Börsenausblick Hoffnungszeichen ohne Wirkung
Frankfurt am Main - Händler rechnen nach den Verlusten in New York im späten Handel erneut mit einem schwachen Start. Die schlechten Zahlen des Bankhauses JP Morgan und der verhaltene Ausblick des Chipherstellers Intel hatten gestern die US-Börsen massiv belastet. Zusätzlich deuteten die Notenbanker in ihrem Beige-Book-Bericht an, dass die US-Volkswirtschaft wohl nicht vor dem Sommer aus der Rezession heraussteuern wird.
Der Dax (minus 1,5 Prozent) und der Nemax 50 (minus 3,9 Prozent) hatten gestern bereits stark nachgegeben, doch nach Handelsschluss in Frankfurt bauten die US-Börsen ihre Verluste noch weiter aus. Der Dow Jones schloss 2,1 Prozent schwächer, während die Nasdaq 2,8 Prozent einbrach.
Compaq besser als erwartet
Inmitten der trüben Stimmung setzen die Computerhersteller Apple und Compaq kleine Hoffnungszeichen. Apple meldete nachbörslich für das erste Quartal seines laufenden Geschäftsjahres einen Gewinn von 38 Millionen Dollar und lag im Rahmen der Erwartungen. In der Vorjahresperiode hatte Apple noch einen Verlust von 195 Millionen Dollar ausgewiesen.
Der PC-Hersteller Compaq hat die Analysten sogar positiv überrascht. Compaq meldete einen Gewinn von 5 Cents je Aktie, vier Cent mehr als erwartet. Für das erste Quartal rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz in Höhe von 7,6 Milliarden US-Dollar. CEO Michael Capellas sagte vor Analysten, im zweiten Halbjahr 2002 werde das PC-Geschäft wieder Gewinn abwerfen.
Das Internet-Portal Yahoo! hingegen meldete zum fünften Mal in Folge rote Zahlen. Im letzten Quartal des Geschäftsjahrs erzielte Yahoo! einen Verlust von 8,7 Millionen Dollar. Die Krise auf dem Werbemarkt traf das Unternehmen, das 80 Prozent seines Umsatzes durch Werbung erwirtschaftet, besonders hart.
Siemens-Hauptversammlung: Von Pierer in Erklärungsnot
Die jüngsten Zahlen könnten den Hightechsektor heute ein wenig entlassen: Vor allem Siemens und Infineon hatten in den vergangenen Tagen deutlich gelitten. Siemens-Chef Heinrich von Pierer wird heute während der Hauptversammlung in München Mühe haben, die Aktionäre zu beruhigen.
Die Bären sind zurück
Der Dax ist am Mittwoch wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 5000 Punkten gerutscht. " Die Bären sind wieder aus ihren Höhlen gekommen", sagte ein Händler. Der Halbleiter-Branchenführer Intel hatte am Dienstagabend Investitionskürzungen um 20 Prozent bekannt gegeben und gesagt, keine Anzeichen einer Konjunkturerholung zu sehen.
Die Aktien der Deutsche Bank , der Commerzbank und der HypoVereinsbank waren bereits gestern stark unter Druck geraten. Die schlechten Zahlen der amerikanischen Bank J.P. Morgan Chase, die vom Debakel des Energiehändlers Enron besonders betroffen ist, schürten die Sorge der Anleger, dass die deutschen Banken angesichts der anhaltenden Rezession ihre Risikovorsorge noch einmal deutlich anheben müssen.
MAN und Microsoft mit Zahlen
Heute legen unter anderem der im Dax notierte Maschinenbauer MAN und der US-Softwareriese Microsoft Zahlen vor. MAN schlossen gestern etwas schwächer: Aktionäre nahmen Gewinne mit, nachdem die Aktien in der vergangenen Woche wegen Spekulationen um Fusionen und Akquisitionen deutlich zugelegt hatte.
Auch bei Microsoft sind Aktionäre eher skeptisch. Der Konzern wird am heutigen Donnerstag laut den von Thomson Financial/First Call befragten Analysten für das zweite Quartal leicht gefallene Gewinne ausweisen. Die Experten rechnen mit einem Gewinn je Aktie von 45 Cent nach 47 Cent im entsprechenden Vorjahreszeitraum. In den USA präsentieren außerdem Ford, IBM und United Technologies ihre Bilanz.
Lufthansa steigt, Cargolifter stürzt ab
Zu den wenigen Gewinnern gehörten am Mittwoch einige US-Airlines sowie im Dax die Papiere der Lufthansa . Die Lufthansa-Titel profitierten von den wieder niedrigeren Ölpreisen und den im gestiegenen Passagierzahlen bei Eurowings. Darüber hinaus Lehman Brothers Anlegern zum Kauf der Lufthansa-Aktie geraten.
Im M-Dax schlossen die Titel des Luftschiffbauers Cargolifter mit einem Verlust von knapp 40 Prozent auf 3,20 Euro, nachdem sie zeitweise um mehr als 60 Prozent eingebrochen waren. Cargolifter ist nach eigenen Angaben auf staatliche Hilfe angewiesen, sollten die laufenden Gespräche über alternative Finanzierungsmöglichkeiten scheitern.
Neuer Markt sehr schwach
Am Neuen Markt geht wieder die Angst um. Mit jedem Zittern an der Nasdaq geben die Wachstumswerte nach: Besonders der Auswahlindex Nemax 50 hat mit seinen Verlusten die US-Hightechbörse deutlich übertroffen. Die Aktien von Süss MicroTec fielen um knapp 13 Prozent. Auch Thiel Logistik geriet stark unter Druck.
Nikkei erneut schwächer
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Donnerstag unter dem Druck der schwachen US-Märkte erneut nachgegeben. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte gab 0,5 Prozent nach und schloss beim Stand von 10.128 Punkten. Binnen sieben Handelstagen hat der Nikkei damit mehr als 800 Punkte verloren.
Der Euro kostete am Morgen 0,8839 Euro. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittwoch bei 0,8817 Dollar festgesetzt.