Börsenausblick: MobilCom-Aktionären droht Totalverlust - DER SPIEGEL
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Börsenausblick MobilCom-Aktionären droht Totalverlust

Die Vorgaben für die Börsen sind alles andere als ermutigend. Ein militärischer Konflikt mit dem Irak wird immer wahrscheinlicher. Die Wall Street geht auf Tauchstation und wird den Handel in Frankfurt belasten. Auch die drohende Insolvenz von MobilCom belastet die Stimmung.
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Frankfurt am Main - Die zum Teil unerfreulichen Nachrichten von US-Unternehmen nach Börsenschluss in New York dürften heute den Handel in Frankfurt zusätzlich belasten. Der Dow Jones hatte mit Verlusten von 2,4 Prozent geschlossen. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq-Composite, rutschte um 2,7 Prozent ab. Beide Indizes hatten nach Handelsschluss in Deutschland noch deutlich nachgegeben. Der Dax hatte 4,5 Prozent und der Nemax 50 rund drei Prozent verloren.

Kriegsangst an den Märkten wächst

Die Reden von US-Notenbankchef Alan Greenspan und US-Präsident George W. Bush sowie unerwartet schwache Arbeitsmarktdaten hatten an den US-Börsen am Donnerstag erneute Sorgen über die Entwicklung der US-Wirtschaft geweckt und die Kurse gedrückt.

Bush hatte vor den Vereinten Nationen deutlich gemacht, dass er Iraks Diktator Hussein entmachten werde - notfalls im Alleingang und auch mit militärischen Mitteln. Dies hatte die Kriegsangst an den Märkten geschürt.

Vor allem die Unsicherheit darüber, wie lange ein möglicher Krieg mit dem Irak dauern könnte und unkalkulierbare Risiken für die gesamte arabische Welt beunruhigten die Märkte. Selbst die EZB warnte gestern, dass ein Irak-Krieg die weltweite Wirtschaftserholung zumindest verzögern könnte.

US-Notenbankchef Alan Greenspan hat die Regierung von George W. Bush vor den wirtschaftlichen Risiken zu hoher Staatsausgaben gewarnt. Nur die Rückkehr zu einer disziplinierten Fiskalpolitik mache ein gesundes Wirtschaftswachstum möglich, sagte er am Donnerstag bei seiner Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses.

In einem Fiskalklima mit anhaltend hohen Defiziten bestehe das Risiko, dass Amerika zu einer Ära mit hohen Zinsen, niedrigen Investitionen und weniger Wachstum der Produktivität zurückkehre, sagte Greenspan.

Vertrauen US-Verbraucher der Wirtschaft noch?

Wie es um die amerikanische Konjunktur steht werden heute weiter Konjunkturdaten zeigen. Die Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen und Erzeugerpreisen für den Monat August werden gegen 14.30 Uhr (MESZ) erwartet. Am Nachmittag dann veröffentlicht die Universität Michigan den an den Finanzmärkten viel beachteten Index der Verbraucherstimmung für den Monat September.

Von den Unternehmen und Branchen kamen gestern durchwachsene Nachrichten. Halbleiterwerte gaben nach. Die Investmentbank Lehman Brothers hatte erklärt, die Aktien der Chipausrüster dürften in den kommenden Monaten weiter unter Druck bleiben. Die Gewinne der Unternehmen dürften nach Einschätzung der Bank im dritten Quartal schwächer als erwartet ausfallen und auch die Prognosen für das vierte Quartal dürften schwach ausfallen. Intel   fielen rund fünf Prozent. Die Aktien des Chipausrüsters Applied Materials gaben rund sieben Prozent auf 12,74 Dollar nach.

Gute Nachrichten von Motorola und Adobe

Gute Nachrichten gab es nach Börsenschluss von Motorola. Der Mobiltelefon- und Chiphersteller hat die Gewinnprognose für sein Halbleitergeschäft im dritten und vierten Quartal dieses Jahres sowie den Ausblick für die Branche weltweit bekräftigt. Erfreulich auch: Der US-Softwarehersteller Adobe Systems hat im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Gewinn je Aktie von 0,22 Dollar erzielt und damit Analysten-Schätzungen von 0,19 Dollar übertroffen.

Honeywell senkt die Jahresprognose

Enttäuschend hingegen war die Gewinnwarnung des US-Mischkonzern Honeywell  . Das Unternehmen hat auf Grund der schwachen Konjunktur in den USA die Gewinnprognosen für das dritte Quartal und das Gesamtjahr 2002 gesenkt. "Wir revidieren unsere Prognose für 2002, weil deutlich wird, dass ein breiter wirtschaftlicher Aufschwung sich nicht durchsetzt", sagte Chairman und CEO David Cote. Die Fluggesellschaften hätten weiterhin mit ihrer Profitabilität zu kämpfen, was die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens dämpfe.

MobilCom-Aktionären droht Totalverlust

An den deutschen Börsen dürfte heute die Telefongesellschaft MobilCom   im Mittelpunkt stehen. Großaktionär France Télécom   will nicht mehr in das Unternehmen investieren. MobilCom wird vermutlich in den nächsten Tagen Insolvenz müssen. 5000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Nach einer Berg- und Talfahrt ging die Aktie von MobilCom   am Donnerstag mit Verlusten von zehn Prozent auf 1,80 Euro aus dem Handel. Vorbörslich wurde die Aktie bei 90 Cents gehandelt. In Hochzeiten hatte die Aktie des ehemaligen Stars am Neuen Markt bei 170 Euro gestanden.

Der französische Konzern wies nach ersten Meldungen am Freitagmorgen für das erste Halbjahr ein Nettodefizit von 12,2 Milliarden Euro aus, das in erster Linie auf Abschreibungen in Höhe von 11,1 Milliarden Euro zurückzuführen ist. Ein großer Teil davon geht auf das Konto von MobilCom. Die Nettoverschuldung des Konzerns stieg auf 69,7 Milliarden Euro.

Allianz: Tochter bereitet Sorgen

In den Blickpunkt der Anleger könnte heute auch die Aktie des weltweit größten Versicherers Allianz   geraten. Der Konzern hat bei der US-Tochter Fireman's Fund die Reserven für Asbest- und Umweltrisiken in den USA um 750 Millionen Dollar auf 1,51 Milliarden Dollar erhöht. Allerdings hatte die Allianz bereits im Frühjahr eine Erhöhung der Reserven bei ihrer US-Tochter angekündigt.

Die Deutsche Telekom   will nach einem Bericht des "Handelsblatts" in den ersten Monaten des kommenden Jahres die Telefon-Grundgebühr um einen Euro anheben. Das Unternehmen führe darüber Gespräche mit der Regulierungsbehörde, schreibt die Zeitung. Vom Vorstand endgültig beschlossen sei die Preiserhöhung allerdings noch nicht. Wie es weiter heißt, würde eine Preiserhöhung dem Konzern jährlich 500 Millionen Euro mehr in die Kasse spülen.