Börsenausblick: Gute Vorzeichen aus New York - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenausblick Gute Vorzeichen aus New York

Die Vorgaben der US-Börsen sind gut und lassen einen festen Auftakt der Aktienmärkte in Deutschland erwarten. Im Mittelpunkt stehen zunächst die Quartalszahlen von DaimlerChrysler. Nach jüngsten Informationen blickt der Konzern mit gebremsten Optimismus auf den Rest des Jahres.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg – Schwache Wirtschaftsdaten haben die Stimmung an den US-Aktienmärkten nicht getrübt. Obwohl der gestern veröffentlichte Index der Frühindikatoren den deutlichsten Rückgang seit 1996 aufwies und damit das Ende der US-Konjunktur-Schwäche weiter nicht abzusehen ist, schlossen die Börsen in New York deutlich im Plus.

Der Dow Jones präsentierte sich 1,9 Prozent fester auf 9377 Zähler. Der Nasdaq Composite rückte 2,2 Prozent vor auf 1708 Punkte. Vor allem zum Handelsschluss legten die Kurse der US-Technologiebörse bei überdurchschnittlichen Umsätzen deutlich zu. Analysten hatten sich positiv zur Zukunft des Chipsektors geäußert.

Heute nach Börsenschluss in den USA wird die Branchenvereinigung Semiconductor Equipment and Materials International die sogenannte Book-to-Bill-Ratio für September veröffentlichen: Nach Ansicht der Analysten von UBS Warburg könnte die Zahl der neuen Aufträge zum ersten Mal seit Monaten die Zahl der auslieferten Chips übersteigen. Der Chiphersteller Altera wies indes nach Börsenschluss einen Gewinn je Aktie von fünf Cents aus und traf damit genau die Analysten-Erwartungen. Der Ausblick ist positiv. Unter diesen Vorzeichen sollten vor allem Technologiewerte an den deutschen Aktienmärkten heute gut starten.

Gleichwohl fehlt es in den USA nicht an mahnenden Stimmen. Das Investmenthaus J.P: Morgan sieht etwa beim S&P 500 den Boden noch nicht erreicht. Dafür sei es zu früh, erklärte die Bank gestern. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse seien aus Sicht der Experten zu hoch und zu viel Hoffnung im Markt, dass der Index seine Tiefstände nicht mehr markieren werde. Daran wollen die Analysten noch nicht glauben.

In den USA legen heute unter anderem AT&T Wireless (vor Börsenbeginn) sowie Amazon.com, Compaq (nach Börsenschluss) und Lucent Technologies (im Laufe des Börsentages) ihre Geschäftszahlen vor.

In Deutschland werden heute mit Spannung die Geschäftszahlen für das dritte Quartal des DaimlerChrysler   -Konzerns erwartet. Wie Manfred Gentz, Finanzvorstand von DaimlerChrysler, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung (Dienstagausgabe) sagte, ist in Deutschland die Zurückhaltung weitgehend überwunden. Am Ziel eines Operating Profit von 1,2 Milliarden bis 1,7 Milliarden Euro für 2001 halte man zwar fest, könne aber dafür noch keine Versprechungen abgeben. Trotz der aktuell niedrigen Börsenbewertung fürchte DaimlerChrysler keine feindliche Übernahme.

Den vorsichtigen Ausblick auf das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2001 begründet der Finanzvorstand mit den nach wie vor nicht in Gänze einzuschätzenden Folgen der Anschläge. Die Schätzungen der von vwd befragten Analysten reichen beim bereinigten Operating Profit von 130 Millionen bis 490 Millionen Euro. Im dritten Quartal 2000 lag diese Zahl bei 540 Millionen Euro. Beim Umsatz wird von 33,1 Milliarden bis 36,5 (Vorjahresquartal: 37,2) Milliarden Euro ausgegangen.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Ansicht der sechs führenden Konjunkturinstitute bereits "am Rande einer Rezession", wie bereits gestern vorab bekannt wurde. Die Zahl der Arbeitslosen werde 4,25 Millionen ansteigen. Heute werden die Experten ihr Herbstgutachten offiziell vorstellen. Finanzminister Hans Eichel lehnt indes nach Informationen vom Dienstag morgen Steuersenkungen zur Belebung der Konjunktur strikt ab.

Die asiatische Leitbörse in Tokio notierte kurz vor Handelsschluss fester. Der Nikkei legte 1,6 Prozent auf 10.733 Punkte zu.

Der Euro notierte im frühen Handel weiter deutlich unter der Marke von 90 US-Cent bei Kursen um 0,8925 Dollar.