Börsenausblick Misstöne von Ericsson und Siemens
Frankfurt am Main - Was die Investoren in der vergangenen Woche aus den USA an Geschäftszahlen erhalten haben, ist wenig erfreulich. Bisher gemeldete Ergebnisse der im S&P 500 notierten Unternehmen liegen mit rund acht Prozent unter dem Vorjahreswert und damit unter den Erwartungen. Analysten der Wall Street hatten ein Minus von 7,5 Prozent erwartet.
Zuletzt hatten die schwachen Ausblicke von Microsoft und des Netzwerkherstellers Nortel Networks enttäuscht. Sie folgten damit dem weltgrößten Handyhersteller Nokia . Nicht zuletzt diese Konzerne haben die Hoffnungen auf ein schnelles Comeback der Technologietitel enttäuscht. Immerhin konnten die amerikansichen Aktienindizes nach sechs Wochen Abstinenz wieder einen Erfolg verbuchen: Auf Wochensicht gewann der Dow Jones 0,7 Prozent hinzu. Der Nasdaq Composite verbesserte sich um 2,3 Prozent.
Dennoch trüben neue Hiobsbotschaften die Stimmung immer wieder ein. Nach Handelsschluss am Freitag reduzierte der US-Telekomkonzern WorldCom seine Gewinn- und Umsatzerwartung für das Jahr 2002 und will auch seine seine Investionen drosseln. Bei der Präsentation der 2001er-Zahlen Anfang Februar hatte der Konzern noch damit gerechnet, dass der Umsatz 2002 im einstelligen Prozentbereich gesteigert wird.
Wenig Erfreuliches erwarten die Börsianer vom schwedischen Telekomausrüster Ericsson , der am Montag Vormittag seine Geschäftszahlen vorlegt. Die Schweden sind nach Ansicht von Analysten im ersten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Nach einem schwedischen Zeitungsbericht will Ericsson sage und schreibe 17.000 Stellen streichen.
Nach ersten Ad-hoc-Meldungen von 7.45 Uhr beträgt der Nettoverlust für das erste Quartal 3,7 Milliarden schwedische Kronen gegenüber einem Gewinn von 0,4 Milliarden schwedischen Kronen im Vorjahr. Der Umsatz ist um 26 Prozent eingebrochen auf 37 Milliarden schwedische Kronen. Das Aufträge sind um 40 Prozent eingebrochen. Damit sind die Verluste höher als erwartet.
Die Börsianer in Europa blicken auch in dieser Woche gespannt über den großen Teich. In den USA geht der Reigen mit Zahlen von großen Unternehmen weiter und wird nach Ansicht von Experten auch in den nächsten Handelstagen das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten bestimmen. Aber auch eine ganze Reihe deutscher und europäischer Unternehmen wartet mit Geschäftsergebnissen auf und dürfte somit ebenfalls die Anleger in Atem halten.
Der US-Telekomausrüster Lucent Technologies wird am Montag voraussichtlich einen Verlust von 17 Cent je Aktie für das zweite Quartal bekannt geben. Das erwarten die 28 von Thomson Financial/First Call befragten Analysten im Schnitt. Im vergleichbaren Vorjahresquartal hatte das Unternehmen 41 Cent je Aktie erwirtschaftet. Zudem werden heute noch die Quartalszahlen von 3M, Altera und Corning erwartet.
Deutsche Konzerne greifen ab Dienstag in die Quartalsberichterstattung ein. Am Dienstag präsentiert zunächst der Chiphersteller Infineon Quartalszahlen. Die gestiegenen Chippreise dürften sich positiv auf die Quartalsbilanz auswirken, jedoch ist der Chiphersteller auf eine weitere Erholung der PC-Nachfrage angewiesen. Die Deutsche Telekom erläutert am Dienstag während ihrer Bilanz-PK die bereits bekannt gegebenen Geschäftszahlen für 2001: Von Ron Sommer erwarten Aktionäre nach den enttäuschenden Zahlen Auskunft, wie es mit dem Schuldenabbau und dem Börsengang von T-Mobile weitergehen soll.
Am Donnerstag stehen der Elektronikkonzern Siemens und der Autobauer DaimlerChrysler im Blickpunkt. Beide Konzerne legen ihre aktuellen Quartalsergebnisse vor.
Siemens baut nach einem Bericht des "Focus" weitere Arbeitsplätze ab. Im Geschäftsbereich Festnetztechnik sollten etwa 5000 zusätzliche Stellen wegfallen, berichtete das Münchner Magazin unter Berufung auf Unternehmenskreise am Wochenende vorab. Bisher hatte der Konzern demnach bereits angekündigt, 10.000 der einst 53.000 Arbeitsplätze in diesem Bereich zu streichen. Die neuen Stellenkürzungen sollen laut "Focus" zu 75 Prozent Mitarbeiter im Ausland treffen.
Unter dem Strich wenig ermutigend sind auch Nachrichten vom Autobauer Volkswagen . VW plant zwar trotz Auto-Flaute und deutlicher Absatzverluste im ersten Quartal keine Produktionskürzungen. Wenn allerdings eine weitere negative Entwicklung im Nahen Osten den Ölpreis hochtreibe, seien vermutlich viele Prognosen ungültig, sagte der für den Vertrieb zuständige VW-Konzernvorstand Robert Büchelhofer.
Die Bundesregierung hat der RAG AG (früher Ruhrkohle), Essen, nach einem Bericht des "Handelsblatt" signalisiert, dass sie einem Tauschgeschäft Ruhrgas gegen Degussa "grundsätzlich positiv gegenübersteht". Das verlautete der Zeitung zufolge aus regierungsnahen Kreisen. In den vergangenen Tagen hatten sich die Hinweise darauf verdichtet, dass der Degussa-Mehrheitseigner Eon bereit sei, sich von der Spezial-Chemietochter zu trennen, um sich so mit den Ruhrgas-Anteilen der RAG die Mehrheit am größten europäischen Ferngaskonzern zu sichern.
Die asiatische Leitbörse in Tokio notierte kurz vor Handelsschluss fest. Der Nikkei stand mit 1,9 Prozent im Plus auf 11.730 Zählern.