Börsenausblick: Die Skepsis überwiegt - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Die Skepsis überwiegt

Skeptiker wollen noch nicht an eine Fortsetzung des Aufschwungs vom Donnerstag glauben. Mit Spannung erwarten die Märkte daher die Zahlen von General Electric und neue Konjunkturdaten. Aus deutscher Sicht stehen die Aktien der Lufthansa und der Telekom im Fokus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Nach dem gestrigen Aufschwung haben die Experten wenig Hoffnung auf weitere Kursgewinne. Viele Marktbeobachter sehen die Hausse des Vortages nicht als nachhaltig an. Begründet wird dieser Pessimismus einmal mehr mit der hohen Unsicherheit im Markt. Dabei sei gerade im Dax zurzeit einiges Nachholpotential, denn der Index habe seit Jahresbeginn deutlich stärker gelitten als andere internationale Aktienindizes.

Im Fokus der Anleger könnten heute zunächst die Aktien der Lufthansa   stehen. Deren Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley hat die bisherige Prognose für den operativen Gewinn anlässlich der ersten neun Monate als möglicherweise zu niedrig bezeichnet. "Wir sind mit der bisherigen Entwicklung äußerst zufrieden, vielleicht war unsere Gewinnprognose doch sehr konservativ", sagte Kley der "Süddeutschen Zeitung". Anfang August hatte der Finanzvorstand einen operativen Gewinn von rund 500 Millionen Euro prognostiziert.

Kommt neuer Telekom-Chef aus dem Ausland?

Die Deutsche Telekom   wird ihren neuen Vorstandschef erst im Dezember präsentieren berichtet die "FAZ" unter Berufung auf Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus. Derzeit führe er zusammen mit Interims-Vorstandsvorsitzenden Helmut Sihler intensive Gespräche mit Kandidaten für das Amt, sagte Winkhaus. Die Suche nach einem neuen Vorstandschef laufe europaweit. Kandidaten seien bislang nicht abgesprungen, ergänzte Winkhaus.

Von den Vorständen der Dax-Konzerne kommt indes nach Informationen der "Börsen-Zeitung" (BöZ) keiner für den Chefsessel bei der Telekom in Frage Nach Ansicht des Telekom-Aufsichtsrats habe keine das geeignete Profil, um den Konzern zu führen, berichtet das Blatt am Freitag aus zuverlässiger Quelle. Auch an Thomas Middelhoff als möglichem Nachfolger von Ron Sommer sei nichts dran. Den internen Kandidaten Karl-Gerhard Eick und Kai-Uwe Ricke sei signalisiert worden, sie stünden im Wettbewerb mit Bewerbern von außen. Diese, berichtet auch die "Börsen-Zeitung", werden auch oder überwiegend im Ausland gesucht.

Auch an Wall Street überwogen die skeptischen Stimmen. Der Dow schloss zwar 3,4 Prozent fester bei 7533 Punkten. Der Nasdaq Composite rückte um 4,4 Prozent auf 1163 Stellen vor. Es gebe aber Zweifel, ob die Kursgewinne von Bestand sind. "Der Pessimismus ist derzeit ebenso stark wie der Optimismus vor zweieinhalb Jahren", merkte ein Marktteilnehmer an. Der S&P-Index befinde sich im schlimmsten Bärenmarkt seit der Zeit von 1929 bis 1932. "Die wichtigste Frage nach dieser Short-Covering-Rally ist nun: Sind die Kursgewinne nachhaltig oder wird das nur eine neue Bärenmarkt-Rallye?"

Die Antwort hänge von den Unternehmensergebnissen ab. Sollten diese die Prognosen überwiegend übertreffen, könnte das die Rallye auf sichere Füße stellen, sagte der Händler.

Spannung vor den Zahlen von General Electric

Erste Hinweise darauf wird heute mit dem General Electric   (GE) einer der weltgrößten Konzerne geben. Bei GE erwarten Analysten im dritten Quartal 2002 durchschnittlich einen Gewinn pro Aktie (EPS) von 0,40 Dollar. Dies ergab eine Umfrage des Instituts First Call/Thomson Financial. Das Unternehmen heute vor Handelsbeginn der Wall Street seine Zahlen vorlegen.

GE-Finanzchef Keith hatte auf einer Analystenkonferenz vor einer Woche für das dritte Quartal einen Nettogewinn von 4,1 Milliarden Dollar und ein EPS von 0,41 Dollar angekündigt, nach 0,33 Dollar ein Jahr zuvor. Beim Umsatz rechnet GE im dritten Quartal mit einer Steigerung zum Vorjahr um sechs bis acht Prozent auf 32 Milliarden Dollar.

Vor drei Monaten hatte GE noch einen Zuwachs beim Überschuss von 20 bis 25 Prozent erwartet. Der Umsatz sollte um acht bis zehn Prozent steigen, hatte GE im Juli berichtet.

Nach den Ausführungen Sherins senkten einige Analysten ihre Erwartungen, obwohl Sherin am EPS-Ziel von 0,41 Dollar festhielt. Sein Ausblick habe enthüllt, dass das zyklische Geschäft zwar expandiere, aber die Wachstumsrate niedriger werde.

Am Freitag stand die Aktie zeitweilig stark unter Druck. Mehrere Analysten hatten ihre Prognosen für GE gesenkt. Nachdem der Kurs im frühen Geschäft auf ein Fünf-Jahres-Tief bei 21,40 Dollar gefallen war, schlossen die Papiere mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 22,60 Dollar.

Wie viel Vertrauen hat der US-Verbraucher?

Von zentraler Bedeutung für den Handel in Frankfurt und New York dürften heute auch neue Konjunkturdaten sein. Die Universität Michigan legt den Index der Verbraucherstimmung für den Monat Oktober vor. Experten rechnen damit, dass die vorläufigen Daten von aktuell 86,1 auf 85,5 Punkte fallen werden. Zuvor war der Index viermal in Folge gefallen. Der Index ist deshalb so wichtig, weil er Aufschluss über das Konsumentenverhalten gibt, das zwei Drittel des US-Sozialproduktes ausmacht. Noch vor Handelsbeginn erwarten die Börsianer die Erzeugerpreise für den Monat September.

Wenig Hoffnung machte vor dem Hintergrund neuer Konjunkturdaten dabei der Blick auf Einzelhandelssektor, dessen Titel nach der Veröffentlichung schwacher September-Umsätze teilweise deutliche Kurseinbußen verzeichneten. Kohl's büßten mehr als neun Prozent ein. Talbots stürzten gar um 21 Prozent ab. Aus der Reihe tanzte dagegen Wal-Mart   mit einem Umsatzplus für September von 3,3 Prozent. Die Anleger schickten die Titel daraufhin um 1,8 Prozent nach oben.

Juniper erfüllt nach Börsenschluss die Erwartungen

Unter den Einzelwerten waren Yahoo!   ganz vorne. Die Aktie stieg um 23 Prozent auf 12,27 Dollar. Der Internet-Portal-Betreiber hatte gute Zahlen und einen guten Ausblick am Vorabend nach Börsenschluss vorgelegt. Merrill Lynch, Prudential aber auch die Deutsche Bank stuften die Aktie darauf auf "Kaufen" hoch. Auch andere Technologiewerte zeigten sich von ihrer besten Seite: Intel   verbesserten sich um 5,4 Prozent SBC Communications   um 4,4 Prozent.

Nach Börsenschluss hatte der zweitgrößte Internetausrüster Juniper Networks   seine Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt und erwartungsgemäß einen Verlust von zwei Cent je Aktie ausgewiesen nach einem Gewinn von zehn Cent im Vorjahr. Die Aktien des Unternehmen haben nachbörslich ihre Gewinne aus dem regulären Handel trotz leicht enttäuschender Quartalszahlen sogar ausgebaut.