Kurse erwartet. Negative Vorgaben der US-Börsen und ein skeptischer Ausblick des IWF dürften auf Dax und Nemax lasten.
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Frankfurt am Main - Den deutschen Aktienmärkte steht wieder ein schwerer Handelstag bevor. Angesichts schlechter Vorgaben rechnen Beobachter zum Auftakt mit erneut nachgebenden Kursen. Am Montag ging der Dax mit einem Minus von 5,7 Prozent auf 3332 Punkten aus dem Handel. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 um 5,9 Prozent auf 488 Punkte. "Es fehlt jeglicher Impuls, Aktien zu kaufen", sagte ein Händler und äußerte sich pessimistisch für die kommenden Tage: "Da ist noch viel Luft nach unten."

In den USA bauten die Börsen im späten Handel ihre Verluste aus. Der Dow Jones schloss auf 8043 Zählern, ein Minus von 3,2 Prozent. Der Nasdaq rutschte um 3,4 Prozent auf 1206 Punkte. Händler begründeten die Schwäche mit Konjunktursorgen der Anleger und fallenden Finanz- und Pharmawerten. "Angesichts der sich abschwächenden wirtschaftlichen Erholung machen sich alle Sorgen darüber, wie es am Aktienmarkt weitergeht", sagte Scott Schermerhorn, ein Fondsmanager bei FleetBoston Financial.

Das Institut für Angebots-Management, früher als Verband der Chefeinkäufer bekannt, hatte im Handelsverlauf mitgeteilt, dass der Index im nicht-verarbeitenden Gewerbe im Juli mit 53,1 unter den Erwartungen ausgefallen sei. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf nicht mehr als 57 gerechnet. Schon vergangene Woche hatten die Arbeitsmarktzahlen für Juli eine konjunkturelle Abschwächung angedeutet.

IWF senkt Prognosen

Nach der Flut schlechter Konjunkturdaten heizt nun auch der Internationale Währungsfonds (IWF) die Stimmung weiter ein: Die Einbrüche an den Aktienmärkten, die Finanzskandale und der Vertrauensschwund von Verbrauchern und Unternehmern dämpfe die Wachstumsaussichten in den USA, kündigte der IWF in Washington an.

"Die Negativrisiken im Hinblick auf Verbraucherausgaben und Unternehmensinvestitionen sind gewachsen", stellte der IWF in seinem jährlichen Bericht zur US-Wirtschaft fest. "Es ist deshalb wahrscheinlich, dass die Wachstumsprognose im bevorstehenden Weltwirtschaftsbericht nach unten korrigiert wird." Im April war der IWF von einem Wachstum von 2,3 Prozent in diesem und 3,4 Prozent im nächsten Jahr ausgegangen. Der nächste Weltwirtschaftsbericht wird Ende September veröffentlicht.

Die Finanzskandale um den Energiekonzern Enron   und das Telekomunternehmen Worldcom   hätten die Aktien- und Finanzmärkte erheblich erschüttert. Der Exekutivausschuss, das politische Leitungsgremium zwischen den IWF-Gouverneurstagungen, äußerte Sorge, dass "die jüngste Unternehmerpleiten und Buchführungsschwindel das Vertrauen des Unternehmenssektors offenbar erheblich untergraben haben". Der IWF geht dennoch davon aus, dass die US-Wirtschaft auf Wachstumskurs bleibt. Einige Mitglieder des Exekutivausschusses legten der US-Notenbank (Fed) eine weitere Zinssenkung nahe, sollten Verbraucher- und Unternehmervertrauen weiter einbrechen. Der Satz für Tagesgeld liegt seit Ende vergangenen Jahres auf einem 40-Jahrestief von 1,75 Prozent. Die Fed tritt nächste Woche Dienstag wieder zusammen.

Zahlen bei der Commerzbank durchgesickert

Die Commerzbank-Aktie   sollte am Dienstag wieder unter Druck stehen, nachdem Teile der für Donnerstag zur Veröffentlichung anstehenden Quartalszahlen vorab bekannt wurden. Danach soll die Frankfurter Finanzgruppe in der Zeit von April bis Juni einen Vorsteuergewinn von 25 Millionen Euro erzielt haben. Im Vorjahr war vor Steuern ein Quartalsergebnis von 197 Millionen Euro eingefahren worden. Ein Frankfurter Händler nannte die Kennzahl 25 Millionen Euro nicht schlecht, aber genau werde sich dies an der Frage entscheiden, wie das Ergebnis zustande komme.

Der weltweit größte Chemiekonzern BASF   hat seinen Gewinn im zweiten Quartal merklich erhöht. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" gibt das Ludwigshafener Unternehmen am Donnerstag ein Betriebsergebnis vor Sonderposten um die 800 Millionen Euro bekannt. Im zweiten Quartal 2001 hatte BASF bei einem Umsatz von 8,33 Milliarden Euro ein Ergebnis von 751 Millionen Euro erwirtschaftet. Das BASF-Geschäft im Juni habe den positiven Trend der vergangenen Monate bestätigt, hieß es.

Gewinneinbruch bei Qiagen

Das niederländische Biotechunternehmen Qiagen   hat im zweiten Quartal 2002 angesichts von Ausgabenkürzungen bei den Industriekunden in der US-Pharmabranche weniger verdient als ein Jahr zuvor, lag mit seinen Zahlen aber im Rahmen der Analystenerwartungen. Der Gewinn je Aktie sei bereinigt um Einmalkosten für den Kauf der GenoVision AS und um ein außerordentliches Finanzergebnis im Vergleichsquartal auf fünf Cent gesunken von sieben Cent im Vorjahreszeitraum, teilte das auch am Neuen Markt gelistete Unternehmen nach US-Börsenschluss mit.

BMW verbreitet Optimismus

BMW-Chef   Helmut Panke rechnet trotz der Konjunkturschwäche in den USA und Europa für dieses Jahr mit höheren Absatzzahlen. Der BMW-Vorstandvorsitzende gab sich in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" für den weiteren Jahresverlauf optimistisch. Die Marke BMW, ohne Mini, habe in diesem Jahr weltweit bisher um 4,5 Prozent und in den USA um acht Prozent zugelegt, berichtete die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. BMW werde mehr als eine Million Autos im laufenden Jahr verkaufen.

Panke erwartet nach Angaben der Zeitung einen höheren Absatz und bessere Zahlen auf der Finanzseite. BMW rechnet in diesem Jahr mit einem US-Absatzanstieg von acht Prozent, plus oder minus ein bis zwei Prozent, erklärte der amerikanischen BMW-Chef Tom Purves. Die US-Baisse habe einigen Einfluss auf die Nachfrage. Purves gab sich trotzdem optimistisch, da sich Luxusmodelle eher nach dem Immobilien-Markt richteten.