Börsenausblick: Härtetest zum Wochenschluss - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Härtetest zum Wochenschluss

Händler rechnen für heute mit einem Härtetest. Die US-Börsen haben ihre Verluste ausgebaut. Bereits vor den Zahlen zum US-Arbeitsmarkt dürften vor allem Hightechwerte unter Druck geraten. Lediglich für BMW gibt es gute Vorgaben.
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Frankfurt am Main - Zwei Tage lang hat der Dow Jones schlechte Konjunkturdaten weggesteckt und seine Klettertour fortgesetzt. Doch nach dem schwachen Verbrauchervertrauen und den schwachen Wachstumsraten der Wirtschaft war der deutlich gefallene Einkaufsmanager-Index dann doch zuviel Munition für die Bären. Nun gehen wieder Rezessionsängste an den Märkten um: Der Kurssturz an den Börsen hat seinerseits dafür gesorgt, dass das Vertrauen der Verbraucher und die Investitionen der Unternehmen stark zurückgegangen sind.

Der Dow Jones hat im späten Handel seine Verluste auf 2,6 Prozent ausgebaut und schloss nur knapp über 8500 Punkten. Der Nasdaq Composite gab sogar 3,6 Prozent auf 1280 Zähler nach. Zum Handelsschluss in Deutschland hatten die Verluste im Dow 2,2 Prozent und an der Nasdaq 2,8 Prozent betragen. Händler rechnen für heute mit einem schwächeren Auftakt, da Dax und Nemax diese Verluste nachholen dürften.

Der Dax, der mit einem Gewinn von acht Prozent in die Handelswoche gestartet war, dürfte zum Wochenschluss zunächst auch den letzten Rest dieser Gewinne wieder abgeben und unter 3600 Zähler fallen. Für den Nemax rechnen Händler mit einem erneuten Test der 500-Punkte-Marke.

Banges Warten auf Arbeitsmarktzahlen

In den USA ist der nationale Einkaufsmanager-Index auf knapp über 50 gefallen. Unter dieser Marke wird bereits auf eine anstehende Rezession geschlossen. Am heutigen Freitag werden um 14.30 Uhr MESZ in den USA Arbeitsmarktdaten veröffentlicht: Fallen auch diese ähnlich schlecht aus wie die bislang in dieser Woche veröffentlichten Konjunkturdaten, dürfte es auch mit der Erholung im Dow Jones vorerst vorbei sein. Die wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung waren bereits höher als von Volkswirten erwartet.

Konzernmanager in Handschellen

Zur Vertrauensbildung trugen auch nicht die Bilder bei, die US-Anleger gestern im Fernsehen anschauen durften: Der ehemalige Finanzchef und der Leiter der Buchhaltung des Skandalunternehmens WorldCom, Scott Sullivan und David Myers, wurden gestern festgenommen und nur gegen hohe Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Ihnen werden Verstöße gegen die Wertpapiergesetze und Falschangaben bei der Wertpapier- und Börsenkommission SEC vorgeworfen. WorldCom befindet sich wegen Buchfälschungen in einem Konkursverfahren.

Umsatz- und Gewinnrückgang bei Disney

Nach Handelsschluss der Wall Street wurden die Geschäftszahlen des US-Unterhaltungskonzern Walt Disney   für das dritte Quartal veröffentlicht. Disney hat im dritten Quartal nur noch 364 Millionen oder 18 Cent je Aktie gegenüber 392 Millionen Dollar oder 19 Cent je Aktie im entsprechenden Vorjahreszeitraum. verdient. Die Ertragsentwicklung im Film- und Fernsehgeschäft war ebenfalls rückläufig. Der Umsatz schrumpfte gegenüber der Vorjahresvergleichszeit um drei Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar, teilte Disney am Donnerstag nach Börsenschluss mit.

Auch der weltgrößte Mineralölkonzern Exxon   hat im zweiten Quartal wegen der niedrigeren Öl- und Erdgaspreise schlechter verdient. Dies setzte den Wert sowie die meisten anderen Ölaktien stark unter Druck. Auch Finanzwerte wie Citigroup   und American Express   gaben auf Grund von Abstufungen nach. General Motors   verloren trotz guter US-Absatzzahlen im Juli an Boden.

Gewinnwarnung schickt Adobe in den Keller

An der Nasdaq bauten die Titel des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner   ihre Verluste aus. Nach der US-Börsenaufsicht ermittelt nun auch das US-Justizministerium wegen möglichen Bilanzbetrugs bei der Online-Tochter von AOL.

Der Produzent von Grafik-Software Adobe hatte am Mittwoch nach Börsenschluss seinen Ausblick für das dritte Quartal gesenkt, weil der Umsatz im Monat Juli stark rückläufig gewesen sei. Die Aktie brach daraufhin um knapp 30 Prozent auf 16,83 US-Dollar ein und notierte damit so tief wie seit Mai 1999 nicht mehr. Papiere des Software-Herstellers Microsoft   büßten knapp fünf Prozent ein.

Cisco und Intel unter Druck

Auch die Titel des Netzwerkausrüsters Cisco   gaben bei kräftigen Umsätzen 8,57 Prozent auf 12,06 Dollar nach. Händler sagten, es gebe Gerüchte, dass Ciscos Zahlen in der kommenden Woche enttäuschen würden. Die Papiere des weltgrößten Herstellers von Mikroprozessoren, Intel  , gaben um rund sechs Prozent nach.

Belastungsprobe für den Dax

Belastungsprobe für den Dax

Der Deutsche Aktienindex hatte bereits gestern unter dem Eindruck der schwachen US-Konjunkturzahlen und auf Grund der Gewinnwarnung der Allianz deutlich nachgegeben. Auch die Aktie der Deutschen Bank  , die nach guten Quartalszahlen zunächst deutlich gestiegen war, gab einen großen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Deutschlands größtes Bankhaus schrieb im zweiten Quartal operativ schwarze Zahlen und profitierte beim Vorsteuerergebnis vor allem vom Verkauf ihrer Beteiligungen an der Münchener Rück und an der Allianz.

Allianz zurückgestuft

Die Anteilsscheine der Allianz   gaben dagegen weitere vier Prozent nach und sind für weniger als 140 Euro zu haben. Am Mittwoch Abend hatte die Allianz ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr gesenkt, woraufhin der Aktienkurs bereits kräftig eingebrochen war. Am Donnerstag stuften diverse Investmenthäuser wie Goldman Sachs und Merrill Lynch die Allianz-Aktie zurück.

Aktien von MLP brechen ein

Massive Kursverluste musste die Aktie von MLP   hinnehmen. Händler sagten, die Anleger seien von neuen Vorwürfen des Anlegermagazins Börse Online zur MLP-Bilanz verunsichert. Papiere von MLP stürzten um mehr als 17 Prozent auf 15,59 Euro, den tiefsten Stand seit Ende 1998.

Schwache Vorgaben für Hightechwerte

Nach den starken Verlusten der US-Schwergewichte im Hightechsektor dürften auch die deutschen Technologiewerte heute zunächst weiter nachgeben. Infineon  , Deutsche Telekom   und Siemens   hatten bereits gestern deutlich verloren, das Minus bei Epcos   und SAP   hielt sich gestern noch in Grenzen. Allerdings dürfte die Umsatzwarnung von National Semiconductor die gesamte Siemens-Familie belasten.

BMW in USA gefragt

Zumindest die Aktien von BMW   könnten von den jüngsten Absatzzahlen in den USA profitieren. Insgesamt wurden in den USA im Juli 1,52 Millionen Fahrzeuge verkauft. Das ist das beste Monatsergebnis seit dem Allzeithoch im Oktober 2001. Deutliche Zuwächse verzeichnete dabei BMW. Bei den DaimlerChrysler  -Marken Mercedes sowie Chrysler war der Umsatz im Juli dagegen rückläufig.

Bayer enttäuscht die Märkte

Der Pharmakonzern Bayer   hat am Donnerstag einen deutlichen Gewinn- und Umsatzrückgang gemeldet. Der Gewinn ist im zweiten Quartal auf 293 Millionen Euro gesunken. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn noch 546 Millionen Euro betragen. Die Aktie legte am Donnerstag eine Berg- und Talfahrt hin und schloss mit Verlusten von 5,75 Prozent auf 23,75 Euro.

Euro fester, Nikkei schwach

An der Aktienbörse in Tokio setzte der Nikkei mit einem Verlust von 0,9 Prozent seine Talfahrt fort und schloss nur noch knapp über 9700 Punkten. Der Euro notierte am Freitag fester bei 0,9859 US-Cent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor bei 0,9760 (Mittwoch: 0,9783) US-Dollar festgesetzt.