Börsenausblick: Kauflaune schon verpufft - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenausblick Kauflaune schon verpufft

Der Preisanstieg bei Speicherchips und gestiegene Absatzzahlen lassen Halbleiterwerte klettern. Infineon baut seine Gewinne aus. Der US-Einkaufsmanagerindex überrascht die Börsianer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der Dax (plus 0,2 Prozent) und der Auswahlindex Nemax 50 (plus 1,4 Prozent) hatten gestern das Neue Jahr mit Kursgewinnen begonnen. Infineon   wird es heute jedoch schwer haben, seine deutlichen Kursgewinne von mehr als sieben Prozent zu verteidigen.

Nach den positiven Meldungen aus der Branche drohen heute Gewinnmitnahmen: Der weltweit drittgrößte Speicherchip-Hersteller Hynix Semiconductor hatte am Mittwoch angekündigt, die Preise um durchschnittlich 30 Prozent anzuheben. Zudem ist nach Angaben des Verbands der Halbleiterindustrie (SIA) der Umsatz der Halbleiterbranche im November zum zweiten Mal in Folge gestiegen.

"Ruhige Hand" der EZB

Den positiven Konjunkturmeldungen aus den USA könnte schon bald ein Dämpfer aus Euroland folgen. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist nach Medienberichten auch im vergangenen Dezember gestiegen. Experten rechnen mit einem Anstieg auf 3,95 Millionen Arbeitlose - 160 000 mehr als im November. Die offizielle Zahl gibt die Bundesanstalt für Arbeit Mitte nächster Woche bekannt.

Stimulierende Impulse von der EZB sind vorerst nicht zu erwarten: Der Rat der Europäischen Zentralbank wird heute während seiner ersten Sitzung im Jahr 2002 nach Überzeugung der Finanzmärkte den aktuellen geldpolitischen Kurs und damit den Leitzins von 3,25 Prozent bestätigen. Das Ergebnis der EZB-Rat-Sitzung wird um 13.45 Uhr veröffentlicht.

Wall Street im späten Handel freundlich

Auch die Aktien an der US-Börse New York Stock Exchange (NYSE) sind am ersten Handelstag des neuen Jahres etwas fester aus dem Handel gegangen. Der Standardwerte-Index Dow Jones war gestern 0,5 Prozent fester aus dem Handel gegangen, während der Nasdaq Composite um 1,5 Prozent klletterte.

Positive Konjunkturzahlen hatten den Markt im späten Handel beflügelt. Der US-Geschäftsaktivitäts-Index des Institute für Supply Management (früherer NAPM-Index) ist im Dezember stärker als erwartet gestiegen. Er kletterte auf 48,2 Punkte im Dezember nach 44,5 Punkten im November. Dies war der höchste Wert seit mehr einem Jahr.

Deutliche Kursverluste gab es dagegen beim Handelsunternehmen Kmart, nachdem Prudential Securities die Anteile auf "Verkaufen" herabgestuft hatte. Kmart-Anteile verloren rund 13 Prozent auf 4,74 Dollar.

SAP leidet unter Gerüchten

Technologiewerte tendierten zum Jahresbeginn trotz der positiven Stimmung in der Chipbranche uneinheitlich. Der Softwarehersteller SAP   büßte 2,1 Prozent auf 143,18 Euro ein. "Es gibt schon wieder Spekulationen um ein schlechtes viertes Quartal bei SAP", sagte ein Händler. Der Markt glaube SAP nicht, dass die Geschäfte gut laufen, insbesondere wegen der großen Probleme bei der Mehrzahl der Konkurrenten.

Auch die Deutsche Telekom   startete gestern mit Verlusten in den Handel. Das Unternehmen will künftig auf die Veröffentlichung vorläufiger Eckdaten nach Ablauf eines Quartals verzichten. Das bestätigte ein Sprecher des Bonner Konzerns der "Börsen-Zeitung" (Donnerstagausgabe). Die Telekom wolle mit ihren Quartalszahlen erst dann an die Öffentlichkeit treten, wenn der Zwischenbericht komplett vorliege.

Energieversorger stehen zum Jahresbeginn nicht nur wegen der Spekulationen um eine Erholung des Ölpreises im Blickpunkt der Investoren. Der Versorger RWE   will seine Bemühungen um eine starke Position am russischen Strommarkt intensivieren. Wie die "FTD" berichtet, hat der Energiekonzern Pläne zum Bau einer Elektrizitätsbrücke zwischen den Stromnetzen Russlands und Finnlands bestätigt.

Neuer Markt: Auf dünnem Eis

Die Kursgewinne am Neuen Markt sind gestern bei geringen Umsätzen zustande gekommen. Das deutliche Plus bei Senator Entertainment (plus 15,1 Prozent auf 2,98 Euro) stärkte die Medienbranche und sorgte auch für deutliche Zugewinne bei Splendid Medien (plus 14,3 Prozent auf zwei Euro) und EM.TV   (plus 13,8 Prozent auf 1,65 Euro). Händler bleiben allerdings zurückhaltend: Ein Aufwärtstrend lasse sich auf Grund der geringen Handelsaktivität noch nicht ablesen.

Start des Euro-Bargelds stützt den Kurs

Die Börse in Tokio bleibt heute wegen eines Feiertages erneut geschlossen. Der Hang Seng Index in Hongkong verzeichnete bis zum Mittag leichte Gewinne.

Die Einführung des Euro-Bargelds hat gestern für einen Schub der Gemeinschaftswährung gesorgt. Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, hat allerdings von der europäischen Wirtschaft "mehr stimulierende Impulse" für die Weltwirtschaft angemahnt. Die Euro-Einführung erweise sich zwar als "Erfolgsgeschichte", sagte Köhler. Diese drohe aber ohne weitere Strukturreformen in Europa zu verpuffen. Am Donnerstag Morgen notierte der Euro bei 0,9034 Dollar. am vorausgegangenen Handelstag. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9038 (Freitag: 0,8813) US-Dollar fest. Der Rentenmarkt tendierte etwas fester. Der Rentenindex REX legte um 0,15 Prozent auf 113,28 Punkte zu und der Bund-Future um 0,6 Prozent auf 107,44 Punkte. Die Bundesbank stellte die Umlaufrendite bei 4,69 (Freitag: 4,73) Prozent fest.