Börsenausblick Einsame Händler, fallende Kurse
Frankfurt am Main Nach den kräftigen Verlusten vom Vortag gehen Marktbeobachter am Freitag von einer behaupteten Eröffnung aus. Allerdings sei dem Handelstag keine richtungsweisende Bedeutung zuzuschreiben, da auf Grund des Brückentages die Umsätze gering ausfallen sollten. Zudem gebe es kaum wichtige Unternehmensnachrichten.
Der Chemiekonzern Bayer hat seine Prognose für das laufende Jahr bestätigt. "Trotz der Volatilität der Märkte und der Risiken, die sich derzeit in der Weltwirtschaft abzeichnen, stehen wir zu der Prognose", sagte Bayer-Chef Werner Wenning der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Demnach werde das Konzerergebnis inklusive Veräußerungsgewinnen über dem des Vorjahres liegen.
Im Zusammenhang mit der Rücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay im vergangenen Jahr schloss das Unternehmen bisher mit 60 Patienten, die während der Einnahme von Lipobay schwere Nebenwirkungen erlitten, Vergleiche ab. "Wir sind überzeugt, dass wir stets dem jeweiligen Erkenntnisstand entsprechend verantwortlich gehandelt haben. Deshalb wurden die Vergleiche auch ohne Anerkennung einer Rechtspflicht oder Schuld geschlossen. In Fällen, wo es angebracht erscheint, werden wir weitere Vergleich schließen", sagte Wenning.
Fallende Kurse und schwache Umsätze haben den Aktienhandel am Tag der Deutschen Einheit bestimmt. Der Dax verlor am Donnerstag um rund 3,9 Prozent auf 2813 Punkte. Am Neuen Markt schloss der Nemax 50 um 3,1 Prozent im Minus bei 328 Zählern, nachdem der Auswahlindex am Mittag mit 324 Punkten erneut ein Allzeittief markiert hatte. Viele Marktteilnehmer kritisierten zum wiederholten Male den Aktienhandel am deutschen Nationalfeiertag.
Die Umsatz- und Ergebniswarnung des weltweit zweitgrößten Mikroprozessoren-Herstellers AMD belastete die Technologietitel auch diesseits des Atlantiks. Infineon-Aktien brachen im Dax zeitweise um fast zehn Prozent ein, zum Handelsende verbesserte sich der Kurs leicht auf ein Minus von 5,6 Prozent auf 5,90 Euro.
Kritik an dem Handel an Feiertagen wurde erneut laut. Dies habe zu Zeiten des Börsenbooms eine Berechtigung gehabt, urteilte ein Händler. Inzwischen habe das Interesse der Anleger stark nachgelassen. Als Folge kämen angesichts extrem niedriger Umsätze oftmals Zufallskurse zu Stande. Am Morgen hatten technische Probleme der Deutschen Börse für knapp eine Stunde die Feststellung der Indizes verhindert.
Aktien der Versicherer im Dax waren nicht gefragt, nachdem Credit Lyonnais die gesamte europäische Versicherungsbranche herabgestuft hatte. Allianz-Papiere sanken um 7,1 Prozent auf 86,40 Euro. Einen Abschlag von 7,6 Prozent auf 45,00 Euro verbuchte die Aktie der Deutschen Bank . Die Investmentbank Goldman Sachs hatte das Papier zuvor heruntergestuft.
Der Dow-Jones-Index gab am Donnerstag um 37,80 Zähler oder 0,5 Prozent auf 7717 Punkte nach und der technologielastige Nasdaq-Index um 21,40 Zähler oder 1,8 Prozent auf 1165 Punkte.
AMD , der zweitgrößte PC-Chip-Hersteller, kam nach einer Umsatzwarnung unter die Räder. Bankaktien tendierten wegen Gewinnsorgen schwächer. Bank of New York, Comerica, Citigroup , J.P. Morgan Chase und American Express gaben nach.
Chemieaktien legten zu, da DuPont eine positive Geschäftsprognose abgegeben hatte. Telekomaktien waren unter Führung der SBC Communications gefragt. Einzelhandelswerte fielen wegen der Nachschubprobleme im Zusammenhang mit der Schließung der amerikanischen Westküstenhäfen.
Nach Bekanntgabe unerwartet schwacher vorläufiger Zahlen für das dritte Quartal ist die Aktie des US-Massenspeicher-Herstellers EMC nachbörslich gesunken. EMC wies für das dritte Quartal 2002 einen Verlust je Aktie von 0,02 Dollar aus und verfehlte damit Analysten-Erwartungen um einen Cent. Wegen der auch künftig anhaltenden Schwäche bei IT-Ausgaben will das Unternehmen sieben Prozent der Stellen abbauen. Wegen dieser Entwicklungen sei es eher unwahrscheinlich, dass EMC wie ursprünglich geplant im zweiten Halbjahr in die Gewinnzone zurückkehre.