Börsenausblick: Die Woche der Wahrheit - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenausblick Die Woche der Wahrheit

Mit Spannung erwarten die deutschen Aktienmärkte in dieser Woche die Quartalszahlen der großen US-Konzerne. Auskunft über den Zustand der US-Wirtschaft erhoffen sich die Börsen auch von Alan Greenspan. In Deutschland stehen heute Finanz- und Energiewerte im Fokus der Anleger.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Angespornt von freundlichen Ausblicken oder guten Geschäftszahlen der US-Konzerne Yahoo, Microsoft und Motorola haben die deutschen Aktienmärkte in der vergangenen Woche zugelegt. Der Dax steht vor dem Sprung, die psychologisch wichtige 6000-Punkte-Marke zu überwinden. Gleichwohl dominiert eine vorsichtig beobachtende Haltung unter den Investoren.

Dies gilt insbesondere für die Anleger am Neuen Markt, wie etwa der stark volatile Handelsverlauf am letzten Freitag gezeigt hat. Denn nicht zuletzt jüngste Konjunkturdaten in den USA lassen keine klare Aussage über die Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten zu. Bohrenden Fragen wird sich deshalb US-Notenbankchef Alan Greenspan an diesem Mittwoch vor dem Bankenausschuss des US-Kongresses stellen müssen.

Noch zeitigen die sechs Zinssenkungen nicht die gewünschte höhere Investitionstätigkeit bei den Firmen. Mittlerweile befürchten Ökonomen in den USA, dass der Verbraucher seine Geldbörse künftig wieder fester umklammern werde. Damit begänne die wichtigste Stütze der US-Konjunktur zu wackeln. Zugleich schließen Experten einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von 4,5 auf fünf Prozent nicht aus.

Ereignisreiche Woche steht bevor

Wie es um die US-Wirtschaft bestellt ist, wird sich diese Woche zeigen. Zahlreiche Blue Chips aus dem Dow Jones und der Technologiebörse Nasdaq werden ihre Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Darunter rangieren keine Geringeren als Intel, Apple, IBM, Sun und Cocla Cola. Schließlich geben europäische Großkonzerne wie Nokia, Ericsson, SAP, DaimlerChrysler und Philips ihre Geschäftszahlen bekannt.

Die Finanzwelt wird heute insbesondere ihr Augenmerk auf die anstehenden Quartalszahlen der US-Riesen Bank of America und Citigroup richten. Die Verfassung der zu den weltweit größten Banken zählenden Konzerne gilt zugleich als Spiegelbild der Verfassung der Börsen.

Banken- und Energietitel im Fokus der Anleger

Beeinflussen wird die Finanztitel im Dax möglicherweise auch die Meldung, dass die Deutsche Bank beabsichtigt, den Zahlungsverkehr und das Wertpapiergeschäft mit anderen Großbanken gemeinsam abzuwickeln. So könnte eine der größten Transaktionsbanken Europas entstehen, schreibt "Die Welt". Aus geschäftlicher Sicht gebe es keinen Grund, warum die Banken ihr Transaktionsgeschäft nicht zusammentun könnten, wird Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti zitiert. Die Kostenersparnis wäre enorm, sagte er zu der Zeitung.

Im Fokus der Anleger dürften erneut die Papiere von Energiekonzernen stehen. Eon gebe ihr gesamtes Ölgeschäft (Veba Oel) einschließlich der in Deutschland führenden Tankstellenmarke Aral an den britischen Erdöl-Konzern BP ab, schreibt die "Financial Times Deutschland". Die "WAZ " hatte am Sonntag unter Berufung auf Konzernkreise vorab berichtet, der Verkauf von Veba Oel an BP solle zum 1. Januar 2002 wirksam werden. Dem Vernehmen nach soll BP zunächst einen Anteil von mehr als 50 Prozent übernehmen, diesen später aber aufstocken können, hieß es in der Zeitung weiter. Im Tankstellengeschäft seien sowohl Aral als auch BP in Zugzwang geraten, weil Shell sein Öl- und Benzingeschäft vor wenigen Wochen mit RWE-Dea zusammengelegt habe.

Mögliche Gründe für den Verkauf: Eon will zwei amerikanische Energieversorger übernehmen. Das kostet zum einen Geld. Zudem kann es dies nach US-Gesetzen nur, wenn das ausländische Unternehmen ein reiner Energiekonzern ist.

Die asiatische Leitbörse in Tokio notierte kurz vor Handelsschluss etwas schwächer. Der Nikkei verlor rund 47 Punkte auf 12.308 Zähler.