Börsenausblick Kurs auf neue Tiefstände
Frankfurt am Main Der Optimismus nach dem Angebot des Irak, Uno-Inspektoren ins Land zu lassen, währte gestern nur wenige Stunden. Der Dax schloss nach kurzem Höhenflug deutlich im Minus bei 3289 Punkten. Händler gehen davon aus, dass der Index heute sein Anfang August markiertes Fünfjahrestief bei 3235 Zählern unterschreiten wird: Aus den USA kommt eine geballte Ladung schlechter Nachrichten.
US-Börsen knicken im späten Handel ein
Zum Handelsschluss in Deutschland hatte der Dow Jones noch 1,2 Prozent schwächer tendiert, baute aber dieses Minus im späten Handel auf 2,1 Prozent (172 Punkte) aus. Der Nasdaq Composite gab um 1,3 Prozent nach.
Skepsis gegenüber dem Irak und schlechte Konjunkturdaten verunsichern Investoren: "Das irakische Angebot, UN-Inspektoren wieder ins Land zu lassen, ist in Washington skeptisch begrüßt worden", sagte Larry Wachtel, Wertpapierstratege von Prudential Securities. Noch schwerer wogen schwache Konjunkturdaten: Die US-Industrieproduktion ist im August um 0,3 Prozent gesunken. Dies ist die erste Abschwächung seit Dezember 2001. Gleichzeitig blieb die Kapazitätsauslastung mit 76,0 Prozent einen Basispunkt unter den Vorhersagen. Angesichts dieser Zahlen wachse die Sorge vor einem "Double Dip", dem erneuten Abrutschen in eine Rezession, sagte der Händler Frank Albrecht von MM Warburg.
Gewinnwarnung von JP Morgan
Nach Börsenschluss legten Schwergewichte wie JP Morgan Chase und Oracle nach. Die Aktien der US-Großbank sind im nachbörslichen Handel eingebrochen, nachdem die Bank zuvor vor einem deutlich niedrigerem Gewinn im laufenden dritten Geschäftsquartal gewarnt hatte. Der Kurs fiel nachbörslich um rund acht Prozent. Verantwortlich für den Gewinnrückgang sei eine um rund 1,1 Milliarden höhere Risikovorsorge. Diese sei nach Angaben der Bank wegen der zahlreichen faulen Kredite in der Telekom- und Kabelbranche notwendig. Zudem haben die Ratingagenturen S&P und Fitch ihre Einstufung der Kreditwürdigkeit der Bank herabgestuft. Zuvor hatte bereits der Online-Broker Charles Schwab bekannt gegeben, weitere 1800 Stellen zu streichen.
Schwacher Ausblick von Oracle
Auch der Softwarehersteller Oracle enttäuschte die Investoren. Nach Börsenschluss gab das drittgrößte Softwarehaus bekannt, dass der Nettogewinn in der am 31. August beendeten Berichtsperiode auf 342,7 Millionen Dollar oder sechs Cent je Aktie gefallen sei. Der Umsatz verringerte sich auf 2,03 Milliarden Dollar von 2,27 Milliarden Dollar im Jahr zuvor. Vor allem der schwache Ausblick belastete die Aktie, die nachbörslich um sieben Prozent einbrach: Oracle erwartet einen Umsatzrückgang bis zu sieben Prozent im kommenden Quartal.
Die Investmentbank UBS Warburg hatte schon vor Bekanntgabe der Zahlen die Gewinnprognosen für das Softwarehaus reduziert. Die Unternehmen dürften weiter nur zurückhaltend in neue Software investieren, so die Begründung.
Angst vor weiteren Gewinnwarnungen - Mc Donald´s auf Talfahrt
Die Aktie von McDonald's schloss auf Siebenjahrestief. Das Unternehmen hat seine bisherige Ertragsprognose unter Hinweis auf die schwache Umsatzentwicklung in den USA und Europa für 2002 zurückgenommen. Dies lag den Börsianern schwer im Magen.
Händler sagten mit Blick auf den Markt, dass die Zahl der Gewinnwarnungen vor der kommenden Berichtssaison größer sein werde als in den vorangegangenen Jahresvierteln. Dies sorgt weiterhin für Zurückhaltung.
Dax mit deutlichen Verlusten erwartet
Der Dax dürfte auf Grund dieses schweren Gepäcks zum Auftakt deutlich fallen und die Marke von 3225 Punkten ins Visier nehmen. Vor allem Finanz- und Technologiewerte dürften nach der Gewinnwarnung von JP Morgan und durch den trüben Ausblick von Oracle belastet werden. Für den Oracle-Konkurrenten SAP dürfte es ein rauer Handelstag werden. Siemens verloren bereits gestern 2,7 Prozent auf 41,37 Euro, während Epcos mit einem Minus von 8,3 Prozent unter die Räder geriet.
Zu den wenigen Gewinnern im Index gehörten gestern die Aktien von Lufthansa und des Chemiekonzerns Bayer , die beide von dem gesunkenen Ölpreis profitierten. Bayern hatte außerdem mitgeteilt, man habe von der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für einen neuen HIV-Test erhalten.
Druck auf Versicherer hält an
Die Papiere der Deutsche Bank dürften es auf Grund der Gewinnwarnung von JP Morgan schwer haben, ihre Gewinne vom Vortag zu verteidigen. Das Geldhaus hat ihre US-Leasingtochter DFS an eine Einheit der GE Commercial Finance verkauft, doch auch dies reichte gestern nur für ein kleines Kursplus.
Die Versicherer Allianz und die Münchener Rück stehen seit Tagen schwer unter Druck: Nach Marktgerüchten verkaufen vor allem angloamerikanische Anleger, und die Angst vor weiter nachgebenden Börsen und steigenden Rückstellungen belastet.
Neuer Markt fällt weiter Unsicherheit bei Mobilcom
Rallye der Mobilcom-Aktie zunächst gestoppt
Der Mobilcom-Aktie ist nach dem spektakulären Anstieg vom Wochenbeginn vorerst die Puste ausgegangen. Am Dienstag gab die Aktie knapp zehn Prozent auf 2,95 Euro nach. Am Montag hatte sich der Aktienkurs des angeschlagenen Unternehmens nach der Zusage der Finanzspritze von 400 Millionen Euro mit einem Anstieg auf 3,26 Euro nahezu verdoppelt. Anfang des Jahres 2002 war die Aktie aber noch mehr als 20 Euro wert. Trotz der Millionenspritze des Bundes bleibt die Zukunft des schwer angeschlagenen Mobilfunkunternehmens ungewiss.
Das am Neuen Markt notierte Telekommunikationsunternehmen 3U Telecom will indessen die Festnetzaktivitäten des angeschlagenen Mobilfunkanbieters übernehmen. Wie der Vorstandsvorsitzende Uwe Graul sagte, habe das Unternehmen Mobilcom ein Angebot unterbreitet.
Nikkei reduziert Verluste
Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch nach den schlechten Vorgaben der Wall Street nachgegeben. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte fiel im Handelsverlauf um 2,5 Prozent, konnte das Minus bis Handelsschluss jedoch auf 0,8 Prozent reduzieren. Der Index ging bei 9472 Zählern aus dem Handel. Der Euro wurde am Morgen bei 0,9696 US-Dollar notiert.