Börsenausblick Hält der Dax die 5000er-Marke?
Frankfurt am Main Die Aussichten für den Handelstag am Montag sind alles andere als rosig. Die amerikanischen Aktienmärkte sind am Freitag nach Handelsschluss weiter abgerutscht und schlossen unter psychologisch wichtigen Marken. Nach widersprüchlichen Konjunkturdaten hatte die Investoren der Mut verlassen und Zweifel an der Gewinnentwicklung der US-Konzerne gewannen die Oberhand. Der Dow Jones fiel 1,2 Prozent auf 9910 Zähler. Der Nasdaq Composite notierte knapp drei Prozent leichter bei 1663 Punkten. In Deutschland stehen am Montag zunächst die Quartalszahlen der Deutsche Bank im Mittelpunkt des Interesses.
Zwar ist die amerikanische Wirtschaft im ersten Quartal 2002 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 5,8 Prozent so stark gewachsen wie seit mehr als zwei Jahren. Doch das überraschend schwindende Vertrauen der Verbraucher nagte an den Nerven der Investoren und schickte die Börsen auf Talfahrt. Der Index für das Verbrauchervertrauen wurde für den Monat April von 94,4 auf 93,0 nach unten revidiert.
Weitere wichtige Anhaltspunkte über den Zustand der US-Konjunktur dürften am Montag Daten über persönliche Einkommen und Ausgaben im Monat März liefern. Am Dienstag dann legt das Conference Board der US-Notenbank seine Daten zum Verbrauchervertrauen vor. Am gleichen Tag wird der Chicagoer Einkaufmanagerindex (PMI) erwartet. "Die kommenden Zahlen werden wahrscheinlich nicht auf eine rasche Erholung der Wirtschaftskraft schließen lassen", sagte Markus Reinwand, Analyst bei HelabaTrust. Zum Wochenschluss stehen die Arbeitslosenzahlen für den Monat April an.
Aus deutscher Sicht stehen am Montag zunächst die Quartalszahlen der Deutschen Bank im Mittelpunkt des Handelsgeschehens. Der Branchenprimus wird nach Ansicht von Analysten im ersten Quartal nach dem Schlussquartal 2001 wieder schwarze Zahlen schreiben.
Das dürfte auch nicht allzu schwer sein, hatte die Bank doch erst am 19. April den Verlust im vierten Quartals wegen der Umstellung auf das US-Bilanzierungssystem US-GAAP von 800 Millionen Euro auf 1,1 Milliarden Euro gesteigert.
Nach ersten Ad-hoc-Meldungen vor Handelsbeginn steigerte die Deutsche Bank das Ergebnis vor Steuern und kumuliertem Effekt aus Änderungen der Bilanzierungsmethoden auf 1,270 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern kletterte auf 597 Millionen Euro (382 Millionen Euro). Das Ergebnis je Aktie stieg auf 0,95 Euro (0,87 Euro ). Das um die Effekte der deutschen Steuersatzänderungen und der Bilanzierungsänderungen bereinigte Ergebnis je Aktie betrug demnach 2,02 Euro (1,26 Euro).
Nach weiteren Angaben vom Morgen will die die Deutsche Bank verstärkt von Industriebeteiligungen trennen.
Einen Blick sollten Investoren auf die Aktien der Deutsche Post werfen. Dem Logistikonzern droht nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ein neues Bußgeld in Millionenhöhe. Die Europäische Kommission sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Unternehmen seinen Paket- und Frachtdienst mit staatlichen Beihilfen aus dem Briefmonopol subventioniert habe. Die Deutsche Post legt am Dienstag ihre Quartalszahlen vor.
Mitten in der Kirch-Krise legt der TV-Konzern ProSiebenSAT.1 am Montag seine Zahlen für das erste Quartal vor. Vorstandschef Urs Rohner sieht derzeit kein Ende der Werbeflaute auf dem deutschen Fernsehmarkt. Im vergangenen Jahr war der Jahresüberschuss von ProSiebenSAT.1 um 27 Prozent auf 68 Millionen Euro eingebrochen.
Bei der Vorlage der Quartals-Zahlen könnte auch die Zukunft der Fußball-Bundesliga-Berichterstattung im frei empfangbaren Fernsehen eine Rolle spielen. Bisher wurden die Rechte vom Mehrheitsgesellschafter KirchMedia an SAT.1 weiter gereicht. Nach dem Insolvenzantrag der KirchMedia ist aber noch nicht klar, wo die Bundesliga in der kommenden Saison zu sehen ist.
Vor Handelsbeginn legte die am Neuen Markt im Nemax 50 notierte IDS Scheer ihre Zahlen für das erste Quartal vor. Demnach hat das Beratungs- und Softwareunternehmen seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 17 Prozent auf 41,7 Millionen Euro (VJ: 35,7 Millionen Euro) erhöht. IDS Scheer erzielte einen Ergebnissprung von 78 Prozent: Das operative Ergebnis kletterte den Angaben zufolge auf 3,3 Millionen Euro (1,85 Millionen Euro). Der Vorstand bekräftigte seine Prognose, ein Umsatzwachstum von 15 Prozent und eine Ebit-Marge von acht Prozent über das Gesamtjahr zu erzielen. Das endgültige Quartalsergebnis übertraf damit vorläufige Angaben vom 9. April.