Börsenausblick: Im Stimmungstief - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Im Stimmungstief

Die jüngsten US-Bilanzskandale hinterlasen ihre Spuren. Marktbeobachter zweifeln, dass sich die Aktienmärkte diese Woche aus ihrem Stimmungstief befreien können. Gute Unternehmensnachrichten sind Mangelware. Um so mehr richtet sich das Augenmerk auf neue Konjunkturdaten und den Euro.
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Hamburg - Die Kursverluste der wichtigsten amerikanischen Aktienindizes sprechen Bände. Der Dow Jones gab in den vergangenen drei Monaten rund elf Prozent ab. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, rutschte gar um 20 Prozent ab. Und der S&P 500 verlor knapp 14 Prozent. Bilanzskandale á la Enron, Tyco, WorldCom und zuletzt auch noch Xerox hinterlassen ihre Spuren.

Corporate America, also das Vertrauen in eine korrekte und transparente Unternehmensführung, ist stark ramponiert. Dazu addieren sich wachsende Zweifel an einer konjunkturellen Erholung der US-Wirtschaft. Das US-Verbrauchervertrauen als ein möglicher Indikator ist im Juni so stark gefallen wie seit Terroranschlägen des 11. September nicht mehr.

Zumindest aus charttechnischer Sicht sehen Analysten die US-Aktienindizes vor einer Korrektur - wenn, ja wenn den keine neuen Bilanzskandale die Märkte erschüttern sollten.

Hatte sich der Dow Jones trotz der Hiobsbotschaften von Xerox am Freitag zunächst noch wacker geschlagen, rutschte das Börsenbarometer dann im späten Handel doch mit 0,3 Prozent in die Verlustzone. Auch der Nasdaq Composite gab einen Großteil seiner Gewinne wieder ab und schloss mit einem kleinen Plus von 0,3 Prozent. Diese Abwärtstendenz werden die deutschen Aktienmärkte am heutigen Montag wohl zunächst nachvollziehen.

Die asiatische Leitbörse in Tokio präsentierte sich am Montag schwächer. Der Nikkei schloss 0,3 Prozent leichter auf 10.595 Punkte.

Neue Konjunkturdaten könnten Stimmung aufhellen

Von Unternehmensseite stehen diese Woche keine herausragenden Nachrichten an. Die Wall Street bleibt am Donnerstag wegen des Nationalfeiertages geschlossen und am Freitag wird nur verkürzt gehandelt. Dennoch könnten zumindest neue Konjunkturdaten wieder ein wenig Ordnung in die von Misstrauen und Skandalen geschröpften Aktienmärkte bringen.

So berichten schon heute die Einkaufsmanager in den USA aber auch in Deutschland und Europa über die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe. Zwei Tage später folgt dann der Dienstleistungssektor. Am Dienstag erwarten die Börsianer die Absatzzahlen der Autokonzerne für den Monat Juni. Am Freitag stehen die Arbeitsmarktdaten ebenfalls für den Monat Juni an.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird in dieser Woche nach Einschätzung von Marktexperten die Leitzinsen nicht senken, denn der im Vergleich zum Dollar starke Euro hält die importierte Inflation gering. Die Gemeinschaftswährung lag am Montagmorgen in Lauerstellung zur Dollarparität und notierte bei 0,9940 Dollar.

Nach dem Skandal um den einstigen Wall-Street-Liebling und Telekom-Höhenflieger WorldCom   kommt die Tagung zu Corporate Governance gerade recht. Auf der "Ersten Deutschen Corporate Governance Kodex-Konferenz" in Berlin soll vom 2. bis zum 3. Juli intensiv über Fragen zur Unternehmenssteuerung und -kontrolle diskutiert werden. Redner werden unter anderem der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und Theodor Baums, Aktienrechtsexperte von der Universität Frankfurt sein.

Mit Bilanzfälschungen hatte es WorldCom geschafft, für das Jahr 2001 und die ersten drei Monate dieses Jahres Gewinne auszuweisen, während in Wirklichkeit bei ordnungsgemäßer Verbuchung von laufenden betrieblichen Kosten Verluste angefallen wären.

Wenig Erfreuliches dürfte es nach Ansicht von Marktbeobachtern von der Spar Handels-AG geben. Das Einzelhandelsunternehmen wird am Donnerstag Bilanz ziehen. Das erste Halbjahr 2001 wurde mit einem operativen Verlust nach Fremdanteilen in Höhe von 78,3 Millionen Euro abgeschlossen. Schwarze Zahlen wolle das Unternehmen 2003 wieder schreiben.

Hauptversammlungen stehen dagegen am gleichen Tag bei den Neuer-Markt-Unternehmen CE Consumer   Electronic und Kontron   Embedded Computers an.