Börsenausblick: Kurssprung bei MobilCom erwartet - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Kurssprung bei MobilCom erwartet

Die angekündigte Rettung für MobilCom gibt Börsianern in der letzten Woche vor der Bundestagswahl etwas Hoffnung. Allerdings sorgen ein möglicher Militärschlag im Irak und die schleppende Konjunktur für Zurückhaltung.
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Frankfurt am Main - In der zurückliegenden Woche hat der Dax rund 3,6 Prozent auf 3360 Punkte verloren. Bei 3235 Punkten liegt das Anfang August markierte Fünfjahrestief des Marktbarometers. Experten sagten, aus charttechnischer Sicht sei es entscheidend, dass diese Marke halte. Am Neuen Markt hatte der Nemax 50 am Freitag bei 425 Punkten geschlossen und notierte damit auf dem tiefsten Schlussstand seit Bestehen des Neuen Marktes.

Finanzspritze für Mobilcom

Zumindest bei Mobilcom gibt es wieder Hoffnung auf eine Kurserholung: Eine Insolvenz des Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmens ist dank einer Finanzspritze von Bund und Land vorerst abgewendet. Bund und das Landes Schleswig-Holstein wollen bis zu 400 Millionen Euro zahlen. Eine erste Tranche der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) von 50 Millionen Euro werde bereits am Montag zur Verfügung gestellt, sagte Bundeswirtschaftsminister Werner Müller.

Im vorbörslichen Handel stieg die Aktie von Mobilcom  , die am Freitag bei 1,12 Euro geschlossen hatte, deutlich über die Marke von zwei Euro.

Allianz im Keller

Auf eine deutliche Erholung der Aktie hoffen auch die Aktionäre des Dax-Schwergewichtes Allianz  . Das Papier war am Freitag um knapp zehn Prozent auf 100,78 Euro gefallen und erreichte den tiefsten Stand seit 1993. Die Allianz wird bei ihrer Gruppengesellschaft Fireman's Fund die Reserven für Umweltrisiken in den USA um 750 Millionen Dollar aufstocken: Damit hofft sie, drohende Asbestklagen in den USA abzusichern. In den vergangenen sechs Monaten hat die Allianz an der Börse knapp 48 Milliarden Euro ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt. Doch die Chancen auf eine schnelle Erholung sind gering: Nach Marktgerüchten trennt sich die HypoVereinsbank   derzeit im großen Stil von Allianz-Aktien.

Technologiewerte am Scheideweg – Oracle meldet Zahlen

Sollte der Markt weiter fallen und der Dax sein Fünfjahrestief in dieser Woche erneut testen, dürften nach Einschätzung von Händlern die Technologiewerte besonders unter Druck stehen. Infineon  , Epcos   und SAP   stehen im Fokus der Anleger: Das dritte Quartal nähert sich dem Ende, und Anleger fürchten weitere Prognosereduzierungen in einem schwachen Marktumfeld.

SAP-Konkurrent Oracle   wird am Dienstag, 17. September, seine Geschäftszahlen vorlegen. Analysten gehen davon aus, dass der Umsatz des US-Softwareherstellers im ersten Quartal um fast 200 Millionen Dollar auf 2,061 Milliarden Dollar zurückgegangen ist. Sie rechnen mit einem Gewinn je Aktie von sieben Cent.

Schwankungen wegen Bundestagswahl erwartet

"Vor und nach Bundestagswahlen kommt es in der Regel zu größeren Schwankungen", sagte Aktienstratege Gerhard Grebe von Julius Bär. "Meine persönliche Meinung ist, dass eine konservative Regierung besser für den Aktienmarkt wäre, weil sie mehr Investitionen und weniger Interventionen versprechen." Allerdings sei ein Regierungswechsel auch immer mit vielen Fragezeichen verbunden, die sich in der Regel in höheren Schwankungen zeigten.

Dax-Umstellung: Altana vor dem Aufstieg

An der Frankfurter Börse wird unterdessen für die großen Fonds, die den Index nachbilden, die Zeit knapp: Noch genau fünf Arbeitstage bis zum 23. September haben die Indextracker Zeit, ihre Portfolios neu zu ordnen. Den Platz von Degussa   im Dax wird der Pharmakonzern Altana   einnehmen.

Kann Porsche Rekordergebnis bestätigen?

Auf der Seite der Unternehmen werden in der kommenden Woche kaum Neuigkeiten erwartet. Vermutlich werde aber der Sportwagenhersteller Porsche   Anfang der Woche Geschäftszahlen für das Jahr 2001/02 vorlegen. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit immer wieder gesagt, mindestens das Rekordergebnis des Vorjahres wieder erreichen zu wollen. Mit dem italienischen Energieversorger ENI   legt am Mittwoch lediglich ein einziger Großkonzern aus der ersten europäischen Börsenliga Bilanzzahlen vor.

Telekom: Sparkurs geht weiter

Die Aktie der Deutsche Telekom   hatte in der vergangenen Woche deutlich nachgegeben. Eine mögliche Rettung von Mobilcom bedeutet für die Telekom auch die Stärkung eines UMTS-Konkurrenten. Der Sparkurs geht indessen weiter: Nach Presseberichten will die Telekom-Tochter T-Systems zu 6.500 Stellen abbauen.

Die US-Börsen hatten am Freitag uneinheitlich geschlossen. Der Dow Jones schloss 0,8 Prozent schwächer bei 8312 Punkten. Der Nasdaq Composite drehte im späten Handel um 0,9 Prozent auf 1291 Zähler ins Plus.

Die Gewinnwarnung des US-Mischkonzerns Honeywell   und eine Umsatzwarnung des angeschlagenen US-Netzwerkausrüsters Lucent   haben Anleger zu weiteren Verkäufen motiviert, sagten Händler. Auch neue Konjunkturdaten brachten keine Entlastung. Die US-Einzelhandelsumsätze sind im August zwar um 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat und damit etwas stärker als erwartet gestiegen, jedoch ist nach Angaben der Universität Michigan das Vertrauen der US-Verbraucher weiter gesunken. Der Index ist im September auf 86,2 (Vormonat: 87,6) Punkte gefallen. Sorgen um die Wirtschaft und die weltpolitische Lage belasten die Märkte weiterhin.