Börsenausblick Ein neuer Tiefschlag droht
Frankfurt am Main Nach den kräftigen Verlusten der vergangenen Tage wird die Talfahrt von Dax und Nemax voraussichtlich auch heute weitergehen. Belastend dürften sich im frühen Handel die Aussagen der US-Notenbank auswirken. Die Fed hat am Dienstagabend vor erhöhten geopolitischen Risiken für die weltgrößte Volkswirtschaft gewarnt, die Leitzinsen aber erwartungsgemäß unverändert gelassen. Offensichtlich mit Blick auf einen drohenden Irak-Krieg wiesen die Währungshüter auf neue Unsicherheitsfaktoren für die US-Konjunktur hin.
Richtungsweisend für den heutigen Handelsverlauf wird der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Monat September, der am Vormittag erwartet wird. Experten halten den vierten Rückgang in Folge für möglich. Dies würde die Hinweise auf einen Abschwung verstärken. Im August war das viel beachtete Konjunkturbarometer in Westdeutschland von 89,9 auf 88,8 Punkte gefallen.
Beim Septemberwert dürfte die Bundestagswahl kaum eine Rolle gespielt haben, da der Großteil der Antworten vor dem 22. September gegeben wurde. Das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt den Geschäftsklimaindex einmal monatlich aus einer Umfrage unter 7000 Unternehmen in ganz Deutschland.
Die Halbleiterwerte könnten in Frankfurt erneut unter Druck geraten, nachdem der US-Mitbewerber Micron in der vergangenen Nacht verhaltene Geschäftszahlen vorgelegt hat. Erst am Dienstag ist die Aktie von Infineon auf ein Rekordtief von 5,80 Euro gefallen.
Gewinnwarnungen und die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve haben am Dienstag die amerikanische Aktienbörse belastet. Der Dow-Jones-Index für 30 Standardwerte fiel um 189,02 Punkte oder 2,4 Prozent auf 7683 Zähler. Der technologieorientierte Nasdaq-Index gab um 2,68 Punkte oder 0,2 Prozent auf 1182 Zähler nach.
Zu den größten Verlierern gehörten konjunktursensible Aktien, darunter der Holzverarbeiter Weyerhaeuser und der Papierproduzent International Paper . "Zurzeit läuft alles auf die Frage des Vertrauens hinaus - Vertrauen in die Wirtschaft, Vertrauen in die Unternehmensgewinne, Vertrauen in die Konzernleitungen", sagte Pierre Trinque, Fondsmanager bei der Firma Riggs Investment Management.
Abgegeben wurden ferner der Hausgerätehersteller Maytag und sein größter Konkurrent Whirlpool. Xerox gerieten unter Druck, nachdem der Kopiermaschinenhersteller mitteilte, die US-Staatsanwaltschaft habe Ermittlungen im Zusammenhang mit fragwürdigen Bilanzmethoden eingeleitet. Einsamer Gewinner waren Goldman Sachs dank eines höher als erwarteten Gewinns im dritten Quartal.
An der Nasdaq waren Electronic Data Systems der größte Verlierer. Zuvor hatte Merrill Lynch die Bewertung von "Neutral" auf "Verkaufen" herabgestuft.
Der weltweit zweitgrößte Speicherchip-Hersteller Micron hat im vierten Geschäftsquartal wegen steuerbedingter Belastungen und hoher Abschreibungen seinen Verlust ausgeweitet. In den drei Monaten zum 29. August sei ein Netto-Verlust von 586,5 Millionen Dollar oder 0,97 Dollar je Aktie entstanden nach einem Fehlbetrag von 575,5 Millionen Dollar im Vorjahresquartal, teilte Micron am Dienstag nach Börsenschluss in Boise (Idaho) mit.
Der Umsatz sei zwar im Jahresvergleich auf 748 (480,3) Millionen Dollar gestiegen, aber gegenüber dem dritten Quartal um rund 20 Millionen Dollar gesunken. Micron-Aktien verloren nachbörslich auf 12,27 Dollar von 12,95 Dollar zu Handelsschluss in New York.