Börsenausblick: Erneute Gewinnwarnung schockt Technologiesektor - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Erneute Gewinnwarnung schockt Technologiesektor

Nach einer rasanten Talfahrt notiert der Dax auf dem tiefsten Stand seit 1997 und droht unter die Marke von 3000 Zählern zu fallen. Die Stimmung könnte sich weiter eintrüben, denn aus den USA drohen weitere Gewinnwarnungen.
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Frankfurt am Main - Unter einer ganzen Flut schlechter Nachrichten hat der Dax am Mittwoch um fünf Prozent auf 3124 Punkte nachgegeben. MDax und Nemax 50 rutschten ebenfalls deutlich ab. Heute könnten die Börsen an die Talfahrt anknüpfen, positive Impulse gibt es kaum.

Abwärtstrend bei den meisten Aktien ungebrochen

"Das Umfeld ist derzeit nicht gut", sagte ein Aktienhändler. Es bleibe die politische Unsicherheit in der Irak-Frage und die Sorge vor einem Rückfall der Konjunktur in die Rezession. Uwe Wagner, charttechnischer Analyst der Deutschen Bank , ergänzte, das Chartbild des Dax sehe mittlerweile sehr kritisch aus.

"Es gibt keine sinnvollen Unterstützungslinien mehr und die Abwärtsdynamik ist beachtlich", sagte Wagner. "28 der 30 Dax-Werte sind in einem intakten Abwärtstrend." Vor dem Hintergrund des dreifachen Verfalls an der Terminbörse Eurex am Freitag sei eventuell auch die Marke von 3000 Punkten nicht mehr zu halten.

Eine Hiobsbotschaft gibt es aus dem Technologiebereich: Der zweitgrößte US-Computerdienstleister Electronic Data Systems (EDS) hat wegen der anhaltend schwachen Nachfrage im IT-Sektor seine Gewinnprognosen drastisch gesenkt. Beim Gewinn je Aktie im dritten Quartal (30. September) sei die Prognose von zuvor 74 Cent auf die Spannbreite zwischen 12 und 15 Cent reduziert worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch nach Börsenschluss mit. Die EDS-Aktie brach nachbörslich ein. Rund eine Stunde nach Handelsende fiel das Papier auf 26 Dollar - ein Minus von rund 28 Prozent gegenüber dem letzten Kurs im regulären Handel. Auch die Papiere des Mitbewerbers IBM   gaben nachbörslich deutlich nach.

Bewegung könnte am Donnerstag in die Versorger-Aktien kommen. In Berlin hat das Bundeswirtschaftsministerium die Entscheidung zur umstrittenen Fusion der Versorger Eon   und Ruhrgas in Aussicht gestellt.

Unter den Unternehmensmeldungen stach am Vorabend der schwer angeschlagene Finanzdienstleister Gold-Zack   hervor. Das Unternehmen rutschte im ersten Halbjahr in die roten Zahlen.

Dow zeitweise auf Sechs-Wochen-Tief

Der Dow Jones ist am Mittwoch zeitweise auf den niedrigsten Stand seit sechs Wochen gefallen, konnte sich jedoch bis Handelsende wieder etwas erholen. Eine düstere Gewinnprognose von J.P. Morgan Chase   belastete den Handel. Auch der vorsichtige Ausblick vom Software-Unternehmen Oracle   trugen zu der Verkaufswelle bei, die Händler allerdings als "überzogen bezeichneten".

Der Dow verlor zeitweise rund 150 Punkte. Im späten Geschäft drehte der Index kurz ins Plus, konnte dies aber nicht halten: Vor Beginn der Berichtssaison fürchten die Marktteilnehmer enttäuschende Geschäftszahlen und zeigten kaum Bereitschaft zu Aktienengagements, sagten Händler. Am Ende stand der Dow bei 8172 Punkten - ein Minus von 0,4 Prozent. Der Nasdaq sank um 0,6 Prozent auf 1252 Punkte.

Zuvor hatte die zweitgrößte Bank der USA JP Morgan Chase mitgeteilt, sie werde im dritten Quartal weniger Gewinn machen als noch im zweiten. Der Grund: Hohe Kosten für Firmenkredite, die die Risikovorsorge von 302 Millionen Dollar im Vorquartal voraussichtlich auf 1,4 Milliarden Dollar steigen lassen werde. "Wir waren in einem schwierigen Marktumfeld falsch aufgestellt", räumte Finanzchefin Dina Dublon ein.

Lehman Brothers, Merrill Lynch und Credit Suisse First Boston senkten daraufhin die Gewinnprognosen für die Bank. Die Aktie fiel zeitweise um gut elf Prozent. Zuletzt kostete sie 20,44 Dollar - ein Abschlag von immerhin noch 5,2 Prozent. Damit waren JP Morgan Schlusslicht im Dow. UBS korrigierte schließlich die Schätzungen für die Citigroup nach unten. Begründung: Das Beispiel JP Morgan habe gezeigt, was die derzeitigen Marktbedingungen anrichten könnten.

Die Folge: Sippenhaft für die Finanztitel. Citigroup   sanken um 2,3 Prozent, Goldman Sachs   büßten 0,7 Prozent ihres Wertes ein, Lehman Brothers 1,4 Prozent und Morgan Stanley   2,2 Prozent.