Börsenausblick Eiszeit an den Märkten?
Frankfurt am Main ? Die deutschen Aktienmärkte könnten am Montag zunächst die guten Vorgaben aus New York aufgreifen und fester eröffnen. Insgesamt aber bleibe die Woche von Unsicherheit geprägt, glauben Marktbeobachter.
Für fallende Kurse spricht nach Ansicht der DZ-Bank die unklare politische und militärische Lage. Die Schläge gegen Afghanistan ließen Erfolge im Kampf gegen den Terrorismus bislang schwer erkennen und führten offenbar zu wachsenden Spannungen im islamischen Teil der Anti-Terror-Allianz. Die Gefahr weiterer Terrorattacken mit entsprechend negativen Folgen für die Börsenstimmung bleibe somit groß.
Deshalb gehen die Experten der DZ Bank davon aus, dass die deutschen Aktienmärkte ihre zuletzt begonnene Konsolidierung auch in dieser Woche fortsetzen dürften, zumal neue Belastungen von den Unternehmensnachrichten und den Konjunkturdaten drohten.
Nach Einschätzung der Analysten der Bankgesellschaft Berlin hingegen sei die Erholungsphase noch nicht vorbei. Zwar könne nach dem kräftigen Anstieg kurzfristig eine mehrtägige Korrektur einsetzen. "Die immer noch überverkauften Aktienindizes sollten in den nächsten Wochen für eine positive Grundstimmung sorgen", prognostizieren die Berliner.
Dresdner Bank warnt vor Eiszeit an den Börsen
Aufmerksamkeit dürfte eine Studie der Investmentbanker der Dresdner Bank auf sich ziehen. Im Gegensatz zu anderen Strategen gehen die Analysten nicht von einer kräftigen Erholung der Aktienmärkte bis Ende dieses Jahres aus. Vielmehr prognostizieren die Analysten lang anhaltende Bärenmärkte.
James Montier räumt in der Studie schonungslos mit dem jüngsten Bullenmarkt auf. Von 1995 bis Anfang des vergangenen Jahres seien 80 Prozent der Kursgewinne auf eine Ausweitung der Bewertungen zurückzuführen gewesen. Dividenden hätten kaum noch eine Rolle dabei gespielt. Dieser Prozess werde sich nun umkehren.
Es sei nach dem Bullenmarkt der 90er-Jahre nicht mehr mit Bewertungsausweitungen zu rechnen. Daher müssten sich die Investoren in den kommenden Jahren nur noch mit den gegenwärtigen Mini-Dividenden oder Ausschüttungserhöhungen von rund fünf Prozent begnügen, zitiert die Zeitung den Analysten weiter.
Um allerdings wieder das langfristige Niveau von acht bis zehn Prozent zu erzielen müssten die Kurse entweder um ein Drittel einbrechen oder aber es gebe über Jahre hinaus schlechte Zeiten für Aktionäre.
Einen Blick sollten Anleger heute auf alle Fälle auf Volkswagen -Aktien werfen. Vorstandschef Piech zeigt sich trotz der Anschläge vom 11. September optimistisch für das Gesamtjahr. "Bisher liegen wir konzernweit im Verkauf rund 2,1 Prozent über dem Vorjahr", sagte er der Tageszeitung "Die Welt".
Während die meisten Medien die Nachricht positiv bewerten, hat die Nachrichtenagentur Reuters noch einmal genau nachgeschaut. Im September hatte VW bei der Vorlage der Konzernzahlen für die ersten acht Monate 2001 noch einen Zuwachs von 2,7 Prozent auf 3,48 Millionen verkaufte Fahrzeuge ausgewiesen. Demnach habe VW in den vergangenen Wochen offenbar Absatzeinbußen hinnehmen müssen.
DaimlerChrysler legt am Dienstag seine Quartalszahlen vor. Am Donnerstag folgt die HypoVereinsbank sorgen. Die HypoVereinsbank plant angeblich die Kürzung von weiteren 2500 Stellen bis zum Jahr 2004. Wie "Focus" in seiner jüngsten Ausgabe meldet, gehen die Stellenstreichungen damit deutlich über die bisher angekündigten 500 Positionen in den Filialen hinaus.
Die Fusion der Hypothekentöchter der Deutsche Bank , der Dresdner Bank und der Commerzbank ist offenbar perfekt. Die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet, die Fusion werde in Kürze bekannt gegeben. Das neue Institut solle von Karsten von Köller, Vorstandsmitglied der Commerzbank-Tochter Rheinhyp, geleitet werden. Mit der Fusion würde die größte deutsche Hypothekenbank mit einer Bilanzsumme von 240 Milliarden Euro entstehen.
Am Neuen Markt stellt die Skandalgeschüttelte Hildesheimer Metabox stellt heute ihren Jahresbericht 2000 vor. Mit gut fünf Monaten Verspätung hatte das Multimediaunternehmen vor gut einer Woche seine testierte Bilanz vorgelegt und einen Verlust von 39,7 Millionen DM (20,3 Millionen Euro) ausgewiesen. Die am Neuen Markt notierte Metabox braucht dringend Kapital, um die Eröffnung des Insolvenzverfahrens abzuwenden. Am 30. Oktober treffen sich die Aktionäre zur Hauptversammlung.
Die Börse in Tokio ist freundlich in die neue Woche gestartet. Kurz vor Handelsschluss notierte der Nikkei gegen acht Uhr (MEZ) 0,3 Prozent fester bei 10.568 Zählern.