Börsenausblick: Eiskalter Wochenstart - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Eiskalter Wochenstart

Die drohende Pleite von United Airlines und die Ernennung eines neuen US-Finanzministers bestimmen heute das Geschehen. In Frankfurt stehen Finanz- und Autotitel im Blickpunkt: Die Autobauer beklagen einen flaue Nachfrage, die Dresdner Bank verkauft Tafelsilber.
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Frankfurt am Main – Die neue Woche wird ebenso wie die vorangegangene überwiegend von Konjunkturdaten bestimmt werden. Schwache US-Arbeitsmarktdaten und Kriegsängste hatten die Märkte in der vergangenen Woche belastet und den achtwöchigen Aufwärtstrend im Dow Jones gestoppt. Anleger hoffen darauf, dass in dieser Woche erfreulichere Nachrichten von der Konjunkturseite kommen. Dies könnte verhindern, dass die deutliche Erholung seit Oktober sich lediglich als weitere Bärenmarkt-Rallye erweist.

Nachfolger für O´Neill gesucht

Händler rechnen für Montag mit einem etwas schwächeren Start im Dax. Sowohl Dow Jones als auch Nasdaq hatten im späten Handel wieder leicht nachgegeben. Kursverluste bei den Dow-Jones-Werten IBM  , McDonald's   und Merck stoppten die Kurserholung, die nach den Rücktritten von Finanzminister Paul O'Neill und seines obersten Wirtschaftsberaters am Freitag eingetreten war. Nun rechnen Beobachter damit, dass US-Präsident George W. Bush die Nachfolger bereits am heutigen Montag präsentiert, heißt es. Als Kandidat wird der 63-jährige Topmanager John Snow gehandelt.

Lufthansa-Partner vor Insolvenzantrag

Doch damit sind die Probleme verschiedener Unternehmen nicht gelöst. Die Fluglinie United Airlines, zweitgrößte Airline der Welt und wichtiger Partner der Lufthansa, wird dem Vernehmen nach am Montag einen Insolvenzantrag stellen. Wie die Zeitungen "New York Times" und das "Wall Street Journal" auf ihren Internetseiten berichten, entschied der Verwaltungsrat des Unternehmens, vor dem zuständigen Gericht in Chicago einen Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 einzureichen.

Dies dürfte auch den Star-Alliance-Partner Deutsche Lufthansa   belasten: Bei der Deutschen Lufthansa laufen außerdem zähe Tarifverhandlungen für das Bodenpersonal und das Kabinenpersonal.

Vor der Insolvenz steht der US-Chiphersteller National Semiconductor zwar nicht, die Anleger dürften von den neuen Unternehmensnachrichten dennoch nicht begeistert sein. National Semiconductor geht für das dritte Quartal davon aus, dass der Umsatz stagnieren bzw bis zu fünf Prozent zurückgehen wird.

Tokio schwächer, Europa blickt auf USA

Auch die Börse in Tokio ist lustlos in die neue Woche gestartet. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab 0,4 Prozent auf 8828 Zähler nach. Zumindest der Yen präsentierte sich gegenüber dem Dollar deutlich fester.

In der Euro-Zone zeigen sich die Märkte ebenfalls verschnupft. Der deutliche Zinsschritt der EZB in der vergangenen Woche ist an den Märkten verpufft. Zwar tagt am morgigen Dienstag die US-Notenbank, doch geht nach der deutlichen Zinssenkung im November niemand ernsthaft von einem weiteren Zinsschritt der Fed aus.

Impulse erhoffen sich Anleger eher von der US-Handelsbilanz im dritten Quartal (Mittwoch) und dem von der Universität Michigan ermittelten Verbrauchervertrauen (Freitag). Nach zuletzt 84,2 rechnen Volkswirte der Deutschen Bank mit einem Anstieg auf 86,0 Punkte.

Deutsche Autoindustrie vor schwierigem Jahr

Unter den Dax-Unternehmen dürften heute die Autowerte im Blickpunkt stehen. Der deutschen Automobilindustrie steht ein schwieriges Jahr bevor: Der Auftragsbestand sei auf das niedrigste Niveau seit 1994 gefallen und mache mit 360.000 Stück weniger als eine Monatsproduktion aus, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. Für Volkswagen  , BMW   und DaimlerChrysler   sind das keine guten Vorgaben.

Dresdner Bank spart sich gesund

In der Finanzbranche erwarten Beobachter weitere Bewegung: Die Dresdner Bank AG verhandelt mit potenziellen Interessenten über den Verkauf dreier Beteiligungen. Ein Sprecher der Bank bestätigte damit einen Bericht des SPIEGEL. Bei den drei Beteiligungen handelt es sich dem Bericht zufolge um die Maklergesellschaft Dr. Lübke Immobilien, den Online-Händler Allago und die auf die Wertpapierabwicklung spezialisierte Lombardkasse.

Der Rückzug auf die Kernbereiche unterstreicht, dass in der deutschen Finanzbranche derzeit mit spitzem Bleistift gerechnet wird. Auch die Deutsche Bank   sieht im Mittelstandsgeschäft eine "harte Konsolidierung" auf die deutschen Kreditinstitute zukommen. "Zur Zeit haben es zu viele Häuser auf diese Zielgruppe abgesehen", sagte Jürgen Fitschen, der im Exekutiv-Komitee der Deutschen Bank das Firmenkundengeschäft in Deutschland verantwortet, gegenüber der "Welt".

Auch der Dax-Aufsteiger Deutsche Börse   steht zum Wochenstart in der ersten Reihe. Der Aufsichtsrat entscheidet heute über die Verkleinerung des Vorstands und über die Neuordnung der Geschäftsbereiche.

Industrieproduktion leicht erholt

Konjunkturdaten aus Deutschland spielen heute nur eine untergeordnete Rolle. Am Montag werden die Zahlen zur deutschen Industrieproduktion für den Monat Oktober bekannt gegeben. Nachdem es im September noch einen Rückgang von einem halben Prozent gegeben hatte, rechnen Experten für den Oktober mit einem leichten Anstieg von 0,2 Prozent.

Mobilcom: Grenz wird zurück gepfiffen

Neuer Markt: Mobilcom-Chef in der Kritik

Die Zahl der Kritiker am Mobilcom  -Chef Thorsten Grenz wird größer. Der von Grenz geplante Verkauf des Internet-Zugangsdienstleisters Freenet wird nach dem Willen des Aufsichtsrats vorerst abgeblasen. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Kreise des Kontrollgremiums.

Am Neuen Markt blicken Investoren heute außerdem auf EM.TV  . Im Betrugsprozess gegen die EM.TV-Gründer Thomas und Florian Haffa soll heute der Münchner Wirtschaftsprofessor Bernd Rudolph den Richtern erläutern, wie Aktienkurse manipuliert werden können. Durch die Aussage erhoffen sich die Richter Aufschluss darüber, inwieweit die Haffa-Brüder bewusst Einfluss auf den Aktienkurs genommen haben. Weiterhin gibt der Logistik-Dienstleister D.Logistics   heute seine Prognose für das kommende Jahr bekannt.