Börsenausblick Infineon auf der Kippe
Frankfurt am Main - Wie bereits am Vortag könnte sich zum Handelsauftakt am Freitag erneut eine starke Wall Street als Zugpferd für die Kurse in Frankfurt erweisen. Neben guten Konjunkturnachrichten trugen starke Technologiewerte und Autotitel zu der sehr festen Tendenz an den New Yorker Aktienmärkten bei.
Der Dow Jones kletterte um 2,6 Prozent auf 8845 Zähler. Der Nasdaq Composite rückte um sogar um 3,4 Prozent auf 1467 Zähler vor. Beide Indizes konnten sich damit nach Handelsschluss in Deutschland noch steigern.
US-Marktteilnehmer zeigen sich optimistisch
Händler zeigten sich besonders erfreut über die über den Schätzungen ausgefallenen Arbeitsmarktdaten, US-Frühindikatoren und den "starken" Philly-Fed-Index. Doch nicht nur die Konjunkturdaten nährten am Berichtstag die Minihausse. Unter den Branchen zeigten vor allem die Technolgiewerte mit Aufschlägen, die sich durch Hewlett Packard beflügelt zeigten.
"Mehr Leute haben Arbeit, die Konjunktur läuft besser. Das gibt den Kursen Auftrieb", sagte William Hackett, Händler bei Leerink Swann. "Einige große Unternehmen zeigen erste Lebenszeichen, und HP ist ein perfektes Beispiel dafür", fügte Stanley Nabi, Geschäftsführer bei Credit Suisse Asset Management, mit Blick auf die am Vorabend vorgelegten Quartalszahlen von Hewlett Packard hinzu.
Hält die Technologierallye an?
Die Aktien von Hewlett Packard zogen nach Vorlage unerwartet guter Geschäftszahlen um 12,7 Prozent auf rund 19 Dollar an. Im Sog von Hewlett-Packard entwickelten sich erneut die Halbleitertitel besonders gut. Der Philadelphia Stock Exchange Semiconductor Index (Sox) endete mit einem Plus von 8,1 Prozent auf 365 Stellen. Der Index hat sich nun seit seinem Vierjahrestief vom 8. Oktober bei 209 Zählern mit einem Aufschlag von rund 75 Prozent gelöst. Intel zogen um 5,4 Prozent an. An der Nasdaq erhöhten sich AMD um knapp neun Prozent.
Michael Sheldon, Analyst von Spencer Clarke, merkte allerdings warnend an, dass die im Sox gelisteten Unternehmen nun zum 188-fachen auf Basis der erwarteten Gewinne je Anteilsschein gehandelt werden. Für 2003 betrage dieses Verhältnis 45. Mit Rückschlägen sei daher wohl in naher Zukunft zu rechnen, erklärte er.
Autowerte profitierten von einer positiven Einschätzung der Analysten der Deutschen Bank. Sie gehen in ihrer neusten Studie davon aus, dass die Novemberabsätze von Ford besser als bislang erwartet ausfallen dürften. Ford erhöhten sich um 15,6 Prozent auf 10,32 Dollar. Im Sog des Automobilkonzerns kletterten General Motors um mehr als neun Prozent auf 38,50 Dollar.
Im Dow wiesen neben HP und GM vor allem General Electric (GE) Aufschläge aus. GE zogen um mehr als acht Prozent auf rund 27 Dollar an und das, obwohl die Gewinnprognosen für dieses Jahr vom Unternehmen leicht zurückgenommen wurden. Positiv wurde von den Märkten aufgenommen, dass GE an der geplanten Dividendenausschüttung festhalten wolle.
Aus deutscher Sicht standen am Morgen zunächst keine herausragenden Unternehmensnachrichten an. So werden die deutschen Aktienmärkte sich vermutlich zunächst weiter im Fahrwasser der guten US-Vorgaben bewegen.
Endet der Infineon-Höhenflug?
Infineon , die sich seit zwei Tagen im Höhenflug befinden und am Donnerstag mit einem Plus von mehr als 13 Prozent schlossen, könnten heute unter Druck geraten. Der Chipkonzern rechnet einem Pressebericht zufolge im laufenden Geschäftsjahr 2002/03 mit einem operativen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf ein internes Vorstandspapier. Infineon-Chef Schumacher kalkuliere allerdings mit einer Umsatzsteigerung von rund 35 Prozent auf etwa sieben Milliarden Euro.
Diese internen Zahlen stellen dem Bericht zufolge eine deutliche Abweichung von den Schätzungen der Analysten dar, die im Durchschnitt nur mit einer Umsatzsteigerung auf 6,2 Milliarden Euro rechneten, dabei aber Profitabilität erwarteten. Matthew Gehl von Goldman Sachs etwa gehe von einem operativen Gewinn von 200 Millionen Euro aus, ähnlich wie Karsten Iltgen von der WestLB.
Strittiger Punkt bei MobilCom-Rettung offenbar ausgeräumt
E-Plus hat sich einem Zeitungbericht zufolge mit der France Télécom über den Kauf des UMTS-Netzes von MobilCom geeinigt. E-Plus wolle dafür einen niedrigen, zweistelligen Millionen-Betrag bezahlen. Zugleich sei E-Plus bereit, auf offene Forderungen von rund 600 Millionen Euro aus einem langfristigen Dienstleistervertrag zu verzichten, den MobilCom nicht erfüllen kann. Der Wert des UMTS-Netzes wird auf rund 400 Millionen Euro geschätzt.
Damit dürfte auch der letzte strittige Punkt bei den Rettungsbemühungen für MobilCom ausgeräumt sein, zumal der von E-Plus zu zahlende Kaufpreis an den Großaktionär France Télécom fließen soll.
Der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom , Kai-Uwe Ricke, baut den Konzernvorstand einem Bericht der gleichen Zeitung zufolge nach US-Vorbild um. Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick soll außerdem zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bestellt werden.
Tokio schließt erneut fest
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag deutlich zugelegt. Der Nikkei gewann nach der positiven Vorgabe der Wall Street vom Vortag 104 Punkte oder 1,2 Prozent hinzu und ging beim Schlussstand von 8772 Punkten ins Wochenende. Um 15 Uhr Ortszeit notierte der Euro fester mit 1,0028-31 Dollar nach 1,0003-06 Dollar am Vortag zur gleichen Zeit.