Börsenausblick Katerstimmung nach der Rallye
Hamburg In einen wahren Rausch steigerten sich die Märkte während US-Außenminister Colin Powell vor dem Uno-Sicherheitsrat den Irak anklagte. Dow und Dax verbuchten satte Kursgewinne. Nur: Warum die Kurven anzogen, konnte eigentlich keiner genau sagen.
Gerüchte über eine Flucht Saddams gaben den Startschuss. Zocker deckten ihre offenen Postionen ein. Die Nervosität bleibt hoch, der Markt fest im Griff der Daytrader.
Und so blieb die vermeintliche Powell-Rallye ein kurzes Vergnügen. Die US-Börsen gaben im späten Handel wieder nach. Der Dow-Jones schloss mit einem Minus von 0,4 Prozent, ebenso die Tech-Börse Nasdaq. Die negativen Vorgaben von der Wall Street dürften sich heute auch auf den Dax auswirken.
Schwache Konjunktur - Streit im Bündnis für Arbeit
Wenige Impulse für die Märkte wird die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) bringen. Nach Einschätzung von Volkswirten bleibt es bei der abwartenden Haltung. Der Leitzins wird wohl nicht angetastet.
Die schwache Konjunktur und der feste Euro werden jedoch nach Einschätzung von vielen Beobachtern die EZB im März oder April zu einer weiteren Zinssenkung veranlassen. Zuletzt hatte die EZB am 6. Dezember 2002 ihren Hauptrefinanzierungssatz um 0,5 Prozentpunkte auf 2,75 Prozent gesenkt. Am Donnerstag wird ebenfalls die Bank of England ihre Zinsentscheidung treffen. Auch hier wird von den meisten Experten keine Zinsveränderung erwartet.
Derweil kommt auch auf die angeschlagene Binnenkonjunktur ein neuer Dämpfer zu. Offenbar wird die Neuauflage des Bündnisses für Arbeit kassiert, bevor sich die Beteiligten überhaupt an einen Tisch gesetzt haben. Gewerkschaften wollen Themen ausklammern, Arbeitgeber wollen nichts von Tabus wissen. Schon droht BDI-Präsident Rogowski gegenüber dem "Handelsblatt" mit dem Ausstieg.
SAP SI im Fokus
Im Technologie-Bereich steht SAP SI im Fokus. Der IT-Dienstleister legt heute das vorläufige Ergebnis für 2002 vor. Die Börsianer erwarten jedoch keine Wunder. Analysten zufolge dürften die Zahlen unter den unternehmenseigenen Schätzungen liegen.
Schlechte Nachrichten kommen von Nokia . Das mit viel Tamtam angekündigte Spielkonsolen-Handy-Hybrid N-Gage erweist sich als schwere Geburt und kommt nun erst im Herbst auf den Markt.
Immerhin: Siemens steht nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" mit der Festnetzsparte in den USA kurz vor der Gewinnschwelle. Ob der Börsentag damit gerettet wird, darf bezweifelt werden.
Die Börse in Tokio zeigte bereits auf, wohin der Weg heute für den Dax gehen könnte. Der Nikkei-Index beendete die Sitzung mit einem Minus von 0,76 Prozent. Der Euro notierte am Morgen bei 1,078 Dollar.
von Jörn Sucher, manager-magazin.de