Börsenausblick: Kursrutsch weltweit - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Kursrutsch weltweit

Dax und Nemax dürften heute erneut schwächer eröffnen. Die kreative Buchführung des Mischkonzerns Tyco drückte die US-Börsen im späten Handel noch tiefer ins Minus. Finanztitel und die Telekom stehen unter enormen Druck. Nur Schering erfreut mit einer Rekordbilanz.
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Frankfurt am Main - Die US-Börsen sind am Montag eingebrochen, nachdem neue Enthüllungen des Mischkonzerns Tyco die Zweifel an den Bilanzierungsmethoden von US-Unternehmen verstärkt hatten. Der Dow Jones verlor 2,2 Prozent auf 9687 Punkte, während der Technologieindex Nasdaq Composite um 2,9 Prozent auf 1855 Zähler nachgab. "Niemand hat Vertrauen, und jeder fragt, welches Unternehmen als nächstes zum Problem wird", sagte ein Händler.

Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, Tyco habe mehr als 700 Übernahmen nicht einzeln in der Bilanz aufgelistet. Das Unternehmen rechtfertigte sich damit, dass es sich um "sehr kleine Firmen" gehandelt habe. Tyco produziert Alarmanlagen und Mülltüten, betreibt aber auch eine Finanzierungsgesellschaft, Im Urteil vieler Investoren ist das Unternehmen zu undurchsichtig. Nach dem Konkurs des Energiehändlers Enron im Dezember und der Vernichtung von Firmendokumenten durch die Prüfungsgesellschaft Arthur Andersen befürchten Investoren, dass in den Bilanzen anderer Unternehmen Unregelmäßigkeiten auftauchen könnten. Tyco fielen um fast zwanzig Prozent. General Electric   , ebenfalls ein Mischkonzern, gaben fünf Prozent nach.

Wenig Hoffnung für den Dax

Erstmals seit rund zwei Wochen hat der Dax unterhalb der Marke von 5000 Zählern geschlossen. Der deutsche Leitindex brach um 2,2 Prozent auf 4984 Punkte ein. Am Neuen Markt sackte der Nemax 50 um drei Prozent auf 1118 Zähler. Sowohl Dow Jones als auch Nasdaq bauten ihre Verluste nach Handelsschluss in Deutschland weiter aus.

Schering mit Rekordbilanz

Mit einem neuen Rekordgewinn hat der Berliner Pharmakonzern Schering AG das Geschäftsjahr 2001 abgeschlossen. Der Gewinn wurde im vergangenen Jahr um 24 Prozent gesteigert und damit die eigenen Prognosen übertroffen. Der Jahresüberschuss beträgt nach vorläufigen Zahlen 418 Millionen Euro, teilte die Schering AG am Dienstag mit. Der Umsatz legte wechselkursbereinigt um 10 Prozent auf 4,84 Milliarden Euro zu. Damit übertraf der Konzern noch einmal die Erwartungen der Analysten. Anleger hatten bereits gestern Gewinne mitgenommen, da die Schering   -Aktie in Erwartung guter Zahlen bereits in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt hatte.

Telekom unter 16 Euro

Als Tagesverlierer waren gestern die T-Aktien   mit einem Verlust von 4,4 Prozent bei 15,92 Euro aus dem Handel gegangen. Das "Handelsblatt" zitierte Telekom-Chef Ron Sommer, der Schuldenabbau könnte ins Stocken geraten, falls der Verkauf des Kabelnetzes und der Börsengang der Mobilfunk-Tochter T-Mobile scheitert. Die Telekom entwirft nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" intern bereits konkrete Szenarien, wie es nach einem möglichen Scheitern des Kabelnetz-Verkaufs an den US-Investor Liberty Media weiter gehen soll.

Kursrutsch bei Finanztiteln

Auch die Finanztitel stehen schwer unter Druck. Neben schlechten Geschäftszahlen drückt die Sorge, die Banken müßten nach den Pleiten von Enron & Co höhere Drohverlustrückstellungen bilden. Die Commerzbank   will nach Vorlage ihrer Jahresbilanz deutlich weniger Dividende zahlen und schloss 1,6 Prozent leichter bei 18,97 Euro. Unter Druck auch Deutsche Bank   , die nach Herabstufungen mehrerer Banken 3,8 Prozent auf 69,80 Euro verloren. Auch die Aktien der Münchener Rück   verloren 3,9 Prozent auf 263,20 Euro.

Der Automobilkonzern DaimlerChrysler   hatte bereits gestern deutlich nachgegeben, nachdem Gerüchte über eine Kürzung der Dividende aufgegkommen waren. Laut "Handelsblatt" will der Automobilkonzern nun auch die Ergebnisbeteiligung für die 140.000 deutschen Beschäftigten kürzen.

Medientitel: Kirch nicht mehr kreditwürdig

Die Bayerische Landesbank (BayernLB) will dem verschuldeten Filmunternehmer Leo Kirch nach einem Bericht FTD keine weiteren Kredite mehr geben. Das Gesamtvolumen der Kredite sei etwas geringer als die in Presseberichten genannten 2,2 Mrd Euro. Die Deutsche Bank halte den Medienunternehmer Kirch nicht mehr für kreditwürdig, schreibt die Zeitung.

Neuer Markt: Verluste im Sog der Nasdaq

Einziger Trost für Aktionäre ist, dass die Verluste am Neuen Markt bei recht dünnen Umsätzen zu Stande gekommen sind. Der Anbieter von Erotikprodukten, Private Media, hatte gestern den für Montag geplanten Start der Aktie am Neuen Markt kurzfristig verschoben. Die Aktie des Luxemburger Telekommunikations-Ausrüsters Carrier 1   sind mit hohen Umsätzen um über 40 Prozent eingebrochen. Carrier 1 hatte zuvor bekannt gegeben, dass es wegen rechtlicher Probleme sein Rückkaufprogramm nicht einhalten kann.

Die Hoffnung auf eine Überlebenschance für die Kinowelt   ließ den Aktienkurs bei einem Umsatz von über sechs Millionen Aktien zeitweise knapp 300 Prozent auf 0,96 Euro hochschnellen. "Das ist reine Zockerei", sagte ein Händler in München. Zuvor hatte der Insolvenzverwalter Wolfgang Ott gesagt, das Schicksal der Kinowelt werde sich bis Ende März entscheiden und das operative Geschäft laufe "in geordneten Bahnen".

Nikkei erneut im freien Fall

Der japanische Aktienmarkt hat am Dienstag schwächer geschlossen. Der Nikkei-Index 225 führender Werte fiel um 156,33 Punkte und beendete den Handel beim Stand von 9.475,60 Punkten. Das entspricht einem Verlust von 1,6 Prozent. Der Euro notierte am Abend mit 0,8703 US-Dollar nach 0,862 Dollar am Vortag.