Börsenausblick Entwarnung aus Japan
Die Börse in Tokio hat am Montag vom schwächeren Yen profitiert und im Plus geschlossen. Vor allem Exportwerte waren gefragt. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss auf einem Vier-Wochen-Hoch mit 1,38 Prozent im Plus bei 10.868 Zählern. Der breiter gefasste TOPIX-Index stieg um 0,87 Prozent auf 1068 Punkte. Der Euro gab gegenüber dem Dollar nach und tendierte um ein Drei-Wochen-Tief.
Für den Dax sind die Aussichten am heutigen Montag damit leicht positiv - viele Analysten gehen von einem gleich bleibenden oder leicht ansteigenden Niveau aus. Noch am Freitag hatte es geheißen, die Börsen-Indizes weltweit seien durch die Terrorwarnungen in Japan ins Minus geschwenkt. Rund eine Stunde vor Handelsbeginn berechneten die Deutsche Bank und die Citibank den Leitindex bei 4.084 Zählern. Nach Berechnungen von Lang & Schwarz wird der Dax die späte Erholung in den USA zum Handelsauftakt nachvollziehen.
Wichtige Börsentermine sind heute die Telefonkonferenz von E-Plus mit Royal KPN aus Anlass der Veröffentlichung der Zahlen für 2003. France Telecom will angeblich den Internet-Dienstleister Wanadoo komplett übernehmen, ThyssenKrupp verkauft sein IT-Systemhaus für 340 Millionen Euro an Hewlett-Packard und die Citigroup kauft für mehr als zwei Milliarden Euro die südkoreanische KorAM Bank. Bereits am gestrigen Sonntag hatte der Allfinanzkonzern AWD eine Erhöhung der Dividende in Aussicht gestellt - das könnte der Aktie Auftrieb geben.
Der Vorstandschef des Handy-Produzenten Nokia , Jorma Ollila, ist unzufrieden mit Umsatz der Spielkonsole N-Gage. Das Urteil aus berufenem Munde besitzt durchaus Potenzial, die Aktien der Handy-Anbieter und Mobilfunkbetreiber unter Druck zu setzen - denn gerade mit Games und anderen Video-Applikationen sollte die schöne neue Handy-Welt künftig außerordentliche Umsätze realisieren. Die Konsumenten sind aber offenbar nicht bereit, tatsächlich beträchtliche Summen für bewegte Bilder auf kleinen Monitoren zu investieren.
Könnte der Dax nach dem vergangenen Freitag noch einmal durch schlechte Nachrichten aus Japan unter Druck geraten? Der Chefanalyst von Tokai Tokyo Securities, Hiroyuki Nakai, sagte: "Der Markt hat keinerlei Sorgen mehr wegen Terrorwarnungen in Japan, und der schwächere Yen zieht die Anleger zurück zu den Exportwerten", sagte. Japan hatte die Sicherheitsvorkehrungen bei 650 Einrichtungen erhöht, darunter bei Atomkraftwerken, nachdem es Soldaten in den Irak entsandt hatte. Die unerwartet guten Daten zum japanischen Bruttoinlandsprodukt hätten zudem gezeigt, dass nicht nur der Export, sondern auch die Investitionen stark seien, und das habe den Markt gestützt, sagte Nakai.
Die Börse in Tokio konnte sich damit gegen den Trend anderer asiatischer Märkte stemmen. Der Hang-Seng-Index war ebenso im Minus wie der MSCI, der breiteste Index in Asien außerhalb Japans.
In Tokio sagten Händler, gekauft würden insbesondere Technologie-Titel. Die Aktien von Fuji Photo Film legten um fast 3,5 Prozent auf 3280 Yen zu. Auch die Aktien von Autobauern waren gefragt. Honda kosteten 4800 Yen, das ist ein Plus von drei Prozent. Nissan stiegen um mehr als 2,8 Prozent auf 1199 Yen, und die Werte des Herstellers der Marke Subaru, Fuji Heavy Industries, um mehr als 3,6 Prozent auf 515 Yen. "Der schwächere Yen macht insbesondere Export-Werte für Anleger attraktiv", sagte ein Händler.
Euro gibt zum Dollar nach
Der Dollar bewegte sich zum Yen um den höchsten Wert seit drei Monaten und zum Euro um den höchsten Wert seit drei Wochen. Der Euro notierte bei 1,2499 Dollar, nachdem er im späten US-Handel noch 1,2530 Dollar gekostet hatte. Die europäische Gemeinschaftswährung hat damit fast fünf Cent gegenüber ihrem Rekordkurs von 1,2925 Dollar am Mittwoch eingebüßt.
Zum Yen tendierte der Dollar um 108,77 Dollar. Im Verlauf erreichte die US-Währung mit 109,40 Yen einen Kurs, zu dem sie zuletzt Anfang Dezember gehandelt worden war. Der Euro kostete 136,05 Yen.
Sorgen, der Dollar könne sich zum Yen im freien Fall befinden, dürften vorerst gebannt sein. "Ich denke nicht, dass der Dollar einen neuen Tiefststand erreichen wird - zumindest nicht im kommenden Monat", sagte der Devisenexperte von Nomura Securities, Takashi Toyahara. In diesem Monat hatte der Dollar zur japanischen Währung ein Drei-Jahres-Tief von 105,15 Yen erreicht.
Händler begründeten den Kursverlust des Yen mit Gewinnmitnahmen, nachdem Investoren in den vergangenen Monaten permanent Euro gegen Dollar nachgefragt hatten.