Börsenausblick Gewinnwarnung von Hugo Boss
Frankfurt am Main - Die amerikanischen Aktienmärkte sind am Freitag nach Handelsschluss in Deutschland weiter in die Tiefe gerutscht und markierten neue historische Tiefstände. Der Dow Jones war zeitweilig sogar unter die Marke von 8000 Punkten gefallen.
In der Nacht zum Montag hat der US-Telekomkonzern WorldCom außerdem Gläubigerschutz beantragt, kann seine Geschäft aber vorerst weiter betreiben. Es handelt sich um die größte Pleite der US-Geschichte. Auf deutscher Seite gab am Morgen der Modekonzern Hugo Boss eine Gewinnwarnung heraus.
Vor allem neue Meldungen über mögliche Bilanzunregelmäßigkeiten etwa bei AOL Time Warner oder einer Tochter des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson hatten die Aktienmärkte unter Druck gesetzt. Zudem lastete die Sorge um die Entwicklung der Unternehmensgewinne auf den Kursen. Zahlreiche Konzerne hatte in der vergangenen Woche vor allem durch einen schwachen Ausblick die Märkte enttäuscht.
Was macht jetzt der amerikanische Verbraucher?
Jetzt beschleicht Marktbeobachter die Angst, dass die US-Verbraucher im Zuge des anhaltenden Kursverfalls nun mehr Geld auf die hohe Kante legen werden. Damit würde die wichtigste Stütze der US-Konjunktur, der private Konsum, ins Wanken geraten. Erst am Freitag hatte Goldman Sachs seine US-Wachstumsprognose für das zweite Quartal auf 1,5 Prozent gesenkt. Nicht nur der private Konsument auch die Unternehmen gerieten angesichts der schwachen Aktienmärkte in Bedrängnis. Da die firmeneigenen Pensionsfonds im Zuge der Baisse nun weniger Rendite abwerfen, müssten die Konzerne Geld aus eigener Kasse nachschießen, was die Unternehmensgewinne zusätzlich belasten würde, hieß es.
Wall Street: Vernichtende Bilanz seit Jahresbeginn
Und die bisherige Bilanz an der Wall Street ist erschreckend: Seit Jahresbeginn hat der Dow Jones rund 20 Prozent verloren. Beim S&P 500 sind es rund 26 Prozent. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, gab bislang rund ein Drittel ab.
Gleichwohl werden Stimmen laut, die eine vor allem von Technologiewerten getragene Trendwende an den Aktienmärkten voraussagen. "Es würde mich nicht wundern, wenn wir in der kommenden Woche den Rebound sehen" sagte etwa Ng Ean Kiam von Credit Agricole Asset Management. Und auch Staranalystin Abby Joseph Cohen von Goldman Sachs glaubt an eine bevorstehende Trendwende an den Aktienmärkten.
Ob sich die Stimmung tatsächlich gebessert hat, dafür werden nächste Woche wieder die Barometer gezückt. In München legt das Ifo-Institut am Donnerstag seinen Geschäftsklima-Index vor. Am Freitag veröffentlicht die Universität Michigan das US-Verbrauchervertrauen für Juli. Die Analysten der WestLB rechnen mit einem verbesserten Index in den USA, glauben allerdings, dass sich das Geschäftsklima in Deutschland etwas verschlechtert hat.
Die Wall Street erwartet heute nach Börsenschluss die Geschäftszahlen von Novellus Systems und Texas Instruments. Im Laufe des Handelstages werden American Express und Altera ihre Geschäftszahlen präsentieren.
Hugo Boss enttäuscht, Analysten bei VW skeptisch
Auf deutscher Seite enttäuschte der Modekonzern Hugo Boss am Montagmorgen mit einer Gewinnwarnung die Märkte. Das im MDax notierte Unternehmen hat seine Gewinnerwartung für das Geschäftsjahr 2002 auf Grund des schwierigeren Konsumumfelds auf einen Jahresüberschuss von nur noch 70 Millionen nach bisher erwarteten 95 Millionen Euro gesenkt.
Der Umsatz werde weiterhin das Niveau des Vorjahres erreichen, heißt es in einer Ad-hoc-Mitteilung. Mit einem Ergebnis nach Steuern von 30 Millionen Euro (2001: 58,9 Millionen Euro) bleibe das Ergebnis des ersten Halbjahres 2002 hinter den Erwartungen zurück. Dies sei im Wesentlichen auf negative Einmaleffekte in den USA und das Ausbleiben positiver Währungseffekten zurückzuführen.
Unter Druck könnten auch die Aktien von Volkswagen geraten. Der Konzern könnte das selbst gesteckte Ergebnisziel für 2002 verfehlen. Nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" erwarten Analysten rückläufige Verkäufe und hohe Belastungen durch Rabatte und Sonderkonditionen.
Die asiatische Leitbörse in Tokio ging schwächer aus dem Handel. Der Nikkei gab 0,1 Prozent auf 10.189 Zähler ab.