Börsenausblick Motorola schürt Hoffnungen
Frankfurt am Main - Der Dax (minus 2,1 Prozent auf 4510 Punkte) und besonders der Nemax 50 (minus 4,2 Prozent auf 682 Punkte) kannten gestern kein Halten mehr, dürften sich nach Ansicht von Händlern aber heute zum Auftakt minimal erholen. Grund ist die etwas freundlichere Tendenz in den USA im späten Handel: Der Dow Jones baute in den letzten beiden Handelsstunden sein Plus von 0,4 auf 1,1 Prozent aus und schloss 100 Punkte fester bei 9617 Zählern. Der Nasdaq Composite (plus 0,7 Prozent um 20 Uhr) schloss 1,5 Prozent fester bei 1519 Zählern: Hier ist besonders wichtig, dass die Marke von 1500 Punkten gehalten hat.
Microsoft, Procter und Intel mit Gewinnen
Für die leichte Entspannung seien vor allem Gerüchte verantwortlich, der Softwareriese Microsoft werde seine Prognosen für das laufende Quartal übertreffen, sagten Händler. Microsoft sowie der Chiphersteller Intel legten im späten Handel deutlich zu. Außerdem haben die optimistischen Geschäftsprognosen des Schwergewichts Procter & Gamble und des Handyherstellers Motorola die Nerven etwas beruhigt.
Der monatliche Konjunkturbericht (Beige Book) der US-Notenbank war indes kaum dazu angetan, Begeisterungsstürme auszulösen: Demnach ist die US-Wirtschaft Ende April und Anfang Mai nur moderat gewachsen. Während einige Sektoren eine Verbesserung verzeichnet hätten, sei das Wachstum in anderen schwach geblieben, hieß es. Für weitere Verunsicherung sorgte die Nachricht von der Festnahme des ehemaligen Chefs der Biotechnologiefirma ImClone Systems, Samuel Waksals, wegen angeblichen Insider-Handels.
Das Vertrauen in "Corporate America" geht nach der Festnahme Waksals weiter zurück. Erst vor wenigen Tagen war der ehemalige Konzernchef des Mischkonzerns Tyco der Verkaufssteuerhinterziehung bezichtigt worden. Die Tyco-Aktien setzten auch am Dienstag ihre Talfahrt fort.
Motorola für Nasdaq Gold wert
Für die Technologiebörse Nasdaq war die guten Nachrichten aus dem Hause Motorola ein rettender Strohhalm. Der weltweit zweitgrößte Hersteller von Mobiltelefonen hatte mitgeteilt, seine Umsatzprognose für das zweite Quartal entweder einzuhalten oder sogar zu übertreffen. Die Aktie zog um knapp neun Prozent an. "Die Motorola-Nachrichten haben natürlich auch andere Aktien beflügelt", sagte ein Händler in New York.
Dax schwer angeschlagen
Ein bisschen Rückenwind hätte auch der Dax bitter nötig. Der Index konnte am Mittwoch nur mit Mühe die 4500-Punkte-Linie verteidigen. Zum Schlussgong notierte der Leitindex auf 4510 Zählern, ein Minus von 2,1 Prozent. Am Neuen Markt testete der Nemax 50 die Tiefststände vom September vergangenen Jahres und ging 4,2 Prozent leichter aus dem Handel bei 682 Punkten.
MLP: Anlegermagazin legt nach
MLP: Anlegermagazin legt nach
In den Blickpunkt des Interesses rückt erneut MLP . Börsianer verwiesen auf einen Vorabbericht des Anlegermagazins "Börse Online", wonach Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen des Finanzdienstleisters aufgetaucht sein sollen. "Einiges deutet darauf hin, dass MLP in den Jahren 2000 und 2001 deutlich zu hohe Gewinne ausgewiesen haben könnte", hieß es. MLP soll dem Artikel zufolge Beraterprovisionen nicht periodengerecht gegen "sonstige Vermögensgegenstände" verbucht haben. Laut Börse Online könne die MLP-Aktie bis auf zehn Euro fallen.
MLP hatte die Vorwürfe bereits mehrfach zurückgewiesen und will heute dazu Stellung nehmen. Die Aktien gingen am Mittwoch mit einem Abschlag von rund 15 Prozent auf 33,29 Euro aus dem Handel.
Hoffnungsschimmer für Techwerte
Technologietitel könnten sich auf Grund der freundlichen Schlusstendenz in den USA heute leicht erholen. Vor allem der Softwarehersteller SAP war gestern unter Druck geraten: Marktteilnehmer verwiesen auf einen enttäuschenden Geschäftsausblick des US-Konkurrenten Siebel Systems. Siebel-Finanzchef Ken Goldman hatte während einer Investorenkonferenz das Umfeld für Informationstechnologie im aktuellen Quartal als "schwieriger als noch vor einem Jahr" bezeichnet. SAP-Papiere gaben um 4,2 Prozent auf 107,49 Euro nach, Epcos verloren 2,5 Prozent und Siemens fielen um 3,6 Prozent.
Die Anteilsscheine von Infineon gaben um knapp sechs Prozent auf 15,66 Euro nach, nachdem der schwedische Mobilfunkhersteller Ericsson vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung seine Mikroelektroniksparte für 400 Millionen Euro an Infineon verkaufen will. "In dieser Marktlage wird der Deal nicht positiv aufgenommen", sagte Analyst Rüdiger Kühnle von der Baden-Württembergischen Bank.
Grünes Licht für Eon
Gewinner am Mittwoch war die Aktie von Eon , die sich um annähernd zwei Prozent auf 56,80 Euro verteuerte. Der Aufstieg von Eon zum größten privaten Energiedienstleister der Welt ist perfekt. Der Düsseldorfer Konzern erhielt am Mittwoch grünes Licht von der US-Börsenaufsicht SEC für die Übernahme des britisches Energieversorgers Powergen und dessen US-Tochterunternehmen LG&E. Damit seien alle Voraussetzungen für den Abschluss des Übernahmeverfahrens in Großbritannien erfüllt, teilte Eon mit.
Mobilcom: Steigt Hutchison ein?
Mobilcom-Streit eskaliert
Am Neuen Markt haben Mobilcom-Aktien einen Teil ihrer Verluste wieder abgebaut, schlossen aber immer noch mehr als 15 Prozent leichter bei 6,14 Euro. Im Tagesverlauf wurde ein Tiefstand von 5,35 Euro markiert. Es gebe noch viele Fragezeichen zur Zukunft des Unternehmens, sagte ein Händler. Am Dienstag hatte der Großaktionär France Télécom ihren Kooperationsvertrag mit Mobilcom zum Aufbau des UMTS-Netzes gekündigt. Ob die von den Franzosen angestrengte Trennung gelingt, ist unter Experten umstritten - Mobilcom will die Trennung rechtlich prüfen lassen. Am Donnerstag wurden Gerüchte laut, der in Honkong ansässige Konzern Hutchison Whampoa erwäge den Einstieg in den deutschen Mobilfunkmarkt und könnte Interesse an Mobilcom zeigen.
Nikkei schwach
Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag trotz der guten US-Vorgaben schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 1,6 Prozent auf 11.144 Punkte ein. Händler sahen den Grund für die schwache Sitzung in dem Verfall von Optionen am Freitag. Bis dahin könne der Nikkei 225 auf 11.000 Punkte sinken.
Der Euro präsentierte sich am Donnerstag weiter über der 94-Cent-Marke. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch bei 0,9452 Dollar festgesetzt. Am Morgen notierte die Währung bei 0,944 US-Dollar.