Börsenausblick: Gute Vorlage aus den USA - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Gute Vorlage aus den USA

Händler rechnen mit Gewinnen zum Auftakt. Die Erholung in den USA ist vor allem für die Technologiewerte eine gute Vorlage. Dennoch bleiben die Indizes angeschlagen: Ifo-Index und US-Verbrauchervertrauen entscheiden heute, ob der Markt zumindest zu einer Bärenmarktrallye ansetzt.
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Frankfurt am Main - Nach einer turbulenten Sitzung haben die US-Börsen am Montag doch noch den Sprung in die Pluszone geschafft. Der Dow Jones, der zeitweise mehr als 150 Punkte im Minus notierte, kletterte am Abend zeitweise bis zu 1,1 Prozent in die Gewinnzone und schloss schließlich 0,3 Prozent fester. Der Technologieindex Nasdaq Composite legte 1,3 Prozent zu, nachdem er zeitweise unter seinen Tiefstand vom 21. September gefallen war.

Microsoft und GE vorn

Zu den Gewinner im Dow zählten am Montag Microsoft   und General Electric   . Die beiden Schwergewichte waren die Zugpferde der Erholung und gingen mit deutlichen Gewinnen aus dem Handel. General Electric war im Handelsverlauf jedoch auf den tiefsten Stand seit Oktober 1998 abgestürzt. Doch die Unsicherheit bleibt: "Wenn dieses Kursniveau als Sprungbrett für eine Rallye versagt, ist der Absturz gewiss", sagte ein Händler.

Tabakkonzerne wie Reynolds gerieten durch ein Gerichtsurteil unter Druck. Reynolds wurde zur Zahlung einer Schadenersatzsumme in Höhe von 15 Millionen Dollar an einen Raucher verurteilt, dessen Beine amputiert werden mussten.

Mehrere Faktoren schüren die Nervosität, sagten Händler. Zum Auftakt der Quartalssaison in den USA prägt die Angst vor Gewinnwarnungen und weiteren Skandalen die Stimmung. Zweitens habe die Schwäche des Dollar die Anleger zunächst zum Rückzug aus US-Aktien veranlasst. Am Abend, als sich die Währung ein wenig erholte, kehrten einige Anleger zurück.

Fester Start im Dax erwartet - ifo-Index am Vormittag

In Frankfurt reduzierten Dax und Nemax während der letzten Handelsstunde am Montag ihre Verluste. Der Dax, der zeitweise um mehr als vier Prozent gefallen war, schloss "nur" noch 2,5 Prozent schwächer bei 4127 Zählern. Der Nemax 50 reduzierte die Verluste auf 1,7 Prozent und eroberte die Marke von 610 Punkten zurück.

Händler meinen, eine kurzfristige technische Gegenreaktion sei im überverkauften Markt nun jederzeit möglich. Dafür ist allerdings Voraussetzung, dass der ifo-Geschäftsklimaindex (10 Uhr) in Deutschland und das US-Verbrauchervertrauen (16 Uhr), das etwas geringer bei 106 Punkten erwartet wird, nicht enttäuschen. Bleiben die Konjunkturdaten im Rahmen der Erwartungen, könnten die geprügelten Werte SAP  , Deutsche Telekom  , Allianz   und Münchener Rück   sich wieder erholen.

T-Aktie im Niemandsland

Allerdings bleibt besonders im Telekom-Sektor die Stimmung schlecht: Die France Télécom gab gestern nach einer Herabstufung durch Moody´s rund 16 Prozent nach. Der französische Medienkonzern Vivendi brach um 23 Prozent ein - an einem Tag wurden dort sechs Milliarden Euro Marktkapitalisierung vernichtet. Die Aktie der Deutschen Telekom   hat am Montag zeitweise sieben Prozent abgegeben, konnte die Verluste zum Handelsschluss aber reduzieren.

Technologie mit Erholungschancen

Besonders schwer hatte es am Montag SAP erwischt. Die Investmentbank Goldman Sachs hat die Schätzungen für den US-Softwareriesen Siebel deutlich reduziert: Auch der deutsche Anbieter von Unternehmenssoftware, SAP   , litt darunter und gab zeitweise mehr als acht Prozent ab. Erst in den letzten Handelsminuten konnte die Aktie die Marke von 90 Euro zurück erobern.

Die Aktie von Infineon   gehörte gemeinsam mit Fresenius   und Preussag   zu den drei Gewinnern im Dax. Infineon konnte von der späten Kurserholung bei Intel profitieren. Der Chiphersteller Intel   drehte am Montag ins Plus, nachdem das Unternehmen am Montag fünf neue Chips auf den Markt gebracht hat.

Auch bei Siemens   hoffen Anleger auf eine Erholung. Die chinesische Regierung hat dem Münchener Technologiekonzern nach einem Zeitungsbericht die Genehmigung zum Aufbau eines Mobilfunknetzes der dritten Generation mit einem lokal entwickelten Standard in Aussicht gestellt.

Deutsche Bank und Allianz: Hedgefonds springen auf

Die Aktie der Allianz   gab am Montag mehr als vier Prozent ab. Das Papier notiert unter 183 Euro. Befürchtungen, dass die Deutsche Bank   nach dem Verkauf ihres Münchener Rück-Anteils nun auch ihre vierprozentige Beteiligung an der Allianz reduzieren könnte, sind nach Angaben von Händlern eine willkommene Vorlage für Hedgefonds, die Allianz-Aktie im Vorfeld leer zu verkaufen.

DaimlerChrysler hat genug von Mitsubishi

Auch bei DaimlerChrysler   gibt es derlei Befürchtungen. Die Deutsche Bank werde ihre DaimlerChrysler-Aktien nach Einschätzung des DaimlerChrysler-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp jedoch kurzfristig nicht abgeben. DaimlerChrysler wird außerdem ihre im nächsten Jahr bestehende Option zur Erhöhung ihrer Beteiligung an Mitsubishi nicht wahrnehmen. Der Automobilkonzern sei mit ihrer gegenwärtigen Beteiligung von 37,3 Prozent zufrieden, sagte Schrempp.

Auch mit dem Kurs der Münchener Rück   ging es am Montag um weitere 4,9 Prozent auf 211 Euro bergab. Im Handelsverlauf am Montag hatte die Aktie ein neues Jahrestief markiert. Auch die Commerzbank   (mit minus sechs Prozent Schlusslicht im Dax) geriet unter die Räder. Die anhaltende Börsenschwäche belastet die Ergebnisaussichten der Finanztitel allgemein, doch ist die Commerzbank durch ihr Engagement bei der angeschlagenen Babcock-Borsig belastet.

Nemax 50 - Montag pfui, Dienstag hui?

Neuer Markt im freien Fall

Die deutliche Erholung an der Nasdaq könnte heute zunächst für prozentual kräftige Gewinne am Neuen Markt sorgen. Dies dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Markt charttechnisch im Niemandsland befindet und jederzeit wieder einbrechen kann, sagten Händler. Der Index notierte am Montag mit 589 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit Eröffnung des Neuen Marktes. Er ging bei 610 Zählern aus dem Handel.

Nach dem Rauswurf bei der Büdelsdorfer Mobilfunk-Firma MobilCom   ringt Firmengründer Gerhard Schmid um ein lukratives Übernahme-Angebot. "Ich erwarte, dass France Télécom den in Deutschland geltenden Gesetzen entspricht und mir und den freien Aktionären ein vernünftiges Angebot unterbreitet", sagte Schmid der "Financial Times Deutschland". Der französische Telekom-Konzern will nach Informationen der Pariser Wirtschaftszeitung "Les Echos" je MobilCom-Anteilschein zehn zehn Euro in Aktien bieten. Dagegen fordert Schmid 22 Euro in bar. Die Aktie stürzte unterdessen um weitere fünfzehn Prozent ab und notiert deutlich unter neun Euro.

Nikkei fest, Euro etwas schächer

Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag minimal fester geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte legte um 0,2 Prozent auf 10,496 Zähler zu. Der Euro notierte am Dienstag Morgen etwas schwächer bei 0,9716 Dollar, nachdem er am Vortag mit 0,9807 Dollar und auf den höchsten Stand seit 27 Monaten gestiegen war.