Börsenausblick: "Es ist viel Geld im Markt" - DER SPIEGEL
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Börsenausblick "Es ist viel Geld im Markt"

Händler rechnen wegen der großen Liquidität am Markt trotz schwacher Konjunkturdaten mit einem freundlichen Auftakt an den deutschen Börsen. Technologiewerte und Volkswagen stehen zum Wochenschluss im Mittelpunkt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Trotz des Feiertags in den USA sind Dax und Nemax gestern unbeirrt weiter geklettert. Heute blieb die Börse in Japan wegen eines Feiertages geschlossen, und auch an der Wall Street wird einen Tag nach Thanksgiving nur von 15.30 bis 19 Uhr MEZ gehandelt. Auch wenn die europäischen Börsen weitgehend auf sich allein gestellt sind, rechnen Händler mit einer freundlichen Tendenz: Es sei weiterhin viel Geld da, und die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung sei trotz der schlechten Wirtschaftsdaten in Deutschland ungebrochen.

Hält die 5100-Punkte-Marke?

Der Dax hatte gestern 0,7 Prozent fester auf 5124 Zähler geschlossen. Entscheidend sei, dass die wichtige Unterstützung bei 5.100 Punkten weiter halte, sagen Charttechniker. Sollte sie das nicht tun, werde sich der Dax-Future schnell wieder Richtung 5.000 Punkte bewegen. Der Nemax 50 notierte gestern zum Handelsschluss bei 1317 Zählern.

Volkswagen und Technologie im Blickpunkt

Die Aktie von Volkswagen   dürfte heute während zur Aufsichtsratssitzung Interesse auf sich ziehen. Der designierte Konzernchef Bernd Pischetsrieder stellt seine Ziele vor. Weiterhin wird kräftig über die personellen Weichenstellungen im Konzern spekuliert. Berichten zufolge wechselt Audi-Chef Paefgen an die TH-Aachen. Ex-Hoffnungsträger Herbert Demel, derzeit Leiter von VW-Brasilien, muss offenbar auch gehen. Sowohl VW-Finanzchef Bruno Adelt als auch der bei VW für den Vertrieb zuständige Robert Büchelhofer werden nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ihre Positionen behalten.

Anleger hoffen darauf, dass die Erholung der Technologiewerte zum Wochenschluss weiter geht. Infineon war gestern mit einem zweistelligen Plus aus dem Handel gegangen, nachdem Konzernchef Ulrich Schumacher eine Erholung auf dem Chipsektor angedeutet hatte. Zudem gebe es Anzeichen einer Preiserholung auf dem Chipmarkt. Auch Epcos   und Siemens   legten gestern zu, wobei Siemens von einer Heraufstufung durch Goldman Sachs profitierte.

Die Krise in der Finanzbranche werde auch die HypoVereinsbank   zu betriebsbedingten Kündigungen zwingen, berichtet das Handelsblatt. Die Deutsche Bank   ging gestern nur knapp behauptet aus dem Handel. Die strategische Vertriebspartnerschaft zwischen der Deutsche Vermögensberatung AG und der Deutschen Bank ist nach Aussage des DVAG-Generalbevollmächtigten Friedhelm Ost zwar keine Exklusivvereinbarung, die Entwicklung könnte aber in diese Richtung gehen. Die DVAG werde selbständig bleiben, an eine Beteiligung der Deutschen Bank an der DVAG sei nicht gedacht, sagte Ost.

Allitalia trudelt - Lufthansa in Turbulenzen

Größter Verlierer im Dax waren gestern die Aktien der Lufthansa   . Gewinnmitnahmen und Expansionspläne des irischen Konkurrenten Ryanair hatten den Wert unter Druck gesetzt. Zudem hat die Deutsche Lufthansa nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen die nordrhein-westfälische Landesbürgschaft für die LTU eingereicht. Belastend könnte sich auswirken, dass die italienische Fluggesellschaft Allitalia in diesem Jahr voraussichtlich einen Verlust von 600 Millionen Euro erzielen wird.

Konjunktur: Niedrige Energiekosten drücken Erzeugerpreise

Entwarnung auf der Inflationsseite: Der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte ist im Oktober dank rückläufiger Energiepreise lediglich um 0,6 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen. Dies sei die niedrigste jährliche Steigerungsrate seit Oktober 1999, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Im September 2001 hatte die Jahresveränderungsrate noch plus 1,9 Prozent betragen. Im Vergleich zum Vormonat ist der Index im Oktober 2001 um 0,9 Prozent gefallen. Ohne Berücksichtigung der Mineralölerzeugnisse stieg der Erzeugerpreisindex binnen Jahresfrist um 1,5 Prozent.

Die Importpreise für Oktober sind in Deutschland um 5,6 Prozent gesunken. Weiterhin stehen heute die Verbraucherpreise für den Monat November an. Der gestern bekannt gegebene Rückgang des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) im dritten Quartal hatte kaum Einfluss auf das Handelsgeschehen. Die EZB hatte gestern die Zinsen unverändert gelassen.

Neuer Markt: Comeback der Fonds

Die stabile Tendenz am Neuen Markt sei unter anderem auf Käufe von Fonds zurück zu führen, sagten Händler. Davon profitierten in erster Linie die Schwergewichte des Marktes und besonders liquide Werte wie Broadvision   , sagte ein Börsianer. Auch die Indexschwergewichte T-Online   und Qiagen   legten gestern deutlich zu.

Euro unter 88 Cent

Der Euro hat sich am Freitag Morgen bei geringen Umsätzen in engen Spannen bewegt. Die Gemeinschaftswährung habe zunächst von Äußerungen des britischen Premierministers Tony Blair profitiert, sich stärker in Europa engagieren zu wollen. Ein Euro kostete am Morgen 0,8798 Dollar