Börsenausblick: Es kann nur besser werden - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Es kann nur besser werden

Trotz des Bilanzskandals bei WorldCom haben die US-Börsen im späten Handel Boden gutmachen können. Händler rechnen in Frankfurt mit einer uneinheitlichen Eröffnung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York/Frankfurt am Main - Wer nach Handelsschluss in den USA auf die Indizes schaute, traute seinen Augen nicht: Grüne Vorzeichen beim Technologieindex Nasdaq Composite (0,4 Prozent), und nur 0,1 Prozent Verlust beim Dow Jones. Zum Börsenschluss in Frankfurt hatten Dow und Nasdaq jeweils noch 1,5 Prozent schwächer notiert.

Nach dem "schwarzen Mittwoch" hellt sich die Stimmung ein wenig auf. Für Dax und Nemax erwarten Händler eine uneinheitliche Eröffnung. Der Dax dürfte zum Handelsbeginn leicht zulegen.

Zinsen unverändert – Pharmawerte legen zu

Die US-Notenbank Fed hat am Mittwochabend die Zinsen unverändert gelassen. Die anhaltende Aktienschwäche könnte ein Grund dafür sein, dass die Fed trotz leicht anziehender Konjunktur diese neutrale Haltung zunächst beibehält. Volkswirte rechnen mit einem Anheben der Sätze frühestens im Herbst.

Zu den größten Gewinnern an der Wall Street zählten am Abend die großen Standardwerte, vor allem aus dem Pharmasektor: Sie haben dafür gesorgt, dass die US-Börsen einen der größten Finanzskandale ihrer Geschichte zunächst glimpflich weggesteckt haben. Dickschiffe wie IBM  , Wal-Mart  , Home Depot  , Procter & Gamble, Merck & Co.  , Microsoft  und General Electric   konnten zulegen. Die New Yorker Börse verzeichnete ein Handelsvolumen von zwei Milliarden Aktien. Das war bisher das höchste Umsatzniveau in diesem Jahr.

WorldCom setzt Finanzwerte unter Druck

Der Telekommunikationskonzern WorldCom hat Ausgaben in Höhe von 3,8 Milliarden Dollar als Investitionen deklariert. Dadurch hat die Gesellschaft seit Anfang 2001 fiktive Gewinne verbucht. Die US-Telefongesellschaften AT&T und Sprint sollten nach Ansicht von Analysten langfristig von dem Bilanzierungsskandal um den Konkurrenten WorldCom profitieren, da sie Nutznießer der zu erwartenden Kundenabwanderung seien, wenn sich die Insolvenz-Befürchtungen weiter verstärken.

Finanzwerte standen wegen der Angst über die hohen WorldCom-Verpflichtungen von mehr als 30 Milliarden Dollar unter Druck. J.P. Morgan Chase  , Bank of America und Citigroup   sind die größten Gläubiger von WorldCom. Merrill-Lynch-Analyst Judah Kraushaar schätzt die Höhe der vergebenen Kredite von JPMorgan und Citigroup auf 500 Millionen bis eine Milliarde Dollar. Papiere der Citigroup gaben 5,42 Prozent auf 37 Dollar nach, die der Bank of America 3,68 Prozent auf 67,45 Dollar. Aktien von JPMorgan Chase verloren 4,37 Prozent auf 31,49 Dollar, obwohl die Bank keine Auswirkung auf das Geschäftsergebnis erwartet.

Ist QWest der nächste?

Die US-Börsenaufsicht SEC hat bei einem Bundesgericht gegen den Telefonkonzern WorldCom Klage wegen Betrugs eingereicht. Mit der Klage solle auch verhindert werden, dass WorldCom im Laufe der Ermittlungen wichtige Dokumente vernichte. Pitt kündigte auch strengere Maßnahmen zur Überwachung der Buchführung in den 1000 größten US-Unternehmen an.

Die SEC hat außerdem den Telekomkonzern Qwest wegen möglicher Buchungstricks im Visier. Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtete, prüft die SEC bereits seit April, ob Qwest Einnahmen im Höhe von 1,4 Milliarden Dollar aus dem Verkauf von Kapazitäten aus seinem Glasfasernetz korrekt verbucht hat. Die Aktie verlor, nachdem 85 Millionen Stück umgesetzt waren, 57,28 Prozent und kostete 1,79 Dollar.

Papiere von Micron Technology notierten 3,8 Prozent tiefer mit 19 Dollar, nachdem der Chiphersteller mit seinen am Vorabend nach Börsenschluss gemeldeten Quartalsverlust die Erwartungen der Wall Street deutlich verfehlt hatte.

Tokio mit Gewinnen – Euro etwas schwächer

Nikkei legt zu, Euro gibt ab

Die japanische Aktienbörse in Tokio ist am Donnerstag mit einem Plus von 1,9 Prozent auf 10.261 Zähler aus dem Handel gegangen. Die Erholung in den USA gab den Anlass für Käufe. Der Kurs des Euro hat dagegen leicht nachgegeben: Die Gemeinschaftswährung, die gestern deutlich über 99 US-Cent notierte, war am Donnerstag Morgen 0,9838 Dollar wert.