Börsenausblick: Intel sendet positive Signale - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenausblick Intel sendet positive Signale

Trotz der gestrigen Zinssenkung dürften die Märkte auch heute volatil bleiben und eher schwächer eröffnen. Gute Nachrichten gibt es abermals aus der Chip-Branche.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Nun ist Wim Duisenberg über seinen Schatten gesprungen, doch die Märkte haben es ihm nicht gedankt. Die kräftige, allerdings auch nicht unerwartete Senkung der Leitzinsen des EZB-Chefs um 50 Basispunkte verpuffte am Donnerstag. Offenbar war dies für viele Investoren auch der Zeitpunkt Kursgewinne einzustreichen.

So folgte der Dax einer schwachen Wall Street und verlor knapp drei Prozent auf 3224 Zähler. Der Dow Jones gab nach Handelsschluss in Deutschland noch weiter ab und schloss 1,3 Prozent schwächer auf 8623 Punkte. Da auch die US-Technologiebörse Nasdaq (minus 1,4 Prozent) weiter nachgab, dürften die Indizes in Frankfurt am heutigen Freitag zunächst erst weiter nach unten zeigen.

Manche Marktteilnehmer raten nun zum Verkauf von Renten und zum Einstieg in Aktien. Sehen sie das Ende des Zinssenkungszyklus erreicht und rechnen mittelfristig mit steigenden Investitionen der Unternehmen sowie konsumfreudigeren Bürgern. Mutige Marktauguren hängen sich dabei vereinzelt ganz weit aus dem Fenster und rechnen damit, dass der Dax auf Jahressicht um bis zu 20 Prozent steigen könnte.

Zweifler wollen an die positiven Effekte der Zinssenkung auf Konjunktur und Börse nicht glauben. Wenn überhaupt, dann würde sich die Zinssenkung frühestens im Sommer kommenden Jahres auf die deutsche Wirtschaft auswirken. Doch das liegt weit in der Ferne; und wer kann schon abschätzen, ob amerikanische Streittruppen nicht bereits zu Jahresende in den Irak einmarschieren – mit allen politischen Unwägbarkeiten, die so ein Krieg dann im gesamten Nahen Osten auslösen könnte, ganz zu schweigen von den dann steigenden Ölpreisen und einer sehr wahrscheinlichen Dollar-Schwäche zum Euro.

Gerade diese Risiken für den Euro-Raum habe Duisenberg mit seiner Zinssenkung sinnvoll vorbauen wollen, halten die Optimisten dagegen. Dritte wiederum sehen die Zinssenkung lediglich als psychologische Stütze und mahnen dringend zusätzlich flankierende Strukturreformen der Bundesregierung an. Und andre wiederum schätzen gar, dass die Inflationsrate im Euro-Raum weiter fallen werde und spätestens Mitte 2003 dann die Diskussion über eine weitere Lockerung der Geldpolitik wieder aufflammen werde. Bis dahin aber stünden den Märkten stürmische Zeiten bevor und Investoren sollten besser ihr Pulver trocken halten.

Bleibt der wenig erfreuliche Schluss, die Experten sind über die mittelfristige Entwicklung zutiefst gespalten. Überschaubarer mag da der heutige Tag sein.

Die schwachen Vorgaben der Wall Street könnten sich in ihrer Wirkung auf die Kurse in Frankfurt womöglich ein wenig abmildern. So gab es nach Börsenschluss erfreuliche Nachrichten vom weltgrößten Chiphersteller Intel  . Das Unternehmen hat in einem Mid-Quarter-Update seine Umsatzprognose für das laufende Quartal nach oben geschraubt. Die Aktie befreite sich nachbörslich aus der Verlustzone und drehte deutlich ins Plus.

Nach Angaben von Intel soll sich der Umsatz in einer Spanne von 6,8 Milliarden und 7,0 Milliarden Euro bewegen. Bislang hatte das Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 6,5 Milliarden und 6,9 Milliarden Dollar geplant. Überraschend war für Marktbeobachter vor allem die Aussage, dass Intel im Gesamtjahr mit einer Bruttoumsatzrendite von 49 Prozent rechne.

Ansonsten dürfte der Handelstag einmal mehr im Zeichen von Konjunkturdaten stehen. Aus Amerika erwarten die Märkte Arbeitsmarktdaten für den Monat November und neue Zahlen zu den Stundenlöhnen sowie zur Verschuldung der Haushalte. Auch Zahlen über den inländischen Absatz von Fahrzeugen in den USA dürften Aufschlüsse über die Konjunktur in den USA geben.

Schwache Konjunkturdaten gab es dagegen aus Japan. Hier haben sich die Konjunkturaussichten im Oktober wieder eingetrübt. Der japanische Index der Frühindikatoren ist zum ersten Mal seit zehn Monaten unter die Marke von 50 Punkten gefallen und deutet somit wieder auf eine Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität hin. Der Index sei von revidierten 66,7 Punkten auf 44,4 Punkten gefallen, teilte das japanische Kabinettsbüro am Freitag in Tokio mit. Volkswirte hatten mit einem Rückgang in dieser Größenordnung gerechnet.

Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag indes zum dritten Mal in Folge schwach geschlossen. Der Nikkei büßte nach der negativen Vorgabe der Wall Street vom Vortag 0,6 Prozent ein und ging beim Stand von 8863 Punkten ins Wochenende.

Um 15 Uhr Ortszeit notierte der US-Dollar knapp behauptet mit 125,14-17 Yen nach 125,16-19 Yen am Vortag zur gleichen Zeit. Der Euro notierte fester mit 1,0025-28 Dollar nach 0,9990-93 Dollar am Vortag zur gleichen Zeit.