Börsenausblick Feuerwerk schon verpufft?
Frankfurt am Main - Nach der Rallye am Vortag rechnen Händler zum heutigen Handelsauftakt mit Gewinnmitnahmen. Der Dax, der gestern um stolze 235 Punkte (7,1 Prozent) auf 3568 Zähler geklettert war, dürfte heute zunächst wieder den Rückwärtsgang einlegen.
Im späten Handel gaben die US-Indizes einen Teil ihrer Gewinne wieder ab: Der Dow Jones, der zum Handelsschluss in Deutschland noch 3,9 Prozent fester tendiert hatte, gab wieder 80 Punkte nach und schloss nur noch 2,9 Prozent fester bei 8249 Zählern. Der Nasdaq Composite ging 4,4 Prozent fester bei 1259 Zählern aus dem Handel.
Cisco übertrifft Erwartungen
Hoffnungen, dass es sich bei der Erholung nicht nur um eine Eintagsfliege handeln könnte, wurden nach Börsenschluss von Cisco gestärkt. Der weltgrößte Internetausrüster Cisco Systems hat dank eines Kostensenkungsprogramms seine Erlöse stärker gesteigert als von Analysten erwartet. Mit einem Pro-forma-Ergebnis von 0,14 Dollar je Aktie im vierten Quartal ihres Geschäftsjahres übertraf der US-Netzwerkausrüster die Schätzungen des Marktes um zwei US-Cent.
Cisco blieb mit einem um zwölf Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar gesteigerten Umsatz jedoch leicht unter den Erwartungen. Der Netzwerkausrüster will Aktien im Wert von bis zu acht Milliarden Dollar zurückkaufen, gab mit Hinweis auf die zurückhaltenden Verbraucher aber einen recht verhaltenen Ausblick. Die Aktie, die bereits am Dienstag um rund sechs Prozent gestiegen war, legte im nachbörslichen Handel leicht zu.
Zinssenkungen gefordert
Die Bullen an der Börse treten nach der gestrigen Rallye noch nicht sofort den Rückzug an. Aktien seien relativ zu Anleihen derzeit sehr billig, sagte Ben Funnell, Aktienstratege von Morgan Stanley. Auf dem derzeitigen Stand gebe es ein "erhebliches Potenzial nach oben".
Außerdem hatten Gerüchte um eine mögliche Zinssenkung der US-Notenbank Käufer in den Markt gelockt: Die Schwächezeichen der US-Konjunktur könnten Alan Greenspan, der von der Queen zum Ritter geschlagen werden soll, dazu bewegen, die Zinsen auf ein Rekordniveau von 0,75 Prozent zu drücken. Andererseits wäre dies auch ein Eingeständnis, dass die optimistischen Prognosen der Notenbanker für die US-Wirtschaft nicht mehr zu halten sind und nun auch die Fed einen "Double Dip" befürchtet.
Nun wird auch in der Eurozone der Ruf nach einer Zinssenkung lauter. Ökonomen und Politiker fordern die EZB zu einer Konjunkturstützung auf, berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Kritik am Stabilitätspakt nehme zu.
Adidas stützt den Dax
Dax knapp behauptet erwartet
Nachdem der Dax gestern um 235 Punkte geklettert war, rechnen Händler für heute mit einem knapp behaupteten Auftakt. Der Index war am Dienstag Vormittag mit 3235 Zählern auf den tiefsten Stand seit April 1997 gerutscht und hatte anschließend um 333 Punkte zugelegt. Die Volatilität im Index ist derzeit höher als im September 2001.
Schwache Konjunkturdaten
Die schwache Konjunktur drückt in Frankfurt auf die Stimmung. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juli nach einem Bericht der Bild-Zeitung auf 4,047 Millionen Menschen gestiegen. Dies waren 92.000 mehr als noch im Juni und 249.000 mehr als noch vor einem Jahr. Heute berichtet die Bundesanstalt für Arbeit über die Zahlen.
Außerdem hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsschätzungen für die USA offenbar nach unten korrigiert. Wie die "Börsen-Zeitung" unter Berufung auf vorliegende interne IWF-Prognosen berichtet, wird für das laufende Jahr nur noch ein Zuwachs von 2,2 Prozent erwartet.
adidas bleibt optimistisch
Europas größter Sportartikelhersteller adidas Salomon präsentiert sich dagegen im vollen Saft. Der Konzern hat im zweiten Quartal beim Umsatz weiter zugelegt und seine Ziele für das Gesamtjahr bekräftigt. Der Konzernumsatz sei im zweiten Jahresviertel auf 1,5 Milliarden Euro nach knapp 1,4 Milliarden Euro ein Jahr zuvor geklettert, teilte adidas am Mittwoch in Herzogenaurach mit. Der Überschuss zog um knapp vier Prozent auf 25 Millionen Euro an. Das Betriebsergebnis schrumpfte wegen erhöhter Marketingaufwendungen für die Fußball-Weltmeisterschaft von 74 Millionen Euro auf 69 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr bestätigte Vorstandschef Herbert Hainer erneut das Ziel, beim Umsatz ein Plus von mindestens fünf Prozent und beim Gewinn einen Zuwachs von fünf bis zehn Prozent zu erwirtschaften.
Stühle rücken im Dax?
Der Handel im Dax dürfte heute auch von einer möglichen Neuordnung im Index bestimmt sein. Nach einer Rangliste der Deutschen Börse sind Epcos , MLP und Fresenius Medical Care in Abstiegsgefahr. Nach Börsenwert und Börsenumsatz müssen Dax-Mitglieder jeweils zu den 35 stärksten Werten des amtlichen Handels gehören. Die Wackelkandidaten bringen es nach ihrem Börsenwert (Epcos 39, MLP 35, FMC 32) nur auf hintere Platzierungen. Die potenziellen Dax-Aufsteiger Altana , Deutsche Börse und Beiersdorf , die zur Zeit noch im M-Dax notiert sind, bringen es nach Börsenwert auf die Plätze 23, 24 und 28. Der Arbeitskreis der Deutschen Börse entscheidet am 13. August über eine mögliche Neuordnung im Index.
Die kräftigen Kursgewinne vom Vortag lösen bei Börsianern keine Euphorie aus, sorgen aber für ein Durchatmen. Nach dem Kursrutsch der Vortage - der Dow Jones hatte innerhalb von drei Handelstagen rund 700 Punkte nachgegeben und der Dax erst am Dienstag Morgen ein neues Fünfjahrestief markiert - war eine technische Gegenreaktion für viele Händler nur eine Frage der Zeit. Vor allem Eindeckungen der Short Seller, die Aktien in den vergangenen Tagen leer verkauft hatten und sich nun wieder eindecken, würden die Aufwärtsbewegung verstärken, hieß es. Damit fallen die Gewinne sehr deutlich aus, stehen aber auf unsicheren Beinen.
T-Aktie mit Kurssprung
Die T-Aktie dürfte Mühe haben, ihre Kursgewinne von knapp zehn Prozent heute zu verteidigen. Zwar hat Cisco für recht positive Stimmung in der Hightechbranche gesorgt, jedoch bleiben Anleger vorsichtig. Auch bei Infineon und Siemens , die sich gestern zwischen sechs und acht Prozent verteuerten, sind Gewinnmitnahmen möglich.
Zittern am Neuen Markt
Der Neue Markt hat sich gestern nur mit Mühe von seinem Allzeittief erholt. Der Index schloss bei 491 Punkten. Die beunruhigenden Nachrichten reißen nicht ab: Der Aufsichtsrat von D.Logistics hat das Vorstandsmitglied Dieter Hey mit sofortiger Wirkung abberufen. Zudem hat Gold-Zack die Berliner Anwaltskanzlei Knauthe beauftragt, mit den Gläubigern über eine Stundung ihrer Forderungen zu verhandeln.
Euro bleibt unter 97 US-Cent
Der Nikkei hat die guten Vorgaben aus den USA und Europa aufgenommen und legte um 3,5 Prozent auf 9834 Zähler zu. Besonders Technologiewerte und exportorientierte Titel profitierten. Sorgen über die Konjunkturaussichten in Europa haben den Euro deutlich unter die Marke von 0,97 Dollar gedrückt. Am Morgen notierte die Währung bei 0,968 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag bei 0,9689 (Montag: 0,9836) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0321 (1,0167) Euro. Die Konjunktursorgen in den USA und die Aussicht auf weitere Zinssenkungen durch die amerikanische Notenbank belasten nach Einschätzung von Karsten Junius von der DekaBank derzeit den Euro.