Börsenausblick Gedämpfte Hoffnung
Frankfurt am Main - Nach einem lustlosen Geschäft bei geringen Umsätzen am Vortag sollte am Freitag wieder mehr Bewegung in die Kurse kommen. Zum einen nimmt die Wall Street den Handel - wenn auch verkürzt - nach dem Feiertag wieder auf. Zum anderen verstärken sich die Signale, dass die Europäische Zentralbank auf ihrer Ratssitzung am kommenden Donnerstag endlich die Zinsen senken wird. An diese Hoffnung werden sich die Investoren heute klammern. Im Einklang mit vielen Politikern fordern sie seit Langem einen Leitzinssenkung, die die Kapitalmärkte beflügeln dürfte.
Hoffnungsvolle Signale von der EZB
Jedenfalls hat sich Bundesbankpräsident Welteke nach einem Zeitungsbericht indirekt für eine Senkung der Euro-Leitzinsen ausgesprochen. "Wenn wir auf mittlere Frist keine negativen Aspekte für die Preisentwicklung sehen, könnten wir möglicherweise einen Zinsschritt tun, um damit vielleicht auch psychologisch ein insgesamt verbessertes Klima zu schaffen", sagte Welteke gegenüber dem "Handelsblatt".
Dass sich ein EZB-Ratsmitglied im Vorfeld einer Sitzung so deutlich äußert, spricht nach Ansicht von Marktbeobachtern für eine Zinssenkung am nächsten Donnerstag. Im Unterschied zur US-Notenbank, die nach mehreren Zinsschritten zuletzt Anfang dieses Monats den Leitzins auf 1,25 Prozent gesenkt hat, liegt der Euro-Leitzins seit gut einem Jahr unverändert bei 3,25 Prozent.
Arbeitsmarkt verspürt keine Impulse
Sollte die EZB den Leitzins dann womöglich gleich um 50 Basispunkte senken, dürfte dies mittelfristig auch den Arbeitsmarkt stärken. Hier sieht es derzeit nach wie vor trostlos in Deutschland aus. Banken-Volkswirte schätzen, dass sich die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt im November weiter verschlechtert hat und rechnen mit knapp vier Millionen Arbeitslosen. Im Vergleich zu den Vorjahren wäre dies der höchste Stand seit 1997 in einem November-Monat.
Der Mut der Verbraucher sinkt
Zugleich verlässt die Verbraucher der Mut. Ihre Stimmung ist wegen der bevorstehenden Steuer- und Abgabenerhöhungen kläglich eingebrochen. Pessimismus macht sich breit, sagen Volkswirte. Da werden die meisten Bürger natürlich jeden Euro dreimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben. Die Ökonomen rechnen daher nach einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) damit, dass die Verbraucher mit ihren zurückgefahrenen Ausgaben die lahmende Wirtschaft in Deutschland wohl kaum ankurbeln werden.
Der Einzelhandel hat die schlechten Signale längst vernommen und versucht mit einem gnadenlosen Preiskampf zum Weihnachtsgeschäft noch zu retten was zu retten ist.
Regulierungsbehörde fährt der Telekom in die Parade
Die Verbraucher haben derzeit in der Tat wenig zu lachen. Und manchmal sind es vielleicht gerade die kleinen Dinge, die die Stimmung ein wenig heben könnten, wenn sie anderen dabei auch weniger gefallen dürften. So hat die Bonner Regulierungsbehörde der Telekom untersagt die Preise für einen neuen Telefonanschluss zu erhöhen, schreibt die "Berliner Zeitung".
Wird "Robert" an die Luft gesetzt?
Schlecht für die Telekom - der Konzern versucht händeringend, seinen hohen Schuldenberg zu drücken. Offenbar erwägt das Unternehmen deshalb auch, einen Teil seiner Aktien an der Internettochter T-Online zu verkaufen. Dabei kämen Verkäufe an institutionelle Anleger ebenso in Frage wie eine Platzierung an der Börse, schreibt die "Financial Times Deutschland" am Freitag unter Berufung auf Bankenkreise. Allein aus Beteiligungsverkäufen wolle Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick bis Ende nächsten Jahres mehr als zwei Milliarden Euro freisetzen, wobei der Löwenanteil von Verkäufen der T-Online-Aktien kommen soll. Man darf gespannt sein, wie die Aktie heute auf diese Nachrichten reagiert.
Ansonsten sehen sich die Märkte am Morgen einer entspannten Nachrichtenlage gegenüber.
Sixt legt Zahlen vor
Deutschlands größter Autovermieter Sixt veröffentlicht seine Zahlen für das dritte Quartal. Nach einem Umsatzrückgang in der ersten Jahreshälfte wollte Sixt wieder stärker Gas geben und damit im Gesamtjahr einen stabilen Umsatz von rund 2,3 Milliarden Euro erreichen.
Überdies wird der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal vorlegen. Nach Ansicht von Analysten hat das Unternehmen unter dem derzeitigen Abwärtstrend der Druckmaschinenbranche gelitten. "Es wäre eine positive Überraschung, wenn KBA ohne eine Gewinnwarnung auskommen würde", schätzt Analyst Michael Riedel von der Bankgesellschaft Berlin.