Börsenausblick Nokia kürzt Umsatzprognose
Frankfurt am Main - Den Börsen in Frankfurt steht vor der nahenden Indexumstellung und dem Hexensabbat am Freitag ein turbulenter Handelstag bevor. Zwar gab es in der vergangenen Nacht keine Störfeuer aus den USA, dafür gibt es richtungsweisende Nachrichten aus der europäischen Telekombranche.
Der Dax gab am Mittwoch 1,8 Prozent auf 4354 Zähler nach. Am Neuen Markt schloss der Auswahlindex Nemax 50 rund 4,5 Prozent leichter auf 650 Punkten und damit auf Tagestief. Der MDax aus 70 mittelgroßen Werten war um 1,3 Prozent schwächer bei 4029 Zählern aus dem Handel gegangen.
Im Blickpunkt der Händler sollten erneut die Technologiewerte stehen, die am Vortag aufgrund schlechter Branchennachrichten aus den USA deutlich unter Druck standen. Am Donnerstagmorgen hat Nokia verhaltene Prognosen bekannt gegeben. So senkte der finnische Handyhersteller seine Wachstumsprognose beim Umsatz im zweiten Halbjahr 2002 von 15 auf zehn Prozent. Das Unternehmen blieb jedoch gleichzeitig bei seiner Jahresgewinnprognose von 0,83 Euro je Aktie. Ab 2003 wolle der Weltmarktführer Umsatz und Gewinn jährlich um mehr als zehn Prozent steigern, hieß es. Das Marktvolumen für Handys schätzt Nokia den Angaben zufolge in diesem Jahr auf insgesamt 400 bis 420 Millionen Geräte. Nokia hält an seinem Ziel von 40 Prozent Marktanteil bei Mobiltelefonen fest und will Nummer eins auf dem wachsenden weltweiten Markt für so genannte CDMA-Technologie (Code Division Multiple Access) werden.
Auch die T-Aktie , die am Mittwoch erneut unter der Zehn-Euro-Marke aus dem Handel ging, steht erneut im Visier der Börsianer. Der Bundesrechungshof offenbar neue Zweifel an der Bilanz geäußert. Die Kritik der Finanzkontrolleure entzünde sich erneut an der Bewertung der Immobilien, schreibt die "Financial Times Deutschland" (FTD) unter Berufung auf Kreise des Haushaltsausschusses. Dem Gremium sei ein geheimer Bericht des Bundesrechnungshofes zugegangen, demzufolge die Telekom den Wert ihrer Immobilien immer noch nicht korrekt bilanziert.
Neues gibt es auch aus dem Hause MobilCom : Die France Télécom will im "Übernahmepoker" um den Büdelsdorfer Konzern, den Anteilseigner nur zehn Euro pro Aktie bieten und damit weniger als die Hälfte der 22 Euro, die der Vorstandsvorsitzende der MobilCom Gerhard Schmid für sich und die freien Aktionäre gefordert hatte. Das schreibt die "Financial Times Deutschlands" unter Berufung auf Kreise, die mit den noch weiter laufenden Verhandlungen vertraut seien. Das Angebot sei als Aktientausch geplant, so die Zeitung.
Eine ganze Reihe von US-Konjunkturdaten könnte im späteren Handelsverlauf Einfluss auf das Marktgeschehen haben. So steht die Leistungsbilanz für das erste Quartal an. Experten rechnen damit, dass sich das Defizit auf 105,6 Milliarden Dollar ausgeweitet haben könnte. Im vierten Quartal des Vorjahres hatte das Defizit 98,8 Milliarden Dollar betragen. Der Index der Frühindikatoren Mai dürfte nach Ansicht von Volkswirten im Mai um 0,2 Prozent gestiegen sein. Im April hatte der Index noch einen Rückgang von 0,4 Prozent verzeichnet. Am frühen Abend deutscher Zeit steht zudem der Philly-Fed-Index Juni an. Der Wirtschaftsaktivitätsindex dürfte im Juni auf 12,0 zulegen, nachdem dieser im Mai unerwartet auf 9,1 gefallen war.
New York: Berg- und Talfahrt endet mit Verlusten
Die Aktien an der New Yorker Wall Street haben am Mittwoch eine Berg- und Talfahrt mit Verlusten beendet. Vor allem Verkäufe bei den Technologiewerten hätten die Indizes zunächst nach unten gezogen, sagten Händler. Am Dienstag nach Börsenschluss hatten einige große Technologie-Unternehmen ihre Gewinnprognosen heruntergeschraubt. Im Tagesverlauf hätten sich die Börsenbarometer leicht erholt und seien dann von einer neuerlichen Eskalation der Lage im Nahen Osten wieder nach unten gedrückt worden. Insgesamt hätten sich die Verluste jedoch vor dem Verfallstag für Optionsscheine und Futures am Freitag in Grenzen gehalten, sagte Peter Cardillo von Global Partners Securities.
Der Dow-Jones-Index beendete den Handel mit minus 1,5 Prozent auf 9561 Punkten. Der marktbreitere S&P-500 verlor bis Börsenschluss 1,7 Prozent auf 1019 Zähler. Die Nasdaq rauschte um drei Prozent auf 1496 Punkte nach unten.
Krise im Nahen Osten belastet Dollar
Der Kurs des Euro ist am Donnerstagmorgen weiter gestiegen und hat deutlich über der Marke von 0,95 Dollar notiert. Die erneute Zuspitzung des Konflikts im Nahen Osten habe den Dollar belastet, sagten Händler. Gegen 8.15 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,9575 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 0,9561 Dollar festgesetzt.
Der Dollar-Schwäche halte an, sagte Ron Simpson, Analyst bei Standard & Poor's. Vor allem die deutliche Schwäche an den US-Aktienmärkten laste auf dem Dollar. Dem Euro war es gelungen, die wichtige Widerstandsmarke von 0,9550 Dollar zu überschreiten.
Der Euro bewege sich nun auf die Marke von 0,96 Dollar zu, sagten Marktbeobachter. Mit Spannung erwartet würden die Zahlen zur US-Leistungsbilanz an diesem Donnerstag. Sollte das Defizit höher als erwartet ausfallen, dürfte der Dollar weiter an Wert verlieren.