Börsenausblick ifo-Index, Aventis und Commerzbank sorgen für Bewegung
Hamburg - Der Großkampf in der Pharmabranche ist offenbar beendet. Nach einem verbesserten Angebot hat der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis den Widerstand gegen die Übernahme durch seinen kleineren Rivalen Sanofi Synthelabo aufgegeben. Aventis habe ein erhöhtes Übernahmeangebot seines Konkurrenten akzeptiert, teilte das französische Finanzministerium am Sonntag in Paris mit. Die Aktien von Aventis werden daher mit Aufschlag in den Tag starten.
Die Nachricht wird das Geschehen an den Finanzmärkten wohl bestimmen. Doch es gibt weitere wichtige Veröffentlichungen. Immerhin erwarten die Beobachter, dass der Dax in dieser Woche sein Jahreshoch von 4175 überschreitet, vorausgesetzt die Zahlen aus den Unternehmen enttäuschen nicht. Auch charttechnisch sieht es gut aus: Der MDax steuert sogar auf sein Vierjahreshoch von 5080 Punkten zu.
Doch zunächst zeichnet sich ein Dämpfer ab. In Deutschland hinkt das Wachstum immer noch hinter der globalen Erholung hinterher. Am Montag könnte der ifo-Geschäftsklimaindex für den Monat April zunächst für einen verhaltenen Start in die Börsenwoche sorgen: Der viel beachtete Index wird nach Meinung von Volkswirten im April zum dritten Mal in Folge fallen. Der Rückgang dürfte aber moderat ausfallen und eine Stabilisierung andeuten. Die Experten erwarten eine erneute Eintrübung der Geschäftserwartungen, die Beurteilung der aktuellen Lage dürfte sich jedoch verbessern.
Möglich, dass die USA den Tag retten werden. Dort wird heute der Verbrauchervertrauensindex des "Conference Board" vorgelegt. Ein steigendes US Verbrauchervertrauen könnte einen schwachen ifo-Index aus Deutschland schnell in den Hintergrund drängen.
Positives von Puma und der Commerzbank
Impulse könnte einmal mehr Puma liefern. Nach Einschätzung von Analysten hat das Unternehmen die positive Geschäftsentwicklung im ersten Quartal fortgesetzt und das Ergebnis prozentual stärker gesteigert als den Umsatz.
Der Hersteller von modischen Sport- und Lifestyle-Produkten wird an diesem Montag die Zahlen für den Zeitraum von Januar bis März vorlegen. Für das Nachsteuerergebnis erwarten die von Dow Jones Newswires befragten Analysten im Konsens einen Anstieg auf 65,4 Millionen Euro, was einem Plus von 34 Prozent entspräche.
Die Commerzbank hat im ersten Quartal 2004 ein operatives Ergebnis von 435 Millionen Euro erzielt und damit die Erwartungen des Marktes übertroffen. Wie das Institut am Montagmorgen bekannt gab ist die Ertragsdynamik besonders deutlich beim Konzerngewinn. Der verbesserte sich von drei Millionen Euro im ersten Quartal 2003 auf jetzt 254 Millionen Euro verbesserte. Es ist das höchste Dreimonatsergebnis seit Herbst 2000.
Schwacher Start für Schering
Anders Schering : Der Pharmakonzern ist nach Meinung der Marktbeobachter eher schwach ins Jahr 2004 gestartet, auch wenn das Unternehmen bei der Hauptversammlung vor einer Woche den Ausblick für das Gesamtjahr bekräftigt hat.
Hintergrund für den Pessimismus der Experten sind neben fehlenden Hedging-Gewinnen auch negative Währungseinflüsse im ersten Quartal, über das Schering heute berichten wird. Trotzdem werden die Prognosen des Vorstandsvorsitzenden Hubertus Erlen für 2004 eher für zu konservativ gehalten.
EU versus Deutsche Post
Schlechte Nachrichten auch für die Deutsche Post . Der Logistikkonzern muss einem Pressebericht zufolge früher als erwartet um ihr Briefmonopol bangen. Die EU-Kommission geht nach Informationen der "Financial Times Deutschland" gegen Teile des Briefmonopols vor, die nach Angaben aus Kommissionskreisen gegen EU-Wettbewerbsregeln verstoßen. Dabei geht es um so genannte postvorbereitende Tätigkeiten.
Die Deutsche Post hat nach der bisherigen Rechtslage das gewerbliche Sammeln, Sortieren und Frankieren von Briefen unter 100 Gramm für sich allein. In den Augen der EU-Kommission verstößt dies jedoch gegen die EU-Wettbewerbsvorschriften. Nach den Informationen hat die Kommission deshalb jüngst ein Mahnschreiben an die Bundesregierung geschickt - mit der Aufforderung, das Postgesetz entsprechend zu ändern.
Euro im Fünf-Monats-Tief
Gut für die hiesige Exportwirtschaft: Der Euro hat am Montag im fernöstlichen Devisenhandel mit 1,1765 Dollar ein Fünf-Monats-Tief zum Dollar markiert. Händler sagten, die Gemeinschaftswährung sei angesichts anhaltender Spekulationen über eine bevorstehende Erhöhung des US-Leitzinses unter Druck geraten.
Geschwächt worden sei der Euro zudem durch Vermutungen von Investoren, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nach dem Treffen der führenden sieben Industriestaaten (G7) am Samstag unter Druck stehe, den Leitzins in der Euro-Zone zu senken.
Auch die Marktvorgaben aus Fernost sind positiv. Die Börse in Tokio hat am Montagvormittag fester tendiert. Der Nikkei-Index für 225 Standardwerte stieg bis zur Handelsmitte um 51,57 Punkte oder 0,43 Prozent auf den Zwischenstand von 12 172,23 Punkten. Der breit gefasste Topix verbesserte sich bis dahin um 3,79 Punkte oder 0,31 Prozent auf 1213,41 Punkte. Da sowohl Dow Jones als auch Nasdaq Composite am Freitag im späten Handel zugelegt haben, wird für den Montag mit einem freundlichen Start im Dax gerechnet.