Börsenausblick Heute sind stählerne Nerven gefragt
Frankfurt am Main Im Blickpunkt des Interesses sollte die Aktie des Stahlriesen ThyssenKrupp stehen. US-Präsident George W. Bush hat am Dienstag zum Schutz der US-Stahlbranche Importzölle von bis zu 30 Prozent für die meisten Stahlerzeugnisse verhängt. Damit zeichnet sich ein weltweiter Handelsstreit unter anderem zwischen den USA und der EU ab. Die EU kündigte unmittelbar Beschwerde gegen die Zölle bei der Welthandelsorganisation (WTO) an. Russland bestellte sogar den amerikansichen Botschafter in den Kreml ein. Auch Brasilien und Japan protestierten.
Bush kündigte in Washington an, die Importabgaben auf zehn verschiedene Stahlproduktgruppen reichten je nach Erzeugnis von acht bis 30 Prozent und würden vom 20. März an für drei Jahre wirksam. "Dieser Erlass wird den Stahlarbeitern, von der Stahlindustrie abhängigen Kommunen und der US-Stahlbranche helfen, ohne unserer Wirtschaft zu schaden", sagte Bush.
Impulse für den weiteren Handelsverlauf sollten wieder aus den USA kommen. Kurz nach der Wall-Street-Eröffnung werden die Januar-Zahlen für die US-Industrieaufträge erwartet, gegen 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit veröffentlicht die US-Notenbank Fed das Beige Book. Von dem Wirtschaftsbericht erwarten sich Händler neue Kenntnisse über die Wirtschaftserholung.
Der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN muss seinen Anteilseignern heute in dem jährlichen Aktionärsbrief einen drastischen Gewinnrückgang für das Jahr 2001 bekannt geben. Nach Einbrüchen in den ersten neun Monaten hatte MAN seine Gewinnprognose im November bereits auf 200 Millionen Euro vor Steuern halbiert. Diese Schätzung hat das Unternehmen Mitte Januar nochmals bekräftigt. Den Umsatz hatte MAN wegen eines guten Starts in das Jahr 2001 noch um elf Prozent auf gut 16 Milliarden Euro gesteigert und seine Ziele damit leicht übertroffen. MAN macht vor allem der rückläufige Lastwagenmarkt in Europa zu schaffen. Das Unternehmen hatte wegen der Flaute den Abbau von 6000 der 79.000 Arbeitsplätze angekündigt.
Wall Street: Euphorie verflogen
Die Euphorie der vergangenen Tage ist an der Wall Street am Dienstag weitgehend verflogen. Zwar hat es erneut positive US-Wirtschaftsdaten gegeben, doch reichte dies nicht aus, um die Käufer von Standardwerten bei der Stange zu halten.
Der Dow Jones sackte um 153,41 Zähler oder 1,5 Prozent auf 10.433 Punkte ab. Damit gab das wichtigste US-Börsenbarometer seine Kursgewinne der letzten Tage von mehr als vier Prozent teilweise wieder ab. Die Nasdaq stieg auf 1866 Punkte, ein Plus von 0,4 Prozent.
Das amerikanische Dienstleistungsgewerbe befindet sich in besserer Verfassung als erwartet. Allerdings bezweifeln viele Analysten, dass ein Konjunkturaufschwung die Unternehmensgewinne rasch in die Höhe treiben wird.
Tokioter Börse schließt uneinheitlich
Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch uneinheitlich geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte legte geringfügig um 10,08 Punkte auf 11.358 Punkte zu. Der breit angelegte Topix gab dagegen um 1,95 Punkte oder 0,2 Prozent nach und ging beim Stand von 1073 Punkten aus dem Handel.