Börsenausblick Keine Entwarnung
Frankfurt am Main - Nach den Kurseinbrüchen der vergangenen Woche wird sich die Stimmung an den deutschen Aktienmärkten auch in den kommenden Tagen vermutlich nicht aufhellen. Börsianer sprechen von einem angeschlagenen Marktumfeld, in dem lediglich technische Erholungsphasen für eine kurze Atempause sorgen dürften. Unter Druck sollten weiter die Aktien aus den Segmenten Technologie und Telekommunikation stehen.
Vergangene Woche hatte der Dax ein Acht-Monats-Tief von 4252 Punkten markiert. Am Neuen Markt rutschte der Nemax 50 auf ein Allzeittief von 628 Zählern. "In der kommenden Woche könnte es noch weiter herab gehen", sagte ein Händler am Freitag.
Auch in den USA präsentierten sich die Börsen schwach: Zwar kletterte die Nasdaq am Freitag im späten Handel noch in die Pluszone und schloss knapp über der 1500-Punkte-Linie, der Dow Jones gab jedoch um 0,3 Prozent auf 9474 Zähler nach.
Die Commerzbank sieht in dem Tiefenrausch an den Börsen allerdings auch eine gute Seite: "Nur so könne ein grundlegender Stimmungswechsel herbeigeführt werden." Der Schweizer Vermögensverwalter Vontobel rechnet nicht mit einem Ende der Katastrophen-Stimmung: "Zunächst dürfte der Käuferstreik an den Aktienmärkten anhalten." Eine deutliche Trendwende sei mangels anstehender Daten nicht zu erwarten.
MLP weiter im Fokus
Mit Argusaugen werden die Investoren auf die Entwicklung beim MLP schauen. Nach einem neuen Pressebericht über möglich Ungereimtheiten in der Bilanz war der Titel des Finanzdienstleisters trotz aller Dementis in die Tiefe gerauscht.
"Spannend wird es auch bei der T-Aktie", sagte ein Branchen-Analyst. Am Freitag waren die Papiere der Deutschen Telekom erstmals unter die Zehn-Euro-Marke gestürzt. Nach Analysten-Meinung hat die Volksaktie damit aber noch nicht ihren Boden gefunden. "Da ist noch Platz nach unten." Die Stimmung in der Branche sei schlecht.
An diesem Dienstag werden die US-Investmentbank Lehman Brothers und der US-Softwarekonzern Oracle Quartalszahlen vorlegen. Von den Daten erhoffen sich Analysten Informationen über die Verfassung der Branchen. Vor allem die Oracle-Zahlen könnten auf die Kurse von SAP , Microsoft oder Siebel wirken. Einen Tag später hält die Lufthansa ihre Hauptversammlung in der KölnArena ab.
Richtungsweisende Konjunkturdaten
Von der Konjunkturseite werden die Anleger zunächst auf die Realeinkommensentwicklung in den USA für Mai achten, die am Dienstag vorgelegt wird. Am Donnerstag liefern zudem das Konjunkturbarometer und der Philadelphia Fed Index weitere Anhaltspunkte über die US-Konjunktur. Die DGZ DekaBank rechnet bei den anstehenden Verbraucherpreisdaten in USA, Euroland und Großbritannien mit einer schwächere Rate als in den ersten Monaten von 2002.