Börsenausblick MLP unter Druck
Frankfurt am Main Die Chancen auf einen versöhnlichen Wochenausklang stehen gut. Da die US-Börsen im späten Handel weiter zugelegt haben, dürfte auch der Dax zum Auftakt Kurs auf die 3200 Punkte nehmen. Bereits gestern hatte der Index, getragen von deutlichen Kursgewinnen bei Allianz , Deutsche Telekom und Epcos , um vier Prozent auf 3188 Zähler zugelegt.
Der Dow Jones baute anschließend seine Gewinne von 1,3 auf 1,7 Prozent aus, während der Nasdaq Composite mit einem satten Plus von 3,7 Prozent aus dem Handel ging. Nach Börsenschluss meldete der Computerbauer Dell steigende Umsätze.
Allianz, Deutsche Telekom und MLP im Blickpunkt
Anleger sind gespannt, ob die Dax-Schwergewichte Allianz und Deutsche Telekom angesichts der positiven Vorgaben aus den USA ihre Gewinne vom Vortag verteidigen können. Beide Titel hatten trotz schwacher Zahlen zugelegt. Der Ausblick der Allianz auf das kommende Jahr und der neue Chef der Telekom weckten aber neue Hoffnungen.
Der wegen angeblicher Bilanzmauscheleien unter Druck geratene Finanzdienstleister MLP legte heute Zahlen vor. Die Aktie ist am Freitagmorgen von Händlern leichter zwischen 11,80 und 12,40 Euro gesehen worden nach einem Schlusskurs von 12,45 Euro am Donnerstag. Mit Bekanntgabe der Neunmonatszahlen hatte MLP verkündet, dass die angepeilten 100 Millionen Euro an operativem Ertrag für das Gesamtjahr nur schwer zu erreichen sein werden. Der Vorsteuergewinn hat sich im dritten Quartal 2002 im Jahresvergleich nahezu halbiert. Das Vorsteuerergebnis habe 7,7 Millionen Euro betragen nach 15,3 Millionen Euro im dritten Quartal 2001, teilte MLP mit.
Allianz: Dresdner Bank braucht Zeit
Die Dresdner Bank AG wird nach Einschätzung von Allianz-Aufsichtsratsmitglied Helmut Perlet frühestens in einem Jahr zur Wertsteigerung der Allianz AG beitragen. Eine erfolgreiche Neuordnung der Bank werde mindestens zwölf Monate dauern, sagte Perlet. Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle hatte sich gestern trotz Rekordverlust für die Zukunft verhalten optimistisch geäußert. "Wir dürften den Tiefpunkt hinter uns haben."
Der neue Telekom-Vorsitzende Kai-Uwe Ricke will ohne grundsätzliche Kursänderung die Leistungsfähigkeit des Konzerns erhöhen. Die Geschäftsfelder sollen mehr Eigenverantwortung bekommen, um marktnah zu agieren, kündigte er an. Der Bonner Konzern hat in den ersten neun Monaten des Jahres einen Rekordverlust von 24,5 Milliarden Euro verzeichnet.
BMW will expandieren
Mobilcom-Krimi: Wie entscheiden die Banken?
Die Autowerte standen gestern im Schatten der Finanz- und Technologiewerte, erholten sich aber im späten Handel. Nun wagt sich auch BMW weiter vor: Die BMW AG will in den nächsten Jahren ihre internationale Expansion vorantreiben und damit in eine neue Größenordnung bei der Produktion wachsen. "Vor uns liegt eine Expansion, wie wir sie in der Vergangenheit noch nie durchgeführt haben", sagte der Vorstandsvorsitzende Helmut Panke. Die Deutsche Bank will nach einem Bericht des Handelsblattes ihr knapp 30-prozentiges Aktienpaket am Axel-Springer-Verlag bereits im kommenden Jahr an die Börse bringen. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Bankenkreise berichtet, soll Springer hierfür seine Beteiligung an der Senderfamilie ProSiebenSAT1 Media AG auf 28 Prozent von derzeit 11,5 Prozent ausbauen.
Neuer Markt: MobilCom-Aktie im Blickpunkt
Am Neuen Markt stehen einmal mehr die Aktien des angeschlagenen Telefonunternehmens MobilCom im Blickpunkt. Am Donnerstag Abend wurde bekannt, dass Konzerngründer Schmid nach langem Hickhack den Treuhänder-Vertrag unterschrieben hat. Ab jetzt verantwortet Ex-RTL-Chef Helmut Thoma seine Aktien. Damit ist die Insolvenz bei MobilCom (vorerst) abgewendet. Die Aktie kletterte daraufhin um 33 Prozent und schloss bei 6,00 Euro.
Noch ist das Unternehmen aber nicht über den Berg: Großaktionär France Telecom muss den Vertrag noch anerkennen, und die Banken müssen weiteren Krediten zustimmen. Die MobilCom AG erwartet allerdings nach der Einigung über den Treuhändervertrag, dass das komplette Sanierungspaket in den nächsten Tagen verabschiedet wird.
Wall Street: Dell wieder Primus
Die Kauflust der amerikanischen Verbraucher hat am Donnerstag auch auf die Wall Street übergegriffen. Hinzu kam der Kauf der riesigen amerikanischen Verbraucherfinanzfirma Household International durch die britische Großbank HSBC für rund 14 Milliarden Dollar. Davon profitierten auch viele andere Finanzwerte. Die Aktien der Household International festigten sich um 22,44 Prozent auf 27,50 Dollar. Chip- und Netzwerker-Aktien waren ebenfalls gesucht.
Der Dow Jones baute bis zur Schlussglocke seine Gewinne von 1,2 auf 1,7 Prozent aus, während der Nasdaq Composite mit einem satten Plus von 3,7 Prozent aus dem Handel ging. Entgegen den Befürchtungen sind die US-Konjunkturdaten des Tages positiv ausgefallen: Die Einzelhandelsumsätze haben sich im Oktober im Vergleich zum Vormonat nicht verändert. Klammert man die schwachen Automobilabsatzziffern im Oktober aus, dann ist der Einzelhandelsumsatz sogar um 0,7 Prozent gestiegen. Dies ließ Hoffnung auf ein halbwegs solides Weihnachtsgeschäft aufkommen. Auch die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung ist gesunken.
Dell wächst weiter
Nach Börsenschluss sorgte Dell Computer für gute Stimmung: Das Unternehmen hat im dritten Quartal und in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2002/2003 seinen Umsatz und Gewinn kräftig erhöht. Das Unternehmen nahm Hewlett Packard wieder die Führung als größter PC-Anbieter ab. Dell wies in allen Produktsparten und Märkten erheblich höher Absatzsteigerungen auf als die Konkurrenten. Da die Aktie aber bereits vor Bekanntgabe der Zahlen stark geklettert war, gab sie nachbörslich wieder leicht ab.
Die Papiere des Mischkonzerns Honeywell fielen wegen hoher Pensionskassen-Kosten deutlich. Rüstungswerte wie Lockheed Martin standen ebenfalls unter Druck, da der Irak die neuen Waffeninspektionen der UN akzeptiert hat. Damit sind die Kriegsängste vorerst etwas in den Hintergrund getreten.
30-jährige US-Staatsanleihen stürzten angesichts der besseren Konjunktur- und Börsenlage um mehr als zweieinhalb Punkte ab. Die Rendite der Langläufer stieg deshalb rasant von 4,79 Prozent auf 4,95 Prozent.
Nikkei kommt von 19-Jahres-Tief los
Die Börse in Tokio ist am Freitag deutlich gestiegen. Nach der positiven Vorgabe der Wall Street erholte sich der Nikkei-Index für 225 führende Werte um 200 Punkte oder 2,4 Prozent und ging bei 8503 Zählern aus dem Handel. Am Vortag war das Börsenbarometer noch auf den tiefsten Stand seit 19 Jahren gefallen.
Der Kurs des Euro notierte am Freitag etwas leichter bei 1,0029 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 1,0095 US-Dollar festgesetzt.