Börsenausblick Kriegsangst lässt Kurse fallen
Frankfurt am Main Der Dow Jones baute sein Minus auf 178 Punkte (2,1 Prozent) aus und schloss bei 8353 Zählern, während der Nasdaq Composite 3,0 Prozent auf 1319 Zähler verlor. Optimisten betonten, dass die starken Verluste am Markt nicht überbewertet werden sollen: Angesichts des Feiertags "Veteran's Day" und dem geschlossenen Anleihemarkt seien die Umsätze vergleichsweise dünn gewesen.
Ölpreis gestiegen
Nach Einschätzung von Händlern haben sich viele Investoren von Aktien getrennt, da ein Militärschlag gegen den Irak immer wahrscheinlicher wird. Gestern hat sich in Bagdad das "Parlament" gegen die jüngste UN-Resolution ausgesprochen.
"Nach drei Jahren mit prozentual zweistelligen Kursrückgängen sind die Anleger vorsichtiger geworden und nehmen Gewinne schneller mit", erklärte ein Händler. Der Dow Jones hatte während der vergangenen vier Wochen mehr als 1000 Punkte zugelegt. Auch der deutliche Zinsschritt der Federal Reserve habe die Sorge über den Zustand der US-Wirtschaft eher verstärkt.
Der Ölpreis ist indessen weiter gestiegen. Das Barrell der gängigen Nordseesorte Brent wurde in London um 1,36 Prozent höher bei 23,86 Dollar gehandelt. Auch von der Unternehmensseite kam wenig Unterstützung: Der Kurs des Mischkonzerns General Electric fiel um 3,55 Prozent, nachdem bekannt geworden war, dass der amerikanische Milliardär Warren Buffett möglicherweise die Rückversicherung Employers Reinsurance von GE kaufen will.
Kompromiss bei United Airlines
Der Präsident von Hewlett Packard , Michael Capellas, räumt seinen Chefsessel und scheidet beim zweitgrößten Computerkonzern der Welt aus. Die Aktie verlor nach dieser Meldung 10,97 Prozent auf 14,85 Dollar. Capellas wolle künftig andere Karrieremöglichkeiten wahrnehmen, teilte HP mit. Nach Angaben des "Wall Street Journal" hat Capellas beste Chancen, Chef bei Worldcom zu werden.
Zumindest aus der krisengeschüttelten Luftfahrtbranche gab es gute Nachrichten: Die von der Insolvenz bedrohte US-Fluggesellschaft United Airlines hat sich mit der Flugbegleitergewerkschaft auf Tarifkonzessionen geeinigt. Die Tochter von UAL Corp von ihren Piloten bereits Zugeständnisse im Wert von 2,2 Milliarden US-Dollar in den nächsten fünfeinhalb Jahren erhalten. Der Kurs schoss um 8,84 Prozent auf 3,57 Dollar in die Höhe.
Oracle gibt ab, Dell meldet Zahlen
An der Nasdaq fielen die Aktien des US-Softwareunternehmens Oracle deutlich. Sie litten unter einer Herabstufung durch die Analysten der Deutschen Bank. Der Anbieter von Datenbank-Software bestätigte im Laufe des Tages jedoch seine Ertrags- und Umsatz-Prognosen für das laufende zweite Geschäftsquartal.
Der Computerhersteller Dell , der an diesem Donnerstag Zahlen für das dritte Quartal vorlegt, hat seine Gewinnprognose für diesen Zeitraum leicht von 30 auf 36 Prozent angehoben. Außerdem bestätigte Dell die Anfang Oktober erhöhte Umsatzprognose von 9,1 Milliarden Dollar. Die Aktie gab dennoch rund zwei Prozent nach.
Dax unter Druck
Commerzbank: Verlust im dritten Quartal
Der Dax hatte gestern mit einem Verlust von 1,2 Prozent auf 3042 Zähler geschlossen. Händler rechnen mit einem Minus von etwa 25 Zählern zum Auftakt.
Auch die Zahlen der Commerzbank und des Chemiekonzerns Bayer sind nicht dazu angetan, Investoren in den Markt zu locken. Die Commerzbank hat im dritten Quartal einen Verlust von 133 Millionen Euro ausgewiesen. Auch das Handelsergebnis war mit 36 Millionen Euro deutlich schwächer als erwartet. Wegen hoher Abschreibungen auf ihr Beteiligungsvermögen im dritten Quartal deutlicher in die Verlustzone gerutscht als von den meisten Analysten erwartet.
Bayer leidet weiter unter Lipobay
Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat in den ersten neun Monaten 2002 einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnet. Wie die Bayer AG berichtete, sank das operative Ergebnis im fortzuführenden Geschäft um 42,1 Prozent auf 862 Millionen Euro. Grund seien die Ergebnisausfälle aus dem Vermarktungsstopp des Cholesterinsenkers Lipobay und die konjunkturelle Entwicklung. Der Umsatz im fortzuführenden Geschäft lag mit 21,5 Milliarden Euro 2,2 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Sorgen um Allianz
Die Finanzwerte dürften heute nicht nur wegen der Commerzbank-Zahlen unter Druck bleiben. Auch von den Zahlen der Allianz am Donnerstag erwarten Börsianer wenig Gutes: Großschäden im Versicherungsgeschäft, die Krise der Tochter Dresdner Bank und die weltweite Börsenschwäche dürften für einen im dritten Quartal für einen Vorsteuerverlust in Milliardenhöhe sorgne. Auch im Gesamtjahr 2002, für das die Allianz im Sommer noch einen Gewinn von mindestens drei Milliarden Euro angepeilt hatte, erwarten einige Analysten nun einen Verlust.
Zittern in der Techbranche
Die Aktien des Chipherstellers Infineon und des Bauelemente-Herstellers Epcos sind gestern zweistellig eingebrochen. Die Deutsche Bank und Goldman Sachs haben Infineon heruntergestuft. Das Unternehmen hatte am Freitag für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Milliardenverlust ausgewiesen.
Mobilcom-Hängepartie geht weiter
Mobilcom-Hängepartie geht weiter
Die monatelange Hängepartie um die Zukunft des Mobilfunkunternehmens Mobilcom ist noch nicht zu Ende. Die Bundesregierung und Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid versuchten am Montag, sich auf einen gemeinsamen Text für den Vertrag zu einigen, mit dem Schmid seine Aktien auf einen Treuhänder übertragen soll. Ob es dabei Fortschritte gab, wollten beide Seiten nicht sagen. Schmid und die Regierung streiten vor allem um die Person des Treuhänders, der die Aktien übernehmen soll, sowie um eine Forderung von mehr als 70 Millionen Euro aus einem umstrittenen Aktien-Optionsgeschäft, die der Mobilcom-Gründer nicht anerkennen will.
Die Insolvenz wird voraussichtlich noch in dieser Woche notwendig, falls die Verhandlungen scheitern und Schmid seine Aktien nicht auf einen Treuhänder überträgt. Damit wären auch die Entschuldung von Mobilcom durch France Telecom sowie weitere Kredite deutscher Banken über mehr als 160 Millionen Euro blockiert. Die rund 3000 Arbeitsplätze, die nach einem starken Arbeitsplatz-Abbau bei Mobilcom noch übrig bleiben sollten, sind gefährdet.
Nikkei behauptet, Euro über Dollar-Parität
Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 8464 Zählern geschlossen. Trotz der schwachen Vorgaben der Wall Street gab sich der Index vergleichsweise robust. Der Euro notierte am Morgen mit 1,0100 Dollar etwas leichter als am Vortag.