Börsenausblick: Die Saison beginnt - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Die Saison beginnt

Die Zeit des Abwartens ist vorbei, jetzt kommen die US-Schwergewichte mit harten - und voraussichtlich besseren - Zahlen. Die Berichtssaison eröffnet diesmal der Aluminiumhersteller Alcoa.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Analysten rechnen für die Mehrzahl der amerikanischen Großkonzerne mit einer kräftigen Gewinnsteigerung im ersten Quartal. Bei Alcoa beispielsweise gehen sie von einem Gewinn je Aktie (EPS) vor Sonderposten in Höhe von 0,42 US-Dollar aus. Alcoa erzielte im Vorjahreszeitraum ein EPS von 0,23 US-Dollar.

Der Umsatz wird nach einer Durchschnittsschätzung Analysten 5,6 Milliarden US-Dollar erreichen, was einer Steigerung um 9,6 Prozent entspräche. In einer Branchenstudie hatte Merrill Lynch im März einen Engpass in der Aluminium-Produktion in den Jahren 2004 und 2005 vorhergesagt. Auslöser sei die hohe Nachfrage nach dem Rohstoff in China. Die Preise für Aluminium-Produkte wie Bierdosen, Fensterrahmen, Dächer, Autokarrosserien und Flugzeugrümpfe würden daher kräftig steigen.

Aluminium wird knapp

Wegen des Rohstoffmangels erhöhten die Merrill-Lynch-Analysten ihre Preisprognosen für das Pfund Aluminium um 9 Prozent auf 80 US-Cent für 2004 und um 20 Prozent auf 90 US-Cent für 2005. Von 2006 an würden die Preise dann wieder sinken, hieß es. Alcoa plant derzeit die Gründung eines Joint-Ventures mit der chinesischen Aluminium Corp of China Ltd.

Das US-Unternehmen hatte sich bei seinem Ausblick auf das laufende Quartal im Januar zurückhaltend gezeigt. Allerdings setzte sich Alcoa das Ziel, durch den Verkauf von Geschäftsfeldern bis zu eine Milliarde Dollar zu erlösen.

Im Februar hatte Alcoa dann den Verkauf seiner Spezialchemie-Sparte Alcoa Specialty Chemicals (ASC) abgeschlossen. Sie ging für 342 Millionen Dollar an die Rhone Capital LLC und die Teachers' Merchant Bank. In dem Kaufpreis inbegriffen war nach Unternehmensangaben die Übernahme von Bankschulden und andere Verpflichtungen. Außerdem wurde die Folien-Tochter Alumax Foils mit insgesamt 300 Beschäftigten veräußert.

Alcoa-Chef Alain Belda hatte im Januar zudem die Fortsetzung seines Kostensenkungsprogramms angekündigt. Dazu gehört, dass in den nächsten drei Jahren mehr als 3,3 Milliarden US-Dollar eingespart werden sollen.

Start von einem hohen Niveau

Die Ausgangslage für den heutigen Tag ist gut: Der Dax   schloss gestern über 4000 Punkten und auch an den US-Märkten haben die Anleger auf die jüngsten Konjunkturdaten positiv reagiert und die Börsen freundlich schließen lassen. "Die Daten deuten darauf hin, dass die US-Wirtschaft ins Laufen kommt", sagte eine Beobachterin. Zudem erwarteten die Analysten von der beginnenden Berichtssaison positive Unternehmensergebnisse.

Der Dow-Jones-Index   für 30 Industriewerte (DJIA) stieg um 0,8 Prozent auf 10.558 Punkte. Der S&P-500-Index erhöhte sich um neun Stellen auf 1151. Der Nasdaq-Composite-Index   rückte um 1,1 Prozent auf 2079 Zähler vor. Dabei standen den 1521 Kursgewinnern 1824 -verlierer gegenüber.

Aufschläge verbuchten insbesondere Titel in der Versicherungsbranche. So verteuerten sich Cigna   um 11 Prozent. Die Gesellschaft hatte die Prognosen für das 1. Quartal und den Ausblick für das Gesamtjahr erhöht. Ursache sei die besser als bislang angenommene Performance im Bereich Health-Care. Siebel Systems legten 1,0 Prozent auf 12,40 Dollar zu. Die Gesellschaft hat ihre Prognose für das Ergebnis je Aktie im 1. Quartal erhöht. Wie das Unternehmen bereits am Freitagabend mitgeteilt hatte, erwartet es im Berichtszeitraum ein Ergebnis von 27 bis 30 Millionen Dollar.

In Deutschland Ruhe vor den Berichten

In Deutschland stehen keine gewichtigen betriebswirtschaftlichen Daten an. Lediglich der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen und der Stuttgarter Küchenausstatter WMF haben zur Bilanzpressekonferenz geladen. Erst am morgigen Mittwoch werden entscheidende Impulse erwartet, und dann gleich im Bündel: DaimlerChrysler  , EM.TV  , Escada   und RWE-DEA   werden ihre Ergebnisse bekannt geben.

So richtet sich das Augenmerk in Deutschland auf eine politische Größe, die Arbeitslosenzahlen für den Monat März. Die fallen allerdings wenig ermutigend aus. Trotz einer ersten Frühjahrsbelebung werden sie auf hohem Niveau verharren, so die Einschätzung der Experten. Demnach waren Ende März in Deutschland weiterhin mehr als 4,5 Millionen Menschen ohne Beschäftigung. Der Großteil der von der Nachrichtenagentur DPA befragten Analysten der deutschen Großbanken geht von einem witterungsbedingten Rückgang der Erwerbslosenzahl um rund 120.000 auf etwa 4,52 Millionen aus. Das wären lediglich rund 90.000 weniger als vor zwölf Monaten.

Tokio legt schwach vor

Eher ernüchternd ist auch die Tendenz der Tokioter Börse, die am Dienstagvormittag leichter tendierte. Der Nikkei-Index   notierte zur Handelsmitte ein knappes Minus von 1,99 Punkten bei 11.956,33 Punkten. Der Dollar notierte um 11.00 Uhr Ortszeit fester mit 105,42-45 Yen nach 104,78-80 Yen am späten Vortag. Der Euro lag im frühen Geschäft leichter bei 1,2011-13 Dollar nach 1,2110-12 Dollar am späten Vortag. Zum Yen tendierte der Euro leichter mit 126,24-28 Yen nach 126,89-93 Yen am späten Vortag.