Börsenausblick "Nur" sieben Prozent
Frankfurt am Main Massive Kursverluste bei Fluglinien, Reiseunternehmen und Versicherungen hatten gestern für den größten Tagesverlust in der Geschichte des Dow Jones gesorgt. Der Index gab um 7,1 Prozent (684 Punkte) auf 8920 Punkte nach, der Nasdaq Composite verlor 6,8 Prozent auf 1579 Zähler. Fluglinien brachen um bis zu 50 Prozent ein, Rüstungskonzerne wie Lockheed und Raytheon legten zu.
Notenbanken federn Kurssturz ab
Mit einer konzertierten Aktion haben gestern die Notenbanken die Märkte gestützt: Die US-Notenbank, die EZB sowie die Notenbanken von Kanada, Schweden und der Schweiz senkten jeweils ihre Zinssätze. Zudem kündigten Unternehmen wie Intel , Pepsico, Compaq und Hewlett Packard , vom Angebot der Börsenaufsicht Gebrauch zu machen und eigene Aktien zu erleichterten Bedingungen zurückzukaufen. "Wir lassen uns nicht unterkriegen" lautete die Botschaft, die die Wall Street gestern während eines emotionalen Handelstages vermittelte.
Das gemeinsame und entschlossene Krisenmanagement führte dazu, dass der breiter gefächerte Index S&P 500 lediglich um 4,9 Prozent auf 1039 Zähler zurückging, deutlich weniger als befürchtet. Der Dax hat zum Beispiel nach dem Attentat und vor Handelsbeginn in den USA zwölf Prozent verloren, der Europe Stoxx 50 knapp neun Prozent. In Europa bestünde demnach trotz der Kursgewinne gestern weiteres Aufholpotenzial, wenn die Angst vor einer Rezession die Kurse in den USA nicht weiter drückt.
Die Titel der Deutschen Telekom , des Autobauers DaimlerChrysler sowie der Versicherungskonzerne Allianz und Münchener Rück konnten sich bereits gestern mit Kursgewinnen zwischen fünf und sieben Prozent von ihrem tiefen Sturz erholen. Allerdings bleibt die Situation an den Märkten äußerst kritisch: Die Unsicherheit über die weitere polititsche Entwicklung nach den angekündigten Vergeltungsschlägen der USA ist Gift für die Börse. Immer mehr Experten gehen davon aus, dass das Verbrauchervertrauen in den USA weiter abnehmen und das Land im vierten Quartal in eine Rezession drücken wird.
Gewinne in Asien
Auch die asiatische Leitbörse in Tokio hat trotz der historischen Baisse der Wall Street mit Kursgewinnen reagiert. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg um 1,9 Prozent (175 Punkte) auf 9661 Zähler. Gewinnmitnahmen in der letzten Handelsstunde drückten den Index, der im Handelsverlauf schon 3,9 Prozent zugelegt hatte.
Euro schwächer
Der Euro gab wieder nach. Er wurde am Morgen mit 0,922 Dollar gehandelt, nachdem er am Montag kurzzeitig die 93-Cent-Marke überschritten hatte. Die Europäische Zentralbank und die Fed hatten gestern die Zinsen um jeweils 50 Basispunkte gesekt. Heute werden außerdem die Verbraucherpreise für August in der Euro-Zone bekannt gegeben.