Börsenausblick Herbe Verluste in Tokio
Hamburg - Die Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der amerikanischen Konjunktur sind geschwunden. Dies verdeutlicht das von der US-Notenbank nach Börsenschluss in Deutschland vorgelegte "Beige Book". Demnach breitete sich die Konjunkturschwäche im industriellen Sektor im Juni und Juli auf andere Wirtschaftsbereiche aus. Selbst die Einzelhandelsumsätze blieben hinter den Erwartungen zurück: Der privaten Konsumausgaben hatten bis dahin gegen den Trend zugelegt.
Die Wall Street zeigte sich von den Daten enttäuscht. Der Dow Jones schloss 1,6 Prozent schwächer auf 10.293 Punkte. Die Technologiebörse Nasdaq rutschte um drei Prozent in den Keller auf 1966 Zähler. Diese Abwärtsbewegung werden die deutschen Aktienmärkte am Donnerstag vermutlich zunächst erst nachzeichnen. Trotz der deutlichen Verluste am Vortag ist also mit einem schwächeren Auftakt zu rechnen.
Nach dem Rekordjahr 2000 haben sich die Aussichten für Bayer stark verdüstert. Ein unfreundliches konjunkturelles Umfeld und massive Probleme in der bislang hochgelobten Pharmasparte haben den Vorstand bereits drei Mal innerhalb von vier Monaten gezwungen, die Gewinnprognosen für 2001 zu senken. Zuletzt musste das Unternehmen am Mittwoch das umsatzstarke Medikament Baycol vom Markt nehmen, was zu dramatischen Einbußen beim Ergebnis führen wird. Heute will der Dax-Konzern seine Ergebnisse für das zweite Quartal veröffentlichen und erste Angaben zu Konsequenzen für die Konzernstrategie machen.
Die Zahlen zum zweiten Quartal werden angesichts der erneuten Gewinnwarnung nicht mehr von übergroßer Relevanz sein, glaubt Andreas Theisen, Analyst bei der WestLB Panmure. Nachdem Finanzvorstand Werner Wenning am Mittwoch angekündigt hatte, dass allein die Probleme bei den biologischen Produkten - insbesondere Kogenate - das zweite Quartal mit 210 Millionen Euro belastet hätten, dürften sämtliche Prognosen hinfällig sein. Und das, obwohl die meisten Analysten ohnehin bereits erwartet hatten, dass der Konzern sich beim Ergebnis verschlechtert hat.
Nach eigenen Angaben des Unternehmens soll das plötzliche Ende der Vermarktung des Cholesterinsenkers Baycol das Konzernergebnis im Gesamtjahr 2001 mit bis zu 650 Millionen Euro belasten.
Die Commerzbank wird Analystenschätzungen zufolge am heutigen Donnerstag voraussichtlich für das zweite Quartal 2001 einen Gewinn nach Minderheitenabrechnung in Höhe von 119 Millionen Euro bis 132 Millionen Euro melden. In den ersten drei Monaten dieses Jahres hatte der entsprechende Vergleichswert noch bei 168 Millionen Euro gelegen. Die Ergebnis-Zahlen könnten nicht mir den Daten des entsprechenden Vorjahreszeitraum verglichen werden, sagten Experten. Hintegrund sei der Börsengang der Tochter Comdirect.
Stefan Hentschel, Analyst beim Bankhaus Lampe, erwartet "relativ enttäuschende" Zahlen. Beachtung schenken sollten Anleger vor allem den Resultaten aus dem Asset Management (Vermögensverwaltung) und dem Privatkundengeschäft. Zudem sei wichtig, ob eine eindeutige weitere Strategie präsentiert werde, betonte Hentschel.
Bereits nach Börsenschluss hatte das Schwergewicht im Nemax 50, Aixtron, seine Halbjahreszahlen vorgelegt, und die sahen gut aus. So wurde der Gewinn nach Steuern um 112 Prozent auf 16,5 Millionen Euro gesteigert werden. Der Umsatz stieg um 79 Prozent auf 118,7 Millionen Euro.
MobilCom wird bei der Vorlage ihrer Zahlen für das zweite Quartal 2001 am Donnerstag im Bereich Mobilfunk sowohl beim Betriebsergebnis als auch beim Ergebnis vor Goodwill das Erreichen der Gewinnschwelle bekannt geben. Davon geht Analyst Nils Machemehl von der Vereins- und Westbank aus. Für die Bereiche Festnetz und Internet erwartet er keine großen Veränderungen.
Die asiatische Leitbörse in Tokio ist am Donnerstag eingebrochen. Der Nikkei fiel um 3,4 Prozent 11.754 Zähler und rutschte damit unter die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten. Die Zahl der Kursverlierer lag bei 1086, die der Kursgewinner bei 200. Erneut haben insbesondere Technologiewerte unter Verlusten zu leiden, nachdem die US-amerikanischen Titel stark abgegeben hatten.