Börsenausblick: Hilf- und ziellose Märkte - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Hilf- und ziellose Märkte

Ohne Vorgaben der New Yorker Börsen bleiben die Aktienmärkte heute zunächst auf sich allein gestellt. Händler rechnen bis zum Nachmittag mit einem ruhigen Geschäft. Mit Spannung werden neue US-Arbeitsmarktdaten erwartet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Anleger in Deutschland blicken heute gespannt nach New York. Die Wall Street nimmt nach dem Unabhängigkeitstag wieder den Handel auf. Zwar werden viele Investoren und Händler den nationalen Feiertag zu einem verlängerten Wochenende genutzt haben, der heutige Handelstag der Wall Street ist verkürzt. Gleichwohl dürfte es spannend werden. Denn kurz vor Eröffnung der Wall Street kommen die US-Arbeitsmarktdaten für den Monat Juni heraus und sollten für Bewegung an den Börsen sorgen.

Im Vorfeld hatten sich Marktforschungsagenturen in den USA allerdings sehr pessimistisch zu den mit Spannung erwarteten Daten geäußert. Sie befürchten für den vergangenen Monat einen massiven Stellenabbau, der sich vor allem in der Telekommunikationsindustrie bemerkbar machen werde. Dies könnte Hoffnungen auf eine deutliche Erholung der US-Wirtschaft einen Dämpfer versetzen.

Unklar ist auch noch, wie sich Zwischenfall auf dem Flughafen in Los Angeles am gestirgen Independence Day auf die Börsen auswirken wird. Bei einer Schießerei am Schalter der israelischen Fluggesellschaft El Al sind drei Menschen getötet worden. Es gibt bislang keine Hinweise auf ein Attentat, das israelische Außenministerium glaubt aber an einen Terroranschlag. Das FBI hatte zum 4. Juli zwar die Staaten und ihre Sicherheitsbehörden zu erhöhter Aufmerksamkeit aufgefordert, die Öffentlichkeit jedoch nicht eigens vor der Gefahr von Anschlägen gewarnt.

Aus deutscher Sicht sind am Morgen keine herausragenden Unternehmensnachrichten zu vermelden. Nach dem Erholungskurs am Donnerstag rechnen Marktbeobachter damit, dass der Handel bis zur Eröffnung der Wall Street weiter in ruhigen Bahnen verlaufen wird. Dax und Nemax 50 hatten am Donnerstag jeweils 2,9 Prozent hinzugewonnen.

Die asiatische Leitbörse in Tokio notierte kurz vor Handelsschluss fest. Der Nikkei stand mit 1,8 Prozent auf 10.828 Zählern im Plus.

Babcock stellt Insolvenantrag

Bei dem angeschlagenen Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig   gehen so langsam die Lichter aus. Am Morgen stellte das Unternehmen Insolvenzantrag und begründete dies in einer ersten Ad-hoc-Meldung mit der langen Verhandlungsdauer. Die Verhandlungen um einen Restrukturierungsplan sollen allerdings weiter gehen. Am Vorabend hatte die nordrhein-westfälische Landesregierung offenbar zunehmend schwindende Chancen für den Konzern gesehen.

Wie die "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe) aus Verhandlungskreisen erfahren hat, sollen Gläubigerbanken und Eigentümer am Donnerstag trotz massiver Hilfsangebote von Bund und Land bis zur letzten Minute um die Zukunft des angeschlagenen Anlagenbauers gepokert haben. Indessen stellte Bundeskanzler Schröder weitere finanzielle Hilfe des Bundes in Aussicht. "Ich habe Wolfgang Clement dazu ermächtigt, wenn es nötig ist, die Bürgschaft zu Lasten des Bundes zu erhöhen", zitiert das "Handelsblatt" den Kanzler. Nach Informationen der Börsen-Zeitung soll die Sanierung des Konzerns 840 Millionen Euro statt der bislang geschätzten 700 Millionen Euro kosten. Die Aktie von Babcock war gestern bei starken Schwankungen mit einem Plus von 28 Prozent aus dem Handel gegangen, dürfte heute Morgen allerdings stark unter Druck geraten.

Eon/Ruhrgas-Fusion unter Dach und Fach

Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke will heute in Berlin die Entscheidung über die umstrittene Ministererlaubnis für die Fusion von Eon   und Ruhrgas bekannt geben. Kurz zuvor war bereits bekannt geworden, dass Tacke den Zusammenschluss mit Auflagen billigen will. Für die Genehmigung sollen Eon und Ruhrgas dem Vernehmen nach Anteile an dem ostdeutschen Energieversorger VNG aufgeben sowie Konkurrenten einen besseren Marktzugang einräumen.

Kartellamt und Monopolkommission hatten den Zusammenschluss aus Wettbewerbsgründen abgelehnt. Die deutschen Verbraucherschützer lehnen die Fusion ab und haben angekündigt, den Zusammenschluss juristisch stoppen zu wollen. Bei einer Fusion würden die dominanten Stellungen beider Unternehmen im Strom- und Gasmarkt zementiert. Dies schränke den Wettbewerb ein, was erfahrungsgemäß immer zu höheren Preisen führe.

Euro gibt nach

Der Kurs des Euro ist am Freitagmorgen etwas gefallen. Es habe an Impulsen gefehlt, da die US-Börsen am Donnerstag feiertagsbedingt geschlossen hatten, sagten Händler in Tokio. Der Euro könne in der zur Zeit anhaltenden Konsolidierungsphase noch weiter fallen. Mit Spannung werde der US-Arbeitsmarktbericht erwartet, der am Nachmittag veröffentlicht wird.

Gegen 8.00 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,9757 Dollar. Ein Dollar war damit 1,0244 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 0,9790 (Mittwoch: 0,9780) Dollar festgesetzt.