Börsenausblick "Die Wende ist da"
Hamburg - Die Chancen für ein entspanntes Wochenende stehen gut. "Die Wende ist da", heißt es angesichts der Serie starker US-Konjunkturdaten in der Tagespresse. Die Zuversicht auf eine Konjunkturerholung ist so groß, dass die Mehrheit der Arbeitgeber in Deutschland nicht am Weihnachtsgeld rühren will. Lediglich acht Prozent der Unternehmen wollen das Weihnachtsgeld unter das tariflich vereinbarte Niveau senken, hat eine Umfrage des "Handelsblattes" ergeben. Und wenn ein Teil des im November ausgezahlten Weihnachtsgeldes dann in Geschenke investiert wird, kann das der fußlahmen Konjunktur in Deutschland nur gut tun.
Sollte das US-Arbeitsministerium heute um 14.30 Uhr MEZ noch bessere Zahlen als ohnehin erwartet, dürfte an der Börse die erste Vorweihnachtsfeier steigen. Analysten an der Wall Street erwarten für den Monat Oktober einen Anstieg der Beschäftigten um 58.000. Fällt diese Zahl noch höher aus, sind an der Börse wieder die magischen Marken in Reichweite: Der Nasdaq Composite könnte bereits heute die magische Marke von 2000 Punkten knacken, der Dow Jones bräuchte für einen Anstieg auf 10.000 Punkte nur noch zwei starke Handelstage.
Dax: Neuer Anlauf zum Jahreshoch
Auf eine weitere Entspannung am Arbeitsmarkt haben bereits gestern Daten aus den USA hingedeutet: Die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA ist in der vergangenen Woche auf das niedrigste Niveau seit Januar 2001 gefallen. Damit steigen die Hoffnungen, dass die lange Phase des Stellenabbaus in den USA endlich zu Ende geht. Zudem ist die Produktivität der US-Unternehmen im dritten Quartal erneut kräftig gestiegen. Sollten sich die Warnungen vor einem "jobless growth" in den USA zerstreuen, dürfte auch der Dax die Marke von 3800 Punkten bald hinter sich lassen.
Deutsche Post: Gewinn mehr als verdoppelt
Auch die Unternehmen tragen mit überwiegend guten Zahlen zur guten Stimmung an der Börse bei. Die Deutsche Post hat nach einem Gewinneinbruch im Frühjahr in den Sommermonaten wieder Boden gut gemacht. Der Logistikkonzern wird trotz Konjunkturflaute und Portosenkung im Gesamtjahr 2003 ein deutliches Gewinnplus erreichen. Das zeichnet sich nach den Geschäftszahlen für die ersten neun Monate ab, die der Konzern am Freitag in Bonn vorlegte.
Der Konzerngewinn der Post stieg auf 869 Millionen Euro und hat sich damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Das operative Ergebnis (EBITA) konnte auf stabilem Niveau gehalten werden und betrug 2,03 Milliarden Euro. Die Jahresprognose für ein EBITA-Ergebnis von mehr als 2,9 Milliarden Euro wurde bekräftigt.
Börse steigert Umsatz
Der Handelsplatzbetreiber Deutsche Börse meldete gestern nach Handelsschluss einen Umsatzanstieg und hat damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die Deutsche Börse hat im dritten Quartal sowohl Umsatz als auch Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) gesteigert und dürfte mit Gewinnen in den Handel starten. Die US-Investmentbank. Bear Stearns stufte die Aktie auf "Outperformer" hoch.
Bayer steht vor Aufspaltung
Auch der Chemie- und Pharmakonzern Bayer wird zum Wochenschluss im Blickpunkt der Anleger stehen. Der Konzern plane einen radikalen Umbau, berichtet das Handelsblatt. Das Unternehmen bereite den Rückzug aus dem Chemiegeschäft vor und wolle sich außerdem von Teilen seiner Kunststoff-Aktivitäten trennen, schreibt die Zeitung. Am Samstag werde sich der Aufsichtsrat des Unternehmens auf einer außerordentlichen Sitzung mit dem Strategiewechsel befassen.
Nikkei vor Parlamentswahlen fester
Am letzten Handelstag vor den japanischen Parlamentswahlen am Sonntag hat der japanische Leitindex Nikkei Boden gut gemacht. Nach dem Kursrutsch am Donnerstag kletterte der Index um 76 Punkte (0,7 Prozent) auf 10.628 Zähler. Bei den Parlamentswahlen rechnen Investoren mit einem Wahlsieg der regierenden Liberaldemokraten von Ministerpräsident Junichiro Koizumi.
Der Euro zeigt sich vor Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten in schwacher Verfassung. Zum japanischen Yen zeigte sich der Dollar nur wenig verändert. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte am Freitagmorgen bei 1,141 US-Dollar.
Am Donnerstag war der Euro kurzzeitig auf 1,139 US-Dollar gefallen und hatte damit den tiefsten Stand seit sieben Wochen erreicht: Bei einer weiteren Erholung der US-Konjunktur könnte der Euro kurzfristig weiter an Boden verlieren, warnen Devisenhändler. Dies könnte dem Dax weiteren Auftrieb geben.