Börsenausblick: Jobwunder, zweiter Anlauf - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Jobwunder, zweiter Anlauf

Gute US-Konjunkturdaten stärken die Hoffnung, dass im März mehr als 100.000 neue Jobs in den USA entstanden sind. Die US-Börsen legen zu, der Dax visiert 4000 Punkte an, und der Nikkei klettert auf Zweijahreshoch. Im Februar aber wurden ähnliche Hoffnungen auf ein Jobwunder enttäuscht.
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Hamburg / New York - EZB, na und. Die Enttäuschung über das Ausbleiben einer Leitzinssenkung in Euroland währte nur so lange, bis neue Konjunkturdaten aus den USA gemeldet wurden. Der viel beachtetete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager (ISM) löste besonders bei Technologiewerten deutlich steigende Kurse aus: Der Index ist im März entgegen der Erwartungen von 61,4 auf 62,5 Punkte gestiegen.

Besonders wichtig: Der Beschäftigungsindex legte auf 57,0 Punkte zu und zeigt damit einen beschleunigten Stellenzuwachs an. Damit wächst die Hoffnung, dass die Arbeitsmarktzahlen für den Monat März in den USA heute positiv überraschen. Optimisten hoffen darauf, dass nach den enttäuschenden Zahlen vom Vormonat mehr als 100.000 Jobs geschaffen worden sind.

Die US-Aktienmärkte reagierten mit Kursgewinnen. Der Dow Jones   schloss 0,2 Prozent fester bei 10373 Zählern, während der Nasdaq Composite   mit einem Plus von 1,0 Prozent nur knapp unter Tageshoch schloss und die psychologisch wichtige 2000-Punkte-Marke wieder überwand.

Das sind gute Vorgaben für den Dax  , der bereits gestern Nachmittag deutlich zulegte und auf Tageshoch bei 3924 Punkten schloss. Da die Nasdaq Composite   im späten Handel ihre Gewinne verteidigt hat und auch in Asien die Kurse weiter klettern, rechnen Händler in Frankfurt mit einem behaupteten Start.

Dax behauptet - HVB nach Kapitalerhöhung gefragt

Die Zinsentscheidung der EZB ist an den Märkten abgehakt. Am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen unverändert bei 2,0 Prozent belassen. Da nach wie vor mit einem moderaten Wachstum gerechnet werde, sei das Zinsniveau angemessen, hatte EZB-Chef Jean Claude Trichet gesagt.

Die HypoVereinsbank  , die bereits gestern zu den größten Gewinnern im Dax zählte, könnte heute zum Wochenschluss weiter zulegen. Die Kapitalerhöhung der HVB steht offenbar vor einem erfolgreichen Abschluss: Sämtliche 214,4 Millionen neue Aktien seien platziert, es gebe keinen Überhang, berichtet das "Handelsblatt" (Freitagausgabe). Bei einem Preis von 14 Euro je neuer Aktie beläuft sich das Volumen der Aufstockung auf insgesamt rund 3 Milliarden Euro.

Neben der HVB bleiben auch die Finanztitel Commerzbank  , Allianz   und Deutsche Bank   gefragt. Im MDax   gehörten neben dem Dauerbrenner Puma   auch die Aktien von HypoRealEstate zu den größten Gewinnern.

Alles hängt am US-Arbeitsmarkt

Alles hängt am US-Arbeitsmarkt

Ob der Dax zum Wochenschluss tatsächlich wieder in die Nähe der 4000 Punkte rückt, darüber entscheiden allein die US-Arbeitsmarktdaten heute Nachmittag. Nach dem überraschend positiven ISM-Index vom Vortag rechnet auch die Deutsche Bank   damit, dass im März rund 100.000 neue Jobs in den USA geschaffen worden sind. Allerdings sei noch nicht sicher, ob der Anstieg der ISM-Beschäftigungskomponente sich dies tatsächlich in einem Stellenzuwachs niederschlagen werde.

Investoren haben noch ein warnendes Beispiel aus dem Vormonat im Gedächtnis. Auch für Februar hatten Konjunkturdaten auf einen kräftigen Stellenaufbau in den USA hingedeutet. Die Hoffnungen wurden aber enttäuscht: Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg lediglich um 21.000, während in der Industrie erneut Arbeitsplätze verloren gingen. Die Indizes reagierten seinerzeit mit deutlichen Kursabschlägen.

Drei Neue im Dow: Pfizer, Verizon und AIG

Für Bewegung an der Wall Street sorgt außerdem die Umstellung des wichtigen Industrieindex Dow Jones: Der Pharmakonzern Pfizer  , der Telekomriesen Verizon   und die Versicherungsgruppe American International Group   werden ab 8. April in das 30 Werte umfassende Börsenbarometer aufnehmen.

Dafür fallen der Fotokonzern Eastman Kodak  , der weltgrößte Papierhersteller International Paper   und die Telefongesellschaft AT&T   aus dem Index heraus. Die Aktien der drei Aufsteiger wiesen kräftige Kursgewinne auf, während die drei Absteiger zurückgestuft wurden.

Nikkei trotz starkem Yen auf Zweijahreshoch

Nikkei trotz starkem Yen auf Zweijahreshoch

In Japan setzte der Nikkei seine Klettertour fort und schloss 1,1 Prozent fester bei 11.815 Punkten, das ist der höchste Stand seit zwei Jahren. Zu den größten Gewinnern zählten neben Autowerten Exporttitel wie Sony  , obwohl der Yen weiter knapp unter seinem jüngsten Vierjahreshoch tendierte.

Gestützt wurde der Nikkei insbesondere durch den Autohersteller Nissan  , dessen Aktien mit 2,1 Prozent im Plus lagen. Nissan hatte vom Preiswettbewerb der US-Konkurrenten unberührt seine Absatzzahlen in den USA im März um 30,3 Prozent gesteigert. Auch Mazda und Toyota   konnten ihre Absätze steigern.

Der am Vortag von der Notenbank in Japan veröffentlichte Tankan-Bericht über die Stimmung der Wirtschaft ist nach Einschätzung des japanischen Finanzministers Heizo Takenaka ein Zeichen für die Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung. Der Diffusionsindex für das verarbeitende Gewerbe war laut dem Quartalsbericht im März auf Plus Zwölf von revidiert Plus Sieben im Dezember gestiegen. Damit steigt die Hoffnung, dass Japan seine jahrelange Wirtschaftsschwäche überwindet.

Der Dollar notierte im fernöstlichen Handel mit 104,00 Yen weiter in der Nähe des in dieser Woche erreichten Vierjahrestiefs von 103,40 Yen. Händler zeigten sich angesichts der Yen-Stärke jedoch nicht besorgt. Japanische Exportwerte würden erst in Mitleidenschaft gezogen, wenn der Dollar unter 100 Yen falle, sagte ein Händler. Der Euro notierte am Freitag Morgen bei 1,2344 Dollar, deutlich fester als am Vortag.